Freitag, 5. April 2013

Scream 2 (1997)

So intelligent Wes Craven mit dem Genre des Slasherfilms und dessen Klischees in "Scream" (1996) umging, auf das größte Klischee konnte er nicht verzichten - nämlich die obligatorische Fortsetzung. SCREAM 2 (Scream 2) spielte noch mehr Geld ein als das Original und wurde von Kritikern und Fans ebenso gelobt wie der Vorgänger. Zu Recht? 

Der Inhalt: Zwei Jahre später. Bei einer Kinovorführung des Films "Stab", der die Ereignisse aus Teil 1 schildert, findet ein neuer Killer zwei neue Opfer. Sydney Prescott (Neve Campbell), das Final Girl von damals, besucht mittlerweile das College und versucht, die traumatischen Erlebnisse hinter sich zu lassen, doch der Slasher metzelt sich unerbittlich durch ihren Freundes- und Bekanntenkreis...

SCREAM 2 geht mit den typischen Elementen eines zweiten Teils (höherer Body Count, ausgefallenere Morde, mehr Verdächtige) ebenso kreativ um wie mit Standards des Slasherfilms im Original. Tatsächlich nimmt die Zahl der Verdächtigen hier schon inflationäre Ausmaße an. Die schlussendliche Auflösung fällt dann auch eher unspektakulär aus, allerdings kann Wes Craven sie dadurch ironisch aufwerten, dass der (bzw. einer der) Killer die einzige Figur im Film ist, die schon zu Beginn Sequels verteidigt (in der College-Filmklasse), und sein Plan, die Morde vor Gericht mit der Begründung zu rechtfertigen, dass 'die Filme ihn dazu gebracht hätten', ist ein netter, zynischer Kommentar zu den realen Fällen, in denen Medien und Politik schnell mit dem Finger auf Horrorfilme oder Computerspiele zeigen und gern die Bebilderung von Gewalt mit deren Ursache verwechseln.

Zuvor gelingen Craven einige starke Spannungsmomente, von denen Neve Campbells Flucht aus einem verschlossenen Polizeiwagen wohl der beste ist. Hier zeigt sich Cravens großes Talent, aus einer schon oft gesehen Szene das Maximum an Spannung herauszuholen. Ansonsten ist so ziemlich alles schon mal dagewesen. Der Killer taucht immer noch genau da auf, wo man ihn am wenigsten erwartet, die potentiellen Opfer setzen sich mit allem zur Wehr, was sie in die Finger kriegen können, und der Täter muss erneut ordentlich einstecken. Der Humor wird etwas zurückgenommen, der Blut-Gehalt dafür hochgeschraubt. Trotzdem bleibt SCREAM 2 durchweg leicht goutierbares Mainstream-Futter, das niemandem weh tut. Die besten Gags werden schon zu Beginn verschossen, wenn Craven mit dem Film-im-Film "Stab" seinen eigenen Vorgänger parodiert. Danach ist vieles in SCREAM 2 Dienst nach Vorschrift, und trotz allen Einfallsreichtums kommt das Sequel nie an die dichte Eröffnungssequenz von "Scream" heran.

Was dem Film natürlich zugute kommt, ist das Wiedersehen mit den bereits bekannten Darstellern, allerdings benötigt Craven zu viel Zeit, um sie langatmig einzuführen, weswegen SCREAM 2 nach dem starken Auftakt komplett durchhängt. Zu den Charakteren selbst ist Drehbuchautor Kevin Williamson nur bedingt Neues eingefallen. Neve Campbell guckt meistens bedröppelt aus der Wäsche (was sie in jedem Film macht), heult und/oder rennt vor dem Killer davon, Courtney Cox hat als Journalistin aus der Hölle wieder nur ihre Karriere im Sinn, und 'Sheriff' David Arquette kriegt immer noch nichts auf die Reihe. Sonderlich originell ist das nicht, und offenkundig hat keine der Figuren aus den Vorgängen in Teil 1 irgend etwas gelernt - abgesehen davon, dass Campbell jetzt eine Geheimnummer mit Anrufer-ID hat.

Die sympathischste Figur ist der von Jamie Kennedy gespielte Randy, der dem Zuschauer die Regeln des Sequels erklärt, und er wird schmerzlich vermisst, wenn er den Film viel zu früh kopfüber verlässt. In einer Nebenrolle ist Rebecca Gayheart zu sehen, die kurz darauf in "Düstere Legenden" (1998) von der Opferrolle auf die Täterseite wechselte. Glücklicherweise verzichtet SCREAM 2 auf einen Schmierenkomödianten wie Matthew Lillard, aber Jerry O'Connell ist als Campbells Lover (der ihr gesungene Liebeserklärungen in der Mensa macht) ebenfalls schwer zu ertragen, zumal die beiden absolut keine Chemie miteinander haben.

SCREAM 2 ist solides, unterhaltsames Popcorn-Kino mit zahlreichen Insider-Gags, das dem Original keine Schande bereitet, dieses aber auch nicht toppen kann. Der Zenit war bereits erreicht und überschritten, der nächste Teil sollte dann folgerichtig eine große Enttäuschung werden.

7.5/10


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