Samstag, 20. April 2013

Schrei, wenn du kannst (2001)

Mit "Düstere Legenden" (1998) hat Jamie Blanks einen gelungenen Beitrag zur Slasher-Welle inszeniert. Vier Jahre später folgte mit SCHREI, WENN DU KANNST (Valentine) ein weiterer, der aber leider zu den ganz schlimmen Vertretern eines Genres gehört, das ausgelutschter ist als Denise Richards' One Night Stands, und der überhaupt nur für Hardcore-Slasherfans oder Komplettisten zu empfehlen ist.

SCHREI, WENN DU KANNST beginnt mit Highschool-Jahrbüchern, in denen wir Fotos der weiblichen Hauptdarstellerinnen aus Jugendzeiten sehen. Das ist schon das Beste am ganzen Film, denn da sieht man schön, welche Gesichter sich...äh...sagen wir mal, ungewöhnlich verändert haben. Gleichzeitig werden wir Zeuge, wie ein junger Nerd (den man an der typischen Brille und fiesen Zähnen erkennt) auf einem Abschlussball mehrere Mädchen zum Tanzen auffordert, aber bei allen kalt abblitzt, weswegen er dann aus Verzweiflung ein dickes Mädchen abknutscht (weil mit Nerds und dicken Mädchen niemand etwas zu tun haben will - eine Lektion für die jüngeren Zuschauer). Prompt wird er von gemeinen Mitschülern ausgelacht, mit Punsch übergossen, nackig ausgezogen und vermöbelt.

An dieser Stelle hat SCHREI bereits den künstlerischen Offenbarungseid abgelegt, denn so dreist wurde sogar im Slasher-Genre selten geklaut. Außerdem wirkt der Abschlussball billig und lieblos zusammengeschustert (ca. 10 Kinderdarsteller werden aus unterschiedlichen Perspektiven gefilmt, um den Eindruck zu erwecken, der Saal wäre voll). Das betrifft auch den Rest des Films, der zwar für ein großes Studio (Warner) produziert, aus Kostengründen aber in Kanada gedreht wurde, weswegen Vancouver als San Francisco herhalten muss. Da kann Herr Blanks im Audiokommentar noch so oft behaupten, dass das keiner merkt, man merkt es.
Sogar eine Szene, die ein Fest für jeden Ausstatter und Regisseur sein sollte (ein Mord während einer Kunstausstellung) ist nur öde, weil sie viel zu hell ausgeleuchtet und schlecht geschnitten ist. Außerdem ist die eigentlich gute Idee des Labyrinths aus Video-Installationen, durch die das Opfer gejagt wird, todlangweilig umgesetzt. 

Weiter zur Handlung. Viele Jahre und Schönheits-OPs später sind die betroffenen Mädels erwachsen, suchen alle einen Freund (obwohl einige schon einen haben, aber man kann ja nie dünn, reich oder beliebt genug sein) und werden am Valentinstag von einem maskierten Killer der Reihe nach dahingerafft. Das wirft viele Fragen auf. Könnte es sich bei dem Mörder um den ehemals gepeinigten Jungen handeln? Wie viele Ersatzteile stecken in Denise Richards? Warum kriegt Jessica Capshaw die Zähne nicht auseinander? Warum gibt es keinen einzig spannenden Moment?

Um es kurz zu machen: SCHREI möchte gleichzeitig Horrorfilmfans und Frauen, die "Sex and the City" lieben, ansprechen, und diese Mixtur geht so furchtbar in die Hose, dass man sich fremdschämt. Da gehen die Mädels zu irgendwelchen Speed Dating-Veranstaltungen und wälzen Liebesprobleme, während der Film die miesesten und gestörtesten Männer vorführt, um zu zeigen, dass die armen Damen keinen Partner finden können - ohne zu merken, dass die hier dargebotene weibliche Spezies samt und sonders aus billigen, oberflächlichen Plastik-Püppchen besteht, in deren Köpfen weniger Inhalt steckt als in Partyballons.
Werfen wir doch geschwind mal einen Blick auf die angeblichen Traumbräute: 

1. Ein aufgepimptes Luder (dargestellt von Denise Richards, die nicht einmal überzeugend spielen kann, dass sie Cornflakes isst!), das alles durch die Laken zieht, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, und sogar den widerlich schmierigen Kommissar anbaggert.

2. Ein naives Blondchen, das man mit "Heather Graham ohne das Talent" beschreiben kann, und deren Freund ein trockener Alkoholiker ist, weswegen sie die Beziehung schwierig findet und sich nach anderem Ehematerial umsieht, anstatt ihm...hm... nur eine Vorschlag: beizustehen!

3. Eine verwöhnte Zimtzicke, die ihre asiatische Stiefmutter als "Katalogbraut aus der Hölle" bezeichnet (gut, einen Punkt für Originalität), sich selbst aber in einen offensichtlichen Lügner und Betrüger verliebt, dem sie teure Geschenke macht (mit denen er verduftet), weil er hübsch aussieht. 

4. Eine weitere Blondine ohne jede Persönlichkeit, die das Bewerbungsvideo eines Liebeskandidaten angewidert abschaltet, als dieser erklärt, er liebe Football (Frauen sind ja so anspruchsvoll), und gottseidank als Erste dran glauben muss, weil sie einfach furchtbar nervt.

Haben diese Frauen außerdem noch Träume, Wünsche, Hoffnungen - oder wenigstens Berufe? Nö. Die suchen nur einen Kerl, das reicht doch wohl als Charakterisierung. Damit der Whodunit funktioniert, müssen sich alle irgendwie verdächtig verhalten, was stellenweise unfreiwillig komisch wird, wenn sogar kleinste Nebenfiguren plötzlich düster dreinblicken. Der größte 'Star' neben der absurden Denise Richards (die wenigstens so etwas wie Trash-Charme besitzt) ist David Boreanaz ("Angel"), aber der schnarcht sich wie Prinz Valium durch das Gemetzel und wechselt wahlweise von Gesichtsausdruck A (lächeln) zu B (finster gucken). Der Killer bekommt übrigens Nasenbluten während der Morde - nicht so wie der Zuschauer, der eher unter Gehirnblutungen zu leiden hat.

Und das Schlimmste: nicht mal die Mordszenen sind interessant, weil der Film in jeder Beziehung zu brav und bieder ist. SCHREI, WENN DU KANNST ist das beste Beispiel, warum das Slashergenre einen so schlechten Ruf hat. Eine hauchdünne Krimigeschichte, die vorn und hinten nicht stimmt, bevölkert von unsympathischen Charakteren, deren Schicksal einem am Arsch vorbeigeht. Wie bei 'Malen nach Zahlen' hakt Jamie Blanks uninspiriert sämtliche Klischees ab (Fake Scares, Popmusik, Twist Ending) und erlöst den Zuschauer nach einem mauen Finale, das so aufregend wie eine Doppelfolge "Derrick" ist.

Eine positive Bemerkung: die Maske des Killers und die bösen Valentinskarten, die die Mädels vor ihrer Ermordung bekommen, sind ganz nett. Gut, der Mord an Denise Richards ist auch ok. Wem's reicht...

02/10

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