Mittwoch, 27. März 2013

Terminator (1984)

Im Jahr 2029 hat ein Atomkrieg die Erde verwüstet. Die Maschinen haben die Kontrolle übernommen und die Menschen versklavt. Aber es gibt Widerstand. Angeführt von einem gewissen John Connor kämpfen einige Mutige gegen die mechanische Übermacht. Um diesen Connor loszuwerden, wird eine Killermaschine - der "Terminator" (Arnold Schwarzenegger) - durch die Zeit zurück in unsere Gegenwart geschickt, um Connors Mutter Sarah (Linda Hamilton) zu töten und damit Connors Geburt zu verhindern. Der Kämpfer Reese (Michel Biehn) reist ebenfalls ins Jahr 1984, um den Plan zu vereiteln und Sarah Connor zu beschützen, die von ihrem 'Glück' noch gar nichts weiß. Kaum angekommen, entbrennt ein gnadenloser Kampf...

Zum TERMINATOR (The Terminator) muss man nicht viel sagen, vermutlich ist sogar die Inhaltsangabe überflüssig, denn der Film war ein Mega-Erfolg, hat mehrere Sequels sowie unzählige Nachahmer inspiriert, und er hat das Action-Kino der 80er definiert wie kein anderer. Wie der Titelheld ist auch der Film selbst eine unaufhaltsame Killermaschine, die - einmal mit dem Vorspann in Gang gesetzt - keine Gefangenen nimmt und über den Zuschauer hinwegrollt, dass diesem kaum Luft zum Durchschnaufen bleibt. TERMINATOR ist eine Action- und Suspense-Achterbahn mit gelegentlichen Anleihen beim Horrorfilm, deren Materialschlacht aber niemals die Story oder die Charaktere unter sich begräbt. Die Geschichte, die sich bei Sci-Fi-Vorbildern wie der "Twilight Zone" bedient, ist nicht nur originell erdacht, sondern umschifft auch geschickt die üblichen Logiklöcher von Zeitreise-Filmen und verknüpft am Ende auf wunderbare, sogar poetische Art und Weise alle losen Fäden. Nebenbei gibt es sogar noch eine überzeugende, subtile Liebesgeschichte, die nicht nur nicht stört, sondern für die Geschichte und deren Ausgang zwingend notwendig ist - das kommt wahrlich nicht alle Tage im Genre vor.

Regisseur James Cameron, der zuvor lediglich den (furchtbaren Trash) "Piranhas II - Fliegende Killer" (1981) inszeniert hatte, stand nicht allzu viel Geld zur Verfügung, was man seinem Werk aber kaum ansieht. Abgesehen von einigen schlimmen Frisuren (die arme Linda Hamilton!), Requisiten (Walkman, Anrufbeantworter so groß wie Kleinwagen) und Kostümen ist TERMINATOR kaum gealtert. Die Action-Sequenzen haben kein bisschen ihrer Kraft eingebüßt, die Spezialeffekte sehen aus als wären sie gestern entstanden, der hämmernde Elektronik-Soundtrack von Brad Fiedel ist maßgeblich mitverantwortlich für die zerkauten Nägel des Publikums und verstärkt die düstere Grundstimmung. Cameron greift sowohl die herrschende Atomkriegs-Angst der 80er wie auch deren "No Future"-Pessimismus auf, wenn es am Ende heißt: "Es wird ein Sturm kommen". Aber es gibt Hoffnung. Die Einflüsse des Slasherfilms merkt man daran, wie Linda Hamilton als Final Girl in den letzten Showdown gejagt wird, anstelle des eigentlichen Terminator-Gegenspielers Michael Biehn.

Zu Hauptdarsteller Schwarzenegger kann man stehen, wie man will, aber dies ist und bleibt seine beste Rolle. Als Killermaschine aus der Zukunft besitzt er eine furchteinflößende Präsenz, und sein roboterhafter Schauspielstil (und Dialekt) passen perfekt zum Material (kritisch wird es erst, wenn er 'echte' Menschen spielen muss). Sein Satz "I'll Be Back" wurde nicht ohne Grund unsterblich und bringt das zynische, Sequel-orientierte Action-Kino der 80er auf den Punkt.
Linda Hamilton, die hier - bis zum Finale - das Opfer gibt und erst in Teil 2 zur Kämpferin werden durfte, ist eine sympathische Heldin von nebenan. TERMINATOR ist in vielerlei Hinsicht ein 'Jungsfilm' mit ordentlich Geballer und mindestens zweistelligem Body Count (Leichen pflastern Schwarzeneggers Weg, der auch vor älteren Damen keinen Halt macht), aber Hamilton ist das Zentrum, das Herz des Films, das James Cameron nie aus den Augen verliert. Michael Biehn spielt überzeugend den guten Helden mit tragischem Ende, und auch das Casting der Nebenrollen ist exzellent, von Lance Henriksen (der ursprünglich den Terminator spielen sollte) und Paul Winfield als sarkastische Cops bis zu Bill Paxtons Mini-Auftritt als Straßenpunk.

James Cameron zeigt in TERMINATOR - vermutlich auch aus schlichten Budget-Gründen - eine bemerkenswerte Effizienz, die er später (trotz aller begründeter Lobhudeleien) oft vermissen ließ. Sein Film ist weder ausufernd noch kitschig, noch belästigt er sein Publikum mit naiven Botschaften - abgesehen von dem ewigen Kampf Gut gegen Böse, der in allen Cameron-Filmen stattfindet, was einen großen Teil ihres Erfolges ausmacht. In Camerons Universum gibt es kein grau, sondern (fast) nur schwarz und weiß. Die Guten haben eine reine Seele und ein kämpferisches Herz (und müssen oft über sich hinauswachsen im Angesicht der Bedrohung), die Bösen sind moralisch abgestumpft, zeigen keine Empathie (oder sind praktischerweise gleich böse Aliens) und müssen um jeden Preis vernichtet werden.
In TERMINATOR hält James Cameron stets die Balance zwischen Bombast, Figuren und Story und weiß, wann er aufhören muss, wann er den Zuschauer wieder aus dem Kinosessel entlassen darf, so dass dieser schweißgebadet, aber glücklich nach Hause gehen kann - mit dem "Terminator"-Thema von Brad Fiedel im Ohr und - aufgrund des hohen Testosteron-Spiegels - vielleicht etwas breitbeiniger und brustlastiger als gewöhnlich.

TERMINATOR ist zu Recht ein moderner Klassiker des Genres, der ebenso unkaputtbar ist wie sein mechanischer (Anti-)Held. Einer der besten Filme der 80er, ein Action-Meilenstein voller Suspense und Witz, an dem sich noch Generationen von Filmschaffenden orientieren dürfen und müssen.

10/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...