Freitag, 26. April 2013

Flashback - Mörderische Ferien (2000)

Wes Cravens "Scream" (1996) hat einige gute, viele schlechte und ein paar äußerst skurrile Slasherfilme nach sich gezogen. Zu den merkwürdigeren Beiträgen gehört die deutsche Produktion FLASHBACK - MÖRDERISCHE FERIEN von Michael Karen. Der Film kopiert das amerikanische Erfolgsrezept, ohne eigene Ideen oder eine Handschrift beizusteuern, rutscht aber gleich zu Beginn dank haarsträubender Dialoge und übertriebener Splatter-Effekte rasant in den Trash-Bereich ab, wo er - das muss man ihm lassen - eine gute Nische findet und auch zu unterhalten weiß.

FLASHBACK lag ein Original-Drehbuch von Jimmy Sangster zugrunde, der in den 50ern und 60ern unzählige Scripts für die britischen Hammer-Studios verfasst und einige echte Klassiker zu Papier brachte. FLASHBACK weckt aufgrund seiner überraschenden Wendungen und absurden Konstruktion Erinnerungen an Sangsters 'Mini-Hitchcocks' "Ein Toter spielt Klavier" (1961) oder "Der Satan mit den langen Wimpern" (1964), natürlich ohne jemals deren Klasse oder Atmosphäre zu erreichen. Einen dermaßen versierten Drehbuchautor findet man selten im Slasher-Genre, und darauf kann sich FLASHBACK schon einiges einbilden. Selbstverständlich wurde Sangsters Buch aufgefrischt und an die Neuzeit angepasst (und das meine ich nicht positiv). Wie viel von Sangster noch im fertigen Film steckt, lässt sich schwer sagen, aber der Storybogen mit den finalen Haken ist ein eindeutiges Markenzeichen.

Nun zum Plot: die junge Sylvie (Valerie Niehaus) musste als Kind mitansehen, wie ihre Eltern von einem Killer im Blümchenkleid mit einer Sichel brutal ermordet wurden und sitzt seitdem in der Psychiatrie. Jetzt wird sie entlassen und tritt eine Stelle als Französisch-Lehrerin bei drei verzogenen Sprösslingen (Alexandra Neldel, Simone Hanselmann und Xaver Hutter) reicher Eltern an. Bald schon beginnt eine neue Mordserie in der friedlichen Bergwelt. Ist der Killer von damals wieder am Werk, oder hat er einen Nachahmer gefunden? Oder ist vielleicht alles ganz anders?

Ja, ist es, und wer Sangster kennt, der ahnt auch schon, worauf es hinausläuft. FLASHBACK wurde hierzulande mit viel Hohn und Spott überschüttet, weil er verzweifelt versucht, das Niveau eines "Scream" zu erreichen, dabei aber nicht über "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" mit Serienkiller hinauskommt. Da muss man allerdings die Kirche im Dorf lassen. Natürlich kann man an den mageren Schauspielleistungen der Soap-Akteure einiges aussetzen, aber ich habe ehrlich gesagt auch keine Meryl Streep in den US-Vorbildern entdecken können. Und ob Jennifer Love Hewitt eine begnadete Schauspielerin ist, möchte ich auch lieber nicht beurteilen. Gleichzeitig werden kaum hiesige Schauspielgrößen wie Corinna Harfouch Schlange stehen, um Dialoge wie "Ich trage gar keinen BH!" aufzusagen. Das sollen mal schön die Wanderhuren und Schulmädchen des deutschen Trash-TVs machen, so gehört sich das auch.

Neben den hübschen Hauptrollen-Gesichtern leistet sich FLASHBACK ein paar Gastauftritte. So darf Elke Sommer eine finstere Haushälterin (mit dem schönen Namen 'Frau Lust') spielen, die ein blutiges Ende auf einer Bergseilbahn findet, und Detlev Buck schaut spät im Film als seriöser Psychiater vorbei. Über Logik oder Spannung brauchen wir nicht zu reden, die sind beide kaum vorhanden, aber FLASHBACK wird auch nie wirklich langweilig. Dafür sorgen das hohe Inszenierungstempo und ein paar schräge Splattermomente. Da darf eine dahingemetzelte Leiche den ganzen Film über vor sich hinmodern, weil sie von niemandem bemerkt wird (auch nicht von der Polizei, die mehrfach dran vorbeifährt), und aus einem Schneepflug regnen abgehackte Körperteile über Bauern und eine sensationsgeile TV-Crew. Die Gore-Effekte bewegen sich eher auf Monty Python-Niveau (minus deren Intelligenz), und die FSK 18-Einstufung ist komplett lächerlich, weil die blutigen Prothesen eher für Lacher als Gänsehaut sorgen. Ich mag übrigens den müden Gag "Hier ist der Hund begraben" - "Echt, wo?". Weiß auch nicht, warum.

Man könnte sich fragen, warum ich an Filmen wie "Schrei, wenn du kannst" (2001) kein gutes Haar lasse, während ich Schund wie diesem gegenüber eher aufgeschlossen bin. Das liegt daran, dass ich es einerseits immer begrüßenswert finde, wenn sich das deutsche Kino überhaupt für Horror interessiert und mal einen Genrefilm wagt, anstatt sich in depressiver Arthouse-Selbstgefälligkeit zu ergehen oder idiotische Kopien  idiotischer US-RomComs produziert, andererseits nimmt sich FLASHBACK selbst nicht wirklich ernst und ist mir daher grundsätzlich sympathisch. Das will und soll Fast Food-Kino sein, bei dem man mit und über den Film lacht. Hat ja keiner behauptet, dass dies hier ein Meisterwerk wäre. Gott bewahre!
Auf die einsame Insel würde ich dann aber doch lieber "Psycho" (1960) mitnehmen.

05/10

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