Mittwoch, 17. April 2013

Haunted Hill (1999)

Ach, diese Remakes... nun gut, Schwamm drüber, dies ist eines der annehmbaren - aber nur, weil das Original schon nicht so dolle war.

HAUNTED HILL (House on Haunted Hill) ist eine Neuverfilmung des gleichnamigen -Klassikers von William Castle, den man heute nur noch wegen seines albernen Trash-Charmes, nicht wegen etwaiger künstlerischer Qualitäten, anschauen kann. Warum ausgerechnet dieser verstaubte Kicher-Grusler wieder aufgelegt wurde, weiß kein Mensch, aber das Remake stellte sich als überraschend erfolgreich heraus. Es lief im selben Jahr an wie Jan de Bonts "Haunting"-Neuverfilmung und schneidet im Vergleich eindeutig besser ab, auch wenn es gelegentlich in die gleichen Fallen tappt und das Publikum mit Effekten und Lautstärke zudröhnt, anstatt es wohlig zu gruseln.

Der Plot: Multimillionär und Vergnügungsparkmogul Mr. Steven Price (Geoffrey Rush) lädt mehrere Gäste zu einer Party in einem abgelegenen Haus an der Küste ein. In diesem Gemäuer befand sich vor Urzeiten eine Nervenheilanstalt, die nach einem blutigen Massaker der Insassen geschlossen wurde. Seitdem soll es dort spuken. Mr. Price verspricht jedem Gast eine Million Dollar, wenn er bleibt und die Nacht überlebt. Um seinen Besuchern richtig Angst einzujagen, hat er sich ein paar technische Tricks überlegt. Doch da hat er die Rechnung ohne die 'echten' Geister des Hauses gemacht, die schon bald lebendig werden und zur Jagd auf die Partygesellschaft blasen...

Hauptdarsteller Geoffrey Rush liefert eine schön schräge Vorstellung als durchgeknallter Millionär, der als Mischung aus Horror-Ikone Vincent Price (der im Original die Hauptrolle spielte) und Gimmick-Meister William Castle angelegt ist. Seine kaltherzige Gattin, wegen der er den ganzen Partyzauber überhaupt veranstaltet, wird von Famke Janssen mit exquisiter Bösartigkeit gespielt, und das Herumgezicke der beiden ist mit Abstand das Sehenswerteste am gesamten Film. Außerdem ist es immer ein Genuss, Janssen zuzuschauen, die nicht nur hinreißend gut aussieht, sondern auch den nötigen Witz mitbringt. Ich liebe sie, seit sie als Xenia Onatopp die Kerle mit bloßen Schenkeln umbrachte ("GoldenEye", 1995).

Der Rest vom Cast ist solide, kommt aber nicht gegen Rush und Janssen an, die die besten Dialoge bekommen (um nicht zu sagen, die einzig guten). Immerhin ist es angenehm, zur Abwechslung mal erwachsene Schauspieler zu sehen statt der üblichen kreischenden Teenager. Die auf den Postern prominent im Vordergrund abgebildete Bridgette Wilson (die kurz zuvor in "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" vom Fischer mit Haken dahingemetzelt wurde) gehört zu den ersten Opfern des Hauses und spielt die kleinste Rolle. Einen Gastauftritt liefert 'Re-Animator' Jeffrey Combs in einer Rückblende als Nervenarzt, der von seinen Patienten blutig ins Jenseits befördert wird. Der Wärter, der zu Beginn den Bleistift ins Ohr gerammt bekommt (aua!) ist übrigens der Drehbuchautor von HAUNTED HILL.

Regisseur William Malone sorgt für eine recht gelungene, düstere Atmosphäre, allerdings verbringt der Film zu viel Zeit damit, die Charaktere mit Taschenlampen durch das Kellerlabyrinth zu schicken, wo sie nach Sicherungskästen, verschwundenen Gästen oder sonstwas suchen. Das wird leider schnell langweilig, zumal sie in immer gleich aussehenden Sets herumirren. Echte Spannung kommt leider nie auf, weil die Geschichte konfus erzählt wird. So ist das Haus etwa in der Lage, sich per Internet in einen PC einzuhacken, das Böse aber kann erst aus dem Inneren des Hauses entweichen, wenn Janssen durch eine Steinmauer geworfen wird (?).
In der besten Sequenz wird Geoffrey Rush zur Strafe für seine Bösartigkeiten in eine ominöse Kammer gesteckt, die früher angeblich zur Heilung von Schizophrenie benutzt wurde (wie auch immer das funktionieren soll). Dort wird Rush (und der Zuschauer) von einer surrealen Horror-Bilderflut überrollt, deren visueller Einfallsreichtum (mit Reminiszenzen an Clive Barker und seine "Hellraiser"-Reihe) dem restlichen Film eher abgeht.

Am Ende wird's dann doch richtig enttäuschend, wenn 'Das Böse' hinter den letzten Überlebenden her ist. Der CGI-Spuk sieht leider aus wie schwarzer Chiffon (oder Nähgarn), der durchs Haus kriecht, und ist so schlecht animiert, dass er eher für Fremdschäm-Gänsehaut sorgt. Gut für die Charaktere, dass sie zum Schluss auf dem Turm des Hauses den Sonnenaufgang begrüßen können - aber geht die Sonne nicht eigentlich im Osten auf, und steht das Gemäuer nicht an der Westküste?

6.5/10

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