Dienstag, 9. April 2013

Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast (1998)

Was darf man von einem Film erwarten, dessen Titel schon keinen Sinn ergibt? Sollte es nicht 'vorletzten Sommer' heißen, wenn die Ereignisse, auf die der Killer sich bezieht, mittlerweile zwei Jahre zurückliegen? Oder habe ich mir da schon viel zu viele Gedanken gemacht?

Dass Jennifer Love Hewitts Brüste auf dem Kinoplakat größer sind als der Kopf von Mekhi Pfifer wurde schon von anderen Rezensenten erwähnt (Mr.Cranky.com), aber ich zitiere es gern, weil es Bände spricht, denn in diesem Sequel zum Hit "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" (1997) geht es mehr um Jennifers Dekolleté als um Horror oder Spannung.
Als sich herausstellte, dass der Vorgänger unerwartete Kassenrekorde aufstellen würde, wurde das Sequel ICH WEISS NOCH IMMER, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST (I Still Know What You Did Last Summer) so schnell und hastig produziert, dass man sich nicht wundern muss, warum das Ergebnis so niederschmetternd bescheuert geworden ist. ICH WEISS NOCH IMMER ist eine dieser Fortsetzungen, wegen der wir Fortsetzungen hassen, ein idiotischer Film mit idiotischen Charakteren, die lauter idiotische Dinge tun, bevor ein Killer sie gnädigerweise umbringt. Ein paar Idioten überleben aber für ein noch idiotischeres Sequel.

Worum geht es diesmal? Jennifer Love Hewitt hat die Ereignisse aus Teil 1  - ganz besonders den Tod ihrer besten Freundin Sarah Michelle Gellar (und die Tatsache, dass Gellar mit "Buffy" viel erfolgreicher war als Hewitt) - immer noch nicht verkraftet und leidet unter Alpträumen und Halluzinationen. Sie sah aber glücklicherweise nie besser aus, und Hewitt spielt das durchweg mit penetranter Selbstverliebtheit, Schmollmündchen und Schlafzimmer-Augenaufschlag, egal, ob es gerade passt oder nicht. Als sie und ihre neue Freundin Brandy (noch so eine Nervensäge) bei einem Radio-Gewinnspiel eine Reise in ein abgelegenes Inselhotel gewinnen, freuen sie sich wie Bolle und machen sich gleich auf den Weg, obwohl dort ein Jahrhundertsturm angekündigt ist und sie die einzigen Gäste sind. Macht ja nix, Bikini raus und ab in den Whirlpool. Oder treibt da etwa jemand ein falsches Spiel mit den Teenies? Natürlich, denn schon bald ('bald'  bedeutet hier ca. nach einer Filmstunde, die sich wie Kaugummi zieht) rollen die ersten Köpfe...

I STILL KNOW handelt von Studenten, die nicht merken, wenn ihre Antwort 'Rio' auf die Gewinnspielfrage nach der Hauptstadt Brasiliens als richtig durchgeht, mehr muss man eigentlich nicht sagen. In einem intelligenteren Film könnte das ein ironischer Seitenhieb auf die Bildungsmisere der Amerikaner sein, die schon froh sind, wenn sie Washington als Hauptstadt der USA benennen können, doch dies ist eben kein intelligenter Film, deshalb wundert sich niemand.

Wenn die Figuren gerade nicht banales Zeug miteinander reden, reagieren sie auf jeden Pups mit totaler Hysterie. Da wird gekreischt, als gäbe es kein Morgen, obwohl nur ein paar Turnschuhe im Trockner rotieren, da flippt Jennifer komplett aus, weil "I Still Know" auf einem Karaoke-Monitor erscheint. Dafür, dass sie dermaßen an der Grenze zum Irrsinn steht, zieht sie sich aber gottseidank immer extrem sexy an und muss unbedingt unter die Sonnenbank, wenn schon ein Hurricane ihr den Strandurlaub vermiest. Es stutzt auch keiner beim Anblick von 'Re-Animator' Jeffery Combs, der das Hotel am Ende der Welt leitet und der einzige Lichtblick in dem ganzen Unsinn ist. Wenn ich meinen Urlaub in einem Hotel verbringen müsste, das von Jeffrey Combs geführt wird, würde ich die Beine in die Hand nehmen, aber ich habe ja auch noch fast alle Sinne beisammen.

Alles andere als ein Lichtblick ist dagegen Jack Black, der einen dauerkiffenden Poolboy mit Rastalocken 'spielt' und dem Publikum ab seinem ersten Auftritt so gewaltig auf den Senkel geht, dass man inständig betet, der Killer möge endlich zuschlagen und den Film von diesem unerträglich chargierenden Monster befreien. Ich fand Jack Black ohnehin noch nie witzig, aber das hier ist seine mit Abstand grauenhafteste Vorstellung, eine Jack Nicholson-Imitation für die ganz Armen. Nein, selbst die ganz Armen haben das nicht verdient, die haben es schon schwer genug. Freddie Prinze jr. ist übrigens auch wieder dabei, aber der hatte offensichtlich so wenig Bock auf den Film, dass man seine Szenen an einer Hand abzählen kann.

ICH WEISS NOCH IMMER ist ein Film, in dem lange nichts passiert und der Zuschauer mit einer endlosen Kette von Fake Scares abgespeist wird, die immer nach dem selben Schema ablaufen. Jemand hört ein Geräusch, die Musik schwillt an, es wird laaaange und laaangsam in die Richtung geschlurft, aus der das Geräusch kam, und dann fällt ein Schukarton aus dem Kleiderschrank, oder eine Katze springt heraus, oder was weiß ich. Unentwegt! Dazu kommt das uralte Klischee, dass niemand Jennifer glaubt, wenn sie merkt, dass der Killer hinter ihr her ist. Wenn ich eine beste Freundin hätte, die ein Jahr zuvor fast einem Serienkiller in die Hände gefallen wäre, der sämtliche ihrer Freunde abgemurkst hat, würde ich dann ernsthaft zu ihr sagen: "Nein, Jennifer, Schatz, da ist keiner, das bildest du dir alles nur ein, du bist offensichtlich verrückt"? Eher nicht. Aber wie gesagt, alle Sinne und so...

Das ganze Ausmaß der Idiotie zeigt sich am Ende, wenn sich Jennifer und Brandy glücklich in die Arme fallen, weil sie das Massaker überlebt haben - und dabei offensichtlich vergessen, dass Brandys große Liebe Mekhi Pfifer zehn Minuten vorher vom Slasher verhackstückt wurde und sie selbst sich vermutlich alle Knochen gebrochen hat, als sie durch ein Glasdach geplumpst ist. Hauptsache, die Mädels haben sich wieder. Happy End. Oder wie Jennifer Love Hewitt zu Beginn sagt: "Oh - mein - Gott!"

Wer sich wirklich gruseln möchte, sollte sich ohnehin lieber unsere Jennifer in der TV-Serie "Ghost Whisperer" anschauen, wo sie dank der Errungenschaften moderner plastischer Chirurgie unheimlicher aussieht als die Gespenster, mit denen sie so flüstert... 

02/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...