Montag, 15. April 2013

Halloween H20 (1998)

Als Wes Craven mit "Scream" (1996) den Slasherfilm neu belebte, musste natürlich auch der Vater aller Slasher, Michael Myers (Norman Bates ist selbstverständlich der Ur-Vater), dringend wieder reanimiert werden, zumal sein Jubiläumsjahr vor der Tür stand.
Die gute Nachricht: Für HALLOWEEN H20 (Halloween H20) konnte man das ultimative Final Girl Jamie Lee Curtis gewinnen, die den Slasherfilmen ihrer Jugend mittlerweile entwachsen und eine respektierte Schauspielerin geworden war. Curtis ist es auch, die diesem Beitrag den besonderen Kick verleiht, und ihr Porträt der erwachsen gewordenen Laurie Strode ist sehenswerter als sämtliche "Scream"-Ableger und deren Imitatoren zusammen. Der Film als solches ist auch nicht schlecht, auf jeden Fall macht er vieles richtig.

Worum geht es? Laurie Strode (Curtis) lebt und arbeitet inzwischen zurückgezogen auf dem bewachten Gelände einer Privatschule, hat einen neuen Namen angenommen und zieht einen Teenager-Sohn (Josh Hartnett) groß. Die Alpträume sind aber geblieben, und den Schatten von Michael Myers wird sie nie los. Am Halloween-Abend befinden sich die Schüler auf einem Ausflug, so dass der wieder entlaufene Myers freie Bahn hat. Lediglich ein Wachmann (LL Cool J) und ein paar heimlich daheimgebliebene Teenies, darunter Lauries Sohn, befinden sich noch in der Anlage und sehen sich dem unaufhaltsamen Killer gegenüber...

HALLOWEEN H20 (dessen Titel mich total irritiert, weil ich immer die chemische Wasserformel lese) ist extrem sorgfältig produziert und geht respektvoll mit dem großen Vorbild John Carpenters um, ohne das aktuelle Publikum aus den Augen zu verlieren. Regisseur Steve Miner und seine Autoren vergessen die zurückliegenden Sequels und knüpfen direkt bei "Halloween 2" (1981) an, eine gute Entscheidung. Sie nutzen auch die gleiche Zeitstruktur wie das Original - nach einem nächtlichen Prolog springt der Film zum Halloween-Tag, folgt Michael Myers' Anreise zu Laurie Strode und endet noch in derselben Nacht mit dem Showdown Laurie gegen Myers.

Jamie Lee Curtis' Laurie ist mittlerweile zur Alkoholikerin geworden, die den Wodka gleich neben dem Mundwasser aufbewahrt, und die ihrem pubertären Sohn aus einem übertriebenen Beschützerinstinkt heraus die Luft zum Atmen raubt. Beides ist glaubwürdig erdacht und gespielt. Anders als in den ersten beiden Teilen ist Laurie hier nicht mehr die Gehetzte, die lediglich auf die Ereignisse reagieren kann, nein, sie erkennt trotz Panikattacken ihr Schicksal und nimmt den Kampf gegen das Böse bewusst an. Wenn sie mit der Axt über das verwaiste Schulgelände läuft und nach Michael ruft, um sich endgültig von ihm zu befreien, dann ist das der beste Moment im gesamten Film, der am Ende sogar einen echten Schlusspunkt setzen kann. Lauries Schlussfight gegen Myers ist ebenso originell wie spannend, und Steve Miner holt alles aus seinem abgeschlossenen Setting heraus. Ihm gelingen auch ein paar klassische Widescreen-Shots, in denen Michael Myers im Bildhintergrund auf seine Opfer lauert, so wie John Carpenter es in seinem Klassiker vorgemacht hat.

Erwähnt werden muss natürlich der beste Insider-Gag mit Janet Leigh (Curtis' Mutter im wahren Leben) als Schulsekretärin, die unsere Laurie damit tröstet, dass 'uns allen schlimme Dinge passieren'. Und sie muss es wissen, wurde sie doch weiland von Norman Bates ("Psycho", 1960) unter der Dusche zerhackt. Das Auto, das sie in H20 fährt, ist übrigens das gleiche Modell wie in besagtem Klassiker. 

Ein paar Kritikpunkte gibt es trotzdem. LL Cool J ist als Wachmann mit nerviger Ehefrau am Telefon eine überflüssige Figur, die nur als Kanonenfutter herhalten muss, Adam Arkin macht als Curtis' Lover einen unangenehm schmierigen Eindruck (glücklicherweise wird er vom metzelnden Myers entsorgt), und die Musik von John Ottman kann - obwohl sie das berühmte "Halloween"-Thema hier und da benutzt - nie mit Carpenters Kompositionen mithalten, sie klingt wie ein x-beliebiger "Scream"-Soundtrack (kein Wunder, Marco Beltrami hat seinen Senf beigesteuert). Da waren die Produzenten wohl zu ängstlich und wollten lieber auf Nummer sicher gehen.

Obwohl HALLOWEEN H20 in jeder Hinsicht das letzte Kapitel einer langen Geschichte sein will und das auch überzeugend umzusetzen weiß, wurden dank des Erfolges alle positiven Elemente im unvermeidlichen Sequel "Halloween Resurrection" (2002) erneut über den Haufen geworfen, und zwar für einen unterirdischen Trashfilm, der den absoluten Tiefpunkt der Reihe markiert. Aber so ist Hollywood. Wo noch Geld zu holen ist, wird Geld geholt, Was kümmert uns unser Geschwätz von gestern?

7.5/10

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