Samstag, 27. April 2013

In 3 Tagen bist du tot (2006)

Jugendsünden rächen sich auch im Salzkammergut... 

Dass die Österreicher gute Horrorfilme machen können, haben wir schon bei Jessica Hausners kunstvollem "Hotel" (2004) festgestellt, der sich allerdings klar an ein Arthaus-Publikum wendet. IN 3 TAGEN BIST DU TOT ist dagegen ein rein kommerzielles Produkt, das auf einen erfolgreichen Zug aufspringen möchte, und das gelingt ihm außerordentlich gut.

Die Story kommt uns allen nicht ohne Grund bekannt vor: Vor vielen Jahren haben vier Kinder den Tod eines Mitschülers verursacht. Jetzt hat die Clique gerade die Matura bestanden, als jeder von ihnen eine ominöse SMS mit dem Filmtitel als Nachricht erhält. Prompt werden sie von einem geheimnisvollen Unbekannten gejagt, der auf nasskalte Rache aus ist...

Ich bin eher zufällig im ZDF-Nachtprogramm über diesen Ösi-Slasher gestolpert, konnte ihn aber nicht abschalten, was ein gutes Zeichen ist. Die Parallelen zu "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" (1997) sind dabei so offensichtlich, dass die Formulierung 'ins Auge springen' bereits die Untertreibung des Jahrhunderts wäre. Aber der Film von Andreas Prochaska hat mehr zu bieten als der Inhalt vermuten lässt, nämlich eine eigene, dichte Atmosphäre, die ihn locker über den ganzen Rest der "Scream"-Nachahmer hinauskatapultiert. Regisseur Andreas Prochaska fängt mit seinem Kameramann David Slama wundervoll stimmungsvolle Bilder ein und verwandelt seine vorhersehbare Rachegeschichte in einen gespenstischen Alptraum, in dem seine jungen Protagonisten gefangen sind. Wasser spielt dabei eine zentrale Rolle, sowohl geographisch als auch metaphorisch. Um den blutigen Vorgängen auf den 'Grund zu gehen', muss tief abgetaucht werden in die Sünden der Vergangenheit, und Final Girl Sabrina Reiter muss am Ende erst symbolisch sterben und wieder geboren werden, um sich von der Schuld reinzuwaschen. Kamera und Ausstattung bemühen sich, die Wasser-Thematik immer wieder neu aufzugreifen, durch Aquarien, Toiletten, Fische oder Dauerregen. Die angenehm zurückhaltende Musik von Matthias Weber verstärkt die morbide Grundstimmung des Films.

Die Jugendsünden sind ein beliebtes Thema des Slasherfilms, und auch IN 3 TAGEN BIST DU TOT lässt inhaltlich kaum ein Klischee des Genres aus (Fake Scares, Leichen, die verschwinden, Drohnachrichten, etc.), und in einer eher überflüssigen Szene (die Schulabgänger überfahren ein Reh) wird so deutlich auf "Ich weiß, was du..." angespielt (mal ganz abgesehen vom gesamten Fischerdorf-Setting), dass man sich fragen muss, ob es sich hier um einen extrem selbstbewussten Umgang mit geborgten Ideen handelt, oder ob man wirklich dachte, damit durchzukommen (nach dem Motto: vielleicht merkt's ja keiner). Egal. Auch Kevin Williamson hat das Genre nicht erfunden. Neben den üblichen Verdächtigen des Slasherfilms gibt es übrigens noch Anleihen bei Argento, in dessen Werken finale Konfrontationen der Helden mit dem Killer oft an jenem Ort stattfinden, der das ultimative Böse beherbergt: dem Elternhaus. So spielt auch hier ein verlassenes Haus, das dunkle Geheimnisse birgt, eine wichtige Rolle.

IN 3 TAGEN BIST DU TOT profitiert ungemein von den natürlichen Darstellerleistungen seiner unverbrauchten Jungschauspieler und den realistischen Dialekten (inwieweit sie für die Region authentisch sind kann ich nicht beurteilen, es ist für mich auch nebensächlich), und der Film bemüht sich erfolgreich, die Figuren nicht zu Kanonenfutter verkommen zu lassen, sondern sie als sympathische, dreidimensionale Charaktere zu zeichnen. Humor ist nur minimal vorhanden, die Spannung verdichtet sich stetig bis zum Finale, welches dann zwar mit mehreren Unglaubwürdigkeiten jongliert (wer überlebt schon einen Sturz aus einem mehrstöckigen Haus frontal auf die Spitzen eines Metallzauns??), aber dennoch so packend inszeniert ist, dass man über die Logikholperer hinwegsieht.

Der Film war ein großer Erfolg in den heimischen Kinos und konnte auch hierzulande viele Fans gewinnen, so dass ein zweiter Teil obligatorisch war. Der geht ganz andere Wege als der Vorgänger, hat mich aber doch leicht enttäuscht. Andreas Prochaska gehört mittlerweile verdientermaßen zu den profiliertesten deutschsprachigen Kino- und TV-Regisseuren, seine Darsteller sind ebenfalls in der Filmlandschaft etabliert. Respekt und Hut ab, es gehört schon was dazu, einem ausgelutschten Genre wie dem Slasherfilm noch interessante Seiten abzugewinnen. Von mir eine klare Empfehlung, auch wenn ich nicht verschweigen will, dass IN 3 TAGEN BIST DU TOT polarisiert und ihn viele Rezensenten als plumpen Abklatsch einschlägiger Vorbilder empfinden. Für mich stecken die Unterschiede in den Details.

8.5/10

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