Samstag, 23. März 2013

Species (1995)

Der Horror/Action/Sci-Fi-Mix SPECIES (Species) war 1995 ein überraschender Mainstream-Blockbuster, was mehr über die schwache Horror-Landschaft der 90er aussagt als über die Qualität des Films. Der ist zwar nicht schlecht und kann mit prominentem Ensemble und guten Production Values aufwarten, aber von einem Meilenstein des Genres ist er doch Lichtjahre entfernt.

Worum geht es? Wissenschaftler auf der Erde haben eine Rezeptur aus dem All erhalten, nach der sie einen Mensch/Alien-Hybriden züchten können (ich verknappe hier mal die wissenschaftliche Erklärung, die im Film trotz aller Ausführlichkeit auch nicht glaubwürdiger ist). Man entschied sich für ein weibliches Modell, weil dies "besser zu kontrollieren" sei. Die Quittung für diesen Sexismus folgt auf dem Fuße. Als das zum Mädchen herangewachsene Wesen getötet werden soll, kann es spektakulär aus dem Forschungslabor entkommen, reift zur schönen Natasha Henstridge heran und will sich um jeden Preis paaren, um die Spezies zu erhalten. Dabei pflastern Leichen ihren Weg, und ein Team aus Spezialisten wird angeheuert, das Wesen ausfindig zu machen und zu vernichten, bevor es sich vermehrt...

SPECIES ist - kurz gesagt - oberflächliches, aber temporeiches Hollywood-Kino mit Starbesetzung. Schauspieler wie Ben Kingsley sieht man nun wirklich nicht jeden Tag in diesem Genre, und auch die Kollegen Michael Madsen (der hier niemandem ein Ohr absäbelt), Marg Helgenberger (vor ihrem "CSI"-Durchbruch), Forest Whitaker und Alfred Molina darf man zur ersten Garde zählen. Regisseur Roger Donaldson lässt dem Zuschauer wenig Zeit zum Durchatmen, sonst würden die schnell merken, was für ein alberner Plot ihnen hier vorgesetzt wird, denn im Grunde ist SPECIES nichts weiter als Horror-Trash mit ein paar Prisen Sex, er sieht nur teurer aus als andere Vertreter des (S)Exploitation-Kinos.

Das Drehbuch kann allerdings mit ein paar witzigen und ironischen Beobachtungen über Geschlechterrollen der 90er punkten. So ist das "Monster" namens Sil (Henstridge) vor allem die Verkörperung unabhängiger weiblicher Sexualität. Sil ist auf Sex programmiert und setzt alles daran, sich fortzupflanzen. Mit dem Aussehen von Henstridge hat sie keine Probleme, Männer aufzugabeln, allerdings gehört ihr Satz "Ich will ein Baby" nicht gerade zu den Dingen, die Männer bei einem One-Night-Stand besonders gerne hören. Einen weiteren potentiellen Kandidaten lehnt Sil abrupt ab, als sie spürt, dass er zeugungsunfähig ist. Sagen wir, wie es ist - das Monster ist eine Frau, die selbst entscheidet, mit wem sie sich paart, wie weit sie dabei geht, und die tötet, wenn sie nicht bekommt, was sie will. Kein Wunder, dass dieses Wesen ausgemerzt werden muss, wo kämen wir denn da hin?

Ebenso launig ist auch die Szene, in der Sil etwas zum Anziehen braucht und sich für ein Hochzeitskleid entscheidet - was entweder bedeutet, dass der Wunsch nach Ehe entweder in der Alien-DNA verkankert ist oder in der menschlichen. Vielleicht haben die Aliens auch nur zu viele Romantic Comedies gesehen. Mit diesen Subtexten geht SPECIES sehr augenzwinkernd um, das macht ihn sympathisch. Und Natasha Henstridge ist nicht nur echtes Eye Candy in ihrem Filmdebüt, sie spielt das Sex-Monster auch intelligent ironiefrei. Man ist bei ihr, wenn sie um ihr Überleben kämpft, und man ist nicht unbedingt auf der Seite der menschlichen Kammerjäger, die ihre Spezies ausrotten wollen - zumal diese deutlich weniger interessant gezeichnet sind und lediglich ein paar Screwball-Gags auf ihrer Seite haben. Da hilft auch die frühe Szene, in der die junge Sil im Labor wie ein Versuchskaninchen durch Gas vernichtet werden soll, was sehr unangenehme Assoziationen auslöst und das Publikum auf ihre Seite zieht. Ein Monsterfilm ist immer so gut wie sein Monster, und Henstridge gibt ein sehr passables Monster ab.

Leider verschwindet Henstridge für den letzten Akt und den Showdown aus dem Film (wenn sie ihr "wahres Ich" zeigt) und überlässt den Designs von H.R. Giger den Raum, dessen Kreationen zwar erneut begeistern können, aber die Jagd auf das CGI-Monster fällt weitaus uninteressanter aus als die Jagd auf Henstridge, zumal es gegen Ende einige sehr schlechte Effekte gibt, die mit den Jahren auch nicht besser geworden sind, eher im Gegenteil.
Bis dahin aber ist SPECIES eine unterhaltsame Mainstream-Achterbahnfahrt, die besser gespielt ist als der Stoff es verdient hätte. SPECIES war so erfolgreich, dass ein (noch trashigeres) Sequel unvermeidlich war. SPECIES 3 und 4 waren dann reine Direct-to-Video-Produktionen, die leider auf Natasha Henstridge verzichten mussten, aber durch die Mischung aus Sex und Horror eine eigene kleine Nische besetzten.

6.5/10

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