Mittwoch, 20. März 2013

Staying Alive (1983)

So gut das Vorbild "Saturday Night Fever" (1977) war, so schlecht ist das unvermeidliche Sequel STAYING ALIVE (Staying Alive) ausgefallen, das nicht nur viel zu spät kam, sondern auch das Original offensichtlich nicht verstanden hat und in allen Bereichen an Belanglosigkeit kaum zu überbieten ist.

Wir erinnern uns - am Ende des Vorgängers hat Tony Manero (John Travolta) zwar einen Preis gewonnen, dafür aber einen Freund verloren und mit der Dame seines Herzens Freundschaft geschlossen. Heute, sechs Jahre später, arbeitet er als Jazz Dance-Lehrer/Kellner und klappert Auditions ab, um einen Job in einer Broadway-Show zu ergattern. Seine große Chance soll bald kommen, vorher aber muss er sich noch zwischen einer liebenswerten Freundin (Cynthia Rhodes) und einer verzickten Millionärstänzerin (Finola Hughes) entscheiden.

Wird die wahre Liebe siegen?
Wird Tony seinen umjubelten Durchbruch feiern?
Wer will's wissen?

Natürlich wird all das passieren, weil aus unerfindlichen Gründen Drehbuch und Regie des Sequels von Sylvester Stallone übernommen wurden, weswegen STAYING ALIVE wie jedes x-beliebige "Rocky"-Sequel abläuft - zunächst die Niederschläge, am Ende dann der Triumph, und dazwischen jede Menge fetzig geschnittene Montagen. Mit einer solchen beginnt auch der Film zum Song "Far From Over" von Frank Stallone (es soll ja alles hübsch  in der Familie bleiben), dem einzig guten Stück Pop im gesamten Film. Nach dieser Titelmontage aber rauscht STAYING ALIVE schneller bergab als das Olympische Bobschlittenteam und hängt eine uninteressante Szene an die nächste.

John Travolta spielt den halben Film mit einem angewiderten Gesichtsausdruck, was man verstehen kann, er kennt ja das Drehbuch. Seine Figur Tony Manero ist vom ruppigen Underdog zum unerträglichen Jammerlappen mutiert, der zu 'stolz' ist, Hilfe bei der Suche nach einer Broadway-Rolle anzunehmen - was im Universum von Stallone bedeutet, dass er Rückgrat hat, in Wahrheit lässt es ihn nur furchtbar dämlich aussehen - übrigens das gleiche Phänomen wie bei Jennifer Beals' Figur in "Flashdance" (1983), die sich auch zu schade war, um über Vitamin B auf die Tanzakademie zu kommen. Vielleicht steckt in beiden Filmen die Botschaft, dass Tänzer nicht gerade die hellsten Kerzen auf der Torte sind...

Die arme Cynthia Rhodes ist eine gute Schauspielerin, sieht hübsch aus und kann fantastisch tanzen, muss aber immer die zweite Geige spielen (siehe "Dirty Dancing" oder "Flashdance"), so auch hier. Sie zeigt noch die beste Leistung im Film, kann ihn aber auch nicht retten. Statt unsterblicher Bee Gees-Songs gibt es diesmal Wegwerf-Bee Gees-Songs und anonymen Plastik-Pop von Frank Stallone. Die Tanzszenen sind im Stil von 80er-Musikvideos geschnitten, was bedeutet, dass man nie eine komplett durchchoreografierte Tanzsequenz sieht, sondern nur kurze Einstellungen von Figuren, Körperteilen und schwitzenden Gesichtern. Überhaupt kann STAYING ALIVE die Freude am Tanz an keiner Stelle vermitteln, der wirkt hier stets nur wie Schwerstarbeit. John Travolta hat sich zwar - wahrscheinlich unter Anleitung von Stallone und dessen Anabolika du jour - ein anständiges Workout gegönnt, aber ansonsten besitzt sein Tanz weder Charme noch Eleganz und wirkt nur angestrengt.

Der Hammer kommt dann nach ca. 70 Minuten, wenn die 'große' Broadway-Show steigt. Die heißt passenderweise "Satan's Alley" und ist laut Choreograph eine 'Reise durch die Hölle' - dabei sind es doch die Filmzuschauer, die beim Ansehen des fürchterlichen Streifens durch die Hölle müssen. Diese Show besteht aus drei nicht enden wollenden, überproduzierten Nummern, die den kompletten Rest des Films ausmachen, und in denen sich haufenweise Tänzer in geschmacklosen Kostümen im Bodennebel wälzen, während die 80er-Synthie-Mukke von Stallone dröhnt und sich Travoltas Film-Mutti im Publikum bekreuzigt (Gott hat sich allerdings längst mit Abscheu abgewendet).
Im Finale wird dann ein halbnackter Travolta im Lendenschurz von mehreren 'Satanstänzern' in Lack und Leder ausgepeitscht (das hat ihm bestimmt gefallen), bevor er seine zickige Partnerin einfach in die Kulissen schleudert (ein unbeabsichtigter Brüller, der in die "nackte Kanone" gehört) und zu einem atemberaubend absurden Solo ansetzt, das natürlich stehende Ovationen vom fassungslosen Broadway-Publikum erntet.

STAYING ALIVE ist ein gutes Beispiel dafür, warum Sequels einen miesen Ruf haben. Ein bisschen Kasse zu machen, indem man sich an den Erfolg des Originals dranhängt und den Hauptdarsteller in schnittige Legwarmer und Stirnbänder steckt, die dieser im Vorgänger nicht im Traum angezogen hätte (wir erinnern uns: Tony Manero wollte sicher kein Broadway-Tänzer werden), das hat glücklicherweise nicht funktioniert, denn STAYING ALIVE wollte überhaupt niemand sehen. Travoltas Karriere, die ohnehin schon im Sinkflug war, wurde mit Filmen wie diesem begraben. Da musste erst Tarantino kommen, um sie zehn Jahre später zu reanimieren.

02/10  (für "Far From Over")


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