Freitag, 29. März 2013

Terminator 2 - Tag der Abrechnung (1991)

"I'll be back!" - Da isser wieder!

Nach mehreren Schwierigkeiten und gerichtlicher Klärung der Frage, wem eigentlich die Rechte am Franchise gehören, konnte James Cameron 1991 endlich sein Sequel zum Erfolgsfilm drehen. Der Regisseur hatte zuvor mit dem gefloppten "The Abyss" (1989) unerwartet Schiffbruch erlitten und brauchte dringend einen Hit.
Den konnte er mit TERMINATOR 2 - TAG DER ABRECHNUNG (T2 - Judgment Day) zweifellos verbuchen. Nicht nur wurde der Film zum Welterfolg, sondern aufgrund seiner bahnbrechenden Spezialeffekte auch zu einem weiteren Meilenstein des Action-Kinos.

Worum geht es diesmal? Im Grunde um das gleiche wie vorher. Wieder wird ein Killer-Terminator (jetzt Robert Patrick) auf die Erde geschickt, um Sarah Connors Sohn John (Edward Furlong) das Lebenslicht auszublasen. Dessen Mutter (wieder Linda Hamilton) sitzt mittlerweile in der geschlossenen Gefängnis-Psychiatrie, weil ihr niemand die Geschichte um Killermaschinen aus der Zukunft glaubt. Ein weiterer 'guter' Terminator wird ebenfalls losgesandt, der Sarah befreien und John beschützen soll. Dieser hat das Aussehen von Arnold Schwarzenegger erhalten, der also heute auf der Seite der Guten kämpft. Nachdem Sarah befreit ist, müssen sie, ihr Sohn und der T2 den drohenden Atomkrieg aufhalten, während der unaufhaltsame Killer-Terminator ihnen auf den Fersen ist...

James Cameron hat für T2 ein wahrhaft gigantisches Szenario aufgebaut, in dem seine Hauptdarstellerin nicht nur um ihr Leben kämpfen, sondern gleich noch die ganze Welt retten muss. Anlass genug für jede Menge Action, pazifistische Monologe und Überlänge. So ist dann T2 nicht nur der bis dato teuerste Film aller Zeiten (mit knapp unter 100 Millionen Dollar), sondern auch ein absolut atemberaubendes Spektakel geworden. Zwar gab es auch kritische Stimmen, die Camerons Tendenz zur jugendfreien politischen Korrektheit missbilligten (anders als im ruppigen Erstling darf Schwarzenegger hier keine Leute mehr erschießen, sondern ihnen 'nur' die Kniescheiben zerschmettern), aber die Massen feierten ein spannungsgeladenes Action-Epos, das allein vom Aufwand her seinesgleichen suchte.

Neben aller Ballerei, Explosionen und Stunts sorgten vor allem die so genannten 'Morphing-Efekte', die Camerons Techniker bereits in "Abyss" angewandt hatten, und die hier zur Perfektion entwickelt wurden, für grenzenloses Erstaunen. Der neue, böse Terminator kann sich nun selbst aus Einzelteilen zusammensetzen (anders als im Original, wo Schwarzenegger noch blutige Operationen an sich durchführen musste), jedermanns Gestalt und Sprache annehmen und sich gelegentlich auch aus Fußböden und anderen Dekorationen hervorschälen (wie es Freddy Krueger in der "Nightmare on Elm Street"-Reihe vormachte, deren Einflüsse hier deutlich sichtbar sind). Gegen Ende werden diese Effekte zwar von Cameron etwas inflationär eingesetzt, aber sie können heute noch so begeistern wie seinerzeit und gehören mittlerweile zum Standard-Repertoire von Effektkünstlern.

Zwei Sequenzen müssen besonders erwähnt werden. Zum einen der spektakuläre Ausbruch von Linda Hamilton aus der geschlossenen Psychiatrie, der eine solche Spannung erzeugt und so punktgenau inszeniert ist, dass einem die Luft wegbleibt (und aufgrund der Länge und überraschender Wendungen ein eigener Film-im-Film ist), zum anderen der apokalyptische Alptraum Hamiltons, in welchem sich eine friedliche Szenerie (ein Kinderspielplatz) durch eine nukleare Explosion in den Schauplatz ultimativen Horrors verwandelt. Selten wurde das Grauen eines möglichen Atomkriegs in dieser Kürze plastischer und beängstigender in Szene gesetzt. Dafür gebührt Cameron jedes erdenkliche Lob als Techniker, Visionär und Geschichtenerzähler.

Wie bereits im Vorgänger sorgt Cameron auch dafür, dass die Menschlichkeit bei allem Bombast (fast) nicht auf der Strecke bleibt. Linda Hamilton kann - mehr noch als im Vorgänger - als Hauptfigur brillieren, an der die Ereignisse aus Teil 1 nicht spurlos vorbeigegangen sind. Sie hat sich in eine muskelgestählte, leicht neurotische und paranoide Kampfmaschine verwandelt und muss erst durch Sohnemann Furlong (in einem beeindruckenden Debüt) wieder zu ihren Muttergefühlen finden. Der von Schwarzenegger mit gewohnter Lakonie und Einsilbigkeit gespielte Terminator sorgt im Zusammenspiel mit Teenager Furlong für den nötigen Witz und gelegentliche Auflockerung. Robert Patrick ist ein wunderbar eiskalter Gegenspieler des Trios.

Wenn es überhaupt etwas zu mäkeln gibt an T2, dann die Tatsache, dass die erste Filmhälfte mit den schon erwähnten Spannungs-Sequenzen so unglaublich gut ist, dass die zweite trotz allen Bombasts und aller Materialschlachten das Niveau nicht ganz halten kann. Da können noch so viele Motorräder aus Hochhäusern in vorbeifliegende Hubschrauber brettern, es kommt nichts mehr an den Moment heran, wenn Hamilton bei ihrem Gefängnisausbruch fast die Freiheit erreicht hat und Schwarzenegger - den sie noch als Verkörperung des Bösen in Ernnerung hat - plötzlich vor ihr aus dem Fahrstuhl steigt.
Im Finale merkt man dem Film sehr deutlich Camerons Willen an, T2 zum überwältigendsten Action-Kracher aller Zeiten zu machen, koste es, was es wolle. Aus diesem Grund wirkt er in den späten Szenen für meinen Geschmack zu verbissen, hat zu viele Enden und verliert leicht die Charaktere aus den Augen. Dass Camerons Filme gerne ausufern, kennt man aus zahlreichen Beispielen (mag irgendjemand den Director's Cut von "Aliens" mit Sigourney Weaver als verkitschter Oma?), hier hält er sich gerade noch so sehr im Zaum, dass die sorgfältig aufgebaute Spannung nicht den Bach runtergeht.

Trotz dieser Meckerei (zu der auch die etwas über-naive Schlussbotschaft gehört, die man eher von Spielberg erwartet hätte), ist  T2 ein in vieler Hinsicht grandioses, richtungsweisendes Action-Werk, das längst seinen verdienten Platz in der Filmgeschichte eingenommen hat. Keines der folgenden Sequels konnte der Qualität der beiden ersten Filme auch nur ansatzweise das Schmieröl reichen.

09/10

Kommentare:

  1. Hallo Mathias,
    danke für beide Terminator-Rezensionen. Klasse! Was Düsteres zum Karfreitag ;-) War eigentlich das Kürzel "T2" auch was Erstmaliges zu der Zeit, um so ein "Packaging Design" für ein Filmprodukt herzustellen? Würde mich mal interessieren...
    lieben Gruß!

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  2. Das weiß ich leider nicht genau, kann aber gut sein - zumindest fällt mir kein älterer Film en, bei dem das schon mal so war. Frohe Ostern, Mathias

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