Freitag, 12. April 2013

Düstere Legenden (1998)

Was erwartet man von einer Universität, in der 'Freddy Krueger' Robert Englund als Professor urbane Mythen und Legenden unterrichtet? Richtig, jede Menge Gemetzel.
Willkommen zu DÜSTERE LEGENDEN (Urban Legend), einem weiteren Beitrag zum Slasher-Revival der späten 90er. Echte Originalität sollte man bei diesem Genre längst nicht mehr erwarten, insofern darf man lobend erwähnen, dass dieser Vertreter zumindest einen Ansatz für seine Mordserie gefunden hat, den es zuvor noch nicht gab, bzw. der nicht in dieser Form benutzt wurde.

Als 'Urbane Legenden' bezeichnet man makabere Geschichten, die stets Freunden von Freunden von Freunden passieren (nie einem selbst oder jemanden, den man tatsächlich kennt), und die eine Art moralischen Kompass von Generation zu Generation transportieren. Durch sie werden Heranwachsende vor den Folgen von Promiskuität gewarnt oder vor außerehelichem Sex. Ich erinnere mich, dass hierzulande eine urbane Legende Anfang der 90er herumgeisterte, in der die AIDS-Hysterie noch in vollem Gange war. In dieser Story hatte ein Teenager-Mädel  (die Freundin einer Freundin, etc.) eine Urlaubsaffäre mit einem Fremden, und als sie nach Hause kam, fand sie eine tote Ratte in einem Geschenkkarton des Liebsten vor, mit dem Zettel: "Glückwunsch, ich bin HIV-positiv" oder auch "Willkommen im Club"). So oder ähnlich wurde die Geschichte überall erzählt, niemand kannte diese ominöse Freundin, und das Ganze war natürlich nur ausgedachter, geschmackloser Quark, der aber zum Zeitgefühl passte und den Teenagern als Warnung dienen sollte.

Um diese urbanen Legenden geht es in Jamie Blanks' DÜSTERE LEGENDEN, der an einem College angesiedelt ist, wo harmlose Studenten einem Slasher zum Opfer fallen, der als Modus Operandi die Nachstellung eben jener Mythen wählt (z.B. den Killer, der sein Opfer aus dessen eigenem Haus anruft, oder der Hund in der Mikrowelle - was ich als Hundefreund empörend finde). Bevor das Final Girl Alicia Witt und ihr Verehrer Jared Leto dahinterkommen, dass die Opfer gar nicht so unschuldig waren, haben einige ihrer besten Freunde bereits das Zeitliche gesegnet, und sie selbst stehen auch auf der Liste des Killers...

DÜSTERE LEGENDEN beginnt mit einer sehr starken, nervenzerrenden Eröffnungssequenz, in der Natasha Gregson Wagner während eines Unwetters an einen unheimlichen Tankstellenwärter (Brad Dourif) gerät, der sie eigentlich nur davor warnen will, dass sich ein Fremder in ihrem Wagen befindet, vor dem sie aber so panische Angst bekommt (würden wir auch, es ist immerhin Brad Dourif, die Stimme von 'Chucky, der Mörderpuppe'!), dass sie direkt in ihr Unglück rast. Diese Vignette funktioniert auf allen Ebenen perfekt, sie ist spannend, aufregend, auf bösartige Weise witzig und hat eine überraschende, brutale Pointe (der Fremde hat eine Axt dabei).
Besser als hier wird der Film nie, aber er kann - anders als viele Billig-Vertreter dieses Fast Food-Genres - mit ausgezeichneten Production Values aufwarten, sieht schick aus, ist gut besetzt, profitiert enorm von der packenden Krawall-Musik Christopher Youngs, und die Morde sind weitgehend originell erdacht (ein Mord findet direkt neben Hauptdarstellerin Witt statt, ohne dass sie es bemerkt, weil sie den Vorgang für Sex hält). Die bekannten (und unbekannten) Pop-Mythen werden nicht nur in den Mordsequenzen detailliert aufgearbeitet, sondern auch hier und da geschickt in Szenen und Dialoge eingebunden (angebliche Todesschreie in Songs oder die Mär vom tödlichen Mix aus Cola und Bonbons).

So ernst wie "Candymans Fluch" (1992) das Thema der urbanen Mythen und ihrer Entstehung nahm, so poppig-unterhaltsam wird es hier aufbereitet. Andererseits führen zu viele Dialogszenen zu einigen kleinen Längen, und die finale Enthüllung des Täters ist komplett absurd. Hier hat der Killer zur Abwechslung sogar Dias dabei, mit denen er seine Motive langatmig erklärt - was man als Parodie auf ähnliche Szenen in anderen Slashern betrachten kann. Dennoch wünscht man sich einen Michael Myers zurück, der nicht ein einziges Wort verlieren musste, um den Zuschauer zu Tode zu gruseln. Insgesamt gehört DÜSTERE LEGENDEN aber eindeutig zu den besseren Slasherfilmen des ausgehenden Jahrzehnts. Wer auf diese Art Horror steht, ist hier gut bedient. Aber Vorsicht vor dem Sequel!

07/10

Kommentare:

  1. Hallo Mathias, und ich wollte schon bei deiner letzten Rezension (Ich weiss noch immer....ja furchtbare Fortsetzung!) fragen, ob du auch 'Düstere Legenden' besprichst, weil das thematisch sehr gut zusammenpasst...als ob ich's schon geahnt hätte. Ich habe damals alle drei Filme im Kino gesehen und kann mich noch gut an die wiederbelebte Slasher-Welle erinnern. Hm,als nächstes werden wir vermutlich die Beurteilung zum 2ten Teil lesen, lass mich raten: 1/10? vielleicht auch 2/10. LG, Martin

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  2. Ja, das könnte hinkommen. :-) Ich muss ihn nochmal sehen, aber eigentlich will ich meine Zeit gar nicht mit dem verschwenden, ich hab' mich damals schon zu Tode gelangweilt. Vielleicht überspringe ich den auch. LG, Mathias

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