Sonntag, 28. April 2013

House of Wax (2005)

Kann ein Film schlecht sein, in dem Paris Hilton eine Eisenstange durch den Kopf bekommt?
Sagen wir mal, es geht so.

HOUSE OF WAX (House of Wax) entstand im Zug der erfolgreichen Welle von Horror-Remakes, die leider immer noch anhält und mittlerweile keinen jemals gedrehten Horrorstreifen auslässt. Mit der ursprünglichen Verfilmung "Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts" (1933), einem großen Klassiker des Horrorkinos, und dessen späterem Remake "Das Kabinett des Professor Bondi" (1953) mit Vincent Price hat HOUSE OF WAX jedoch nur den Titel und das Thema des Wachsfigurenkabinetts gemeinsam. Im Grunde ist er eher ein lupenreines Remake von "Tourist Trap" (1979) und schickt eine Handvoll junger Leute in die ländliche Einöde, wo sie eine Autopanne zwingt, in einem kleinen Kaff Halt zu machen. Dort begegnen sie skurrilen Hinterwäldlern und finden - einer nach dem anderen - den Tod. Die örtliche Sehenswürdigkeit ist auch schon der einzige Clou des Films: ein Wachsfigurenkabinett, in dem sich nicht nur Wachsfiguren befinden, sondern das von oben bis unten aus Wachs besteht - wie auch immer das möglich ist. Das 'House of Wax' ist also nicht sprichwörtlich, sondern buchstäblich gemeint. Toll, oder?

HOUSE OF WAX weicht dabei kaum von der gähnend langweiligen Formel ab und belästigt den Zuschauer zunächst mit einer ewig langen Exposition, in der wir mit dem konfrontiert werden, was als 'Charakterisierung' der Figuren gemeint ist. Soll heißen, es gibt jede Menge uninteressantes Gerede, ein bisschen Gefummel und die üblichen Probleme der Mittzwanziger (Teenager möchte man sie nicht mehr nennen). Gespielt werden die von der üblichen Schar attraktiver TV-Stars und solchen, die sich für Stars halten. Über Paris Hilton kann man sagen, dass sie auch nicht besser oder schlechter spielt als ihre Kollegen. Das ist dann wohl ein Kompliment (verflixt!). Ihre Besetzung hat dem Film natürlich mehr Aufmerksamkeit gebracht als er verdient hätte, insofern war das Casting ein gelungener Schachzug.
In der Hauptrolle kann Elisha Cuthbert ("24") durchaus überzeugen, zum Schmunzeln regt allerdings ihr Filmbruder Chad Michael Murray an, der einen 'bösen Buben' darstellen soll, der gerade aus dem Knast gekommen ist (was man daran erkennt, dass er leere Bierdosen zerknüllt und in die Landschaft wirft, bevor er herzhaft rülpst), dabei aber mit seinem Justin Timberlake-Outfit ungefähr so bedrohlich wirkt wie ein kuscheliger Teletubbie mit Handtasche.

Nach ca. einer geschlagenen Filmstunde nimmt HOUSE OF WAX dann aber endlich Fahrt auf, und der Rest ist ziemlich gutes Popcorn-Kino mit ein paar schönen Scheußlichkeiten, unter denen vor allem Elisha Cuthbert zu leiden hat. Zuerst werden ihr die Lippen mit Sekundenkleber zugeschweißt, dann wird ihr noch ein Finger mit der Gartenschere abgeschnitten ('Torture Porn' kam gerade in Mode). Das feurige Finale im brennenden Wachsfigurenkabinett, das unter den Füßen unserer Helden wegschmilzt, kann mit klasse Spezialeffekten aufwarten und ist absolut sehenswert. Dafür muss man sich halt durch die ersten zwei Drittel kämpfen, in denen so gut wie gar nichts passiert.

Insgesamt ist HOUSE OF WAX auch nur ein weiterer überflüssiger Vertreter des Remake-Kinos. Muss man definitiv nicht gesehen haben, es sei denn, man hat eine (verständliche) Aversion gegen Paris Hilton und möchte gern sehen, wie sie kreischend dahingemetzelt wird. Muss jeder selbst wissen.

06/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...