Freitag, 22. März 2013

New York 1991 - Nacht ohne Gesetz (1983)

Ganz im Stil von John Carpenters "Das Ende" (1976) entstand dieser kanadische Belagerungs-Thriller namens NEW YORK 1991 (Self Defense) von Paul Donovan und Maura O' Connell, der zwar nicht mit der Klasse des Originals mithalten kann, aber auf seine Weise gut und düster unterhalten kann und dazu noch fast vollkommen unbekannt ist.

Der Inhalt: In New York streikt die Polizei für höhere Gehälter, was zum Ausnahmezustand führt. Als eine brutale Gang namens "New Order" eine Kneipe für Schwule und Lesben überfällt und die Gäste demütigt, kommt der Barkeeper durch einen Unfall zu Tode. Der Anführer der "New Order" lässt daraufhin alle Zeugen ermorden, doch einer von ihnen kann entkommen und flüchtet in ein nah gelegenes Wohnhaus, wo die Bewohner ihn verstecken und auch gegen Gewaltandrohung der Gang nicht herausrücken. Es kommt zum harten Kampf Bürger gegen Gewaltverbrecher...

Die Ähnlichkeiten zu John Carpenters Werk (neben dem "Ende" wird auch "Die Klapperschlange" zitiert) und dem zuvor entstandenen "Die Klasse von 1984" (auf den der deutsche Titel überdeutlich hinweist) sind unübersehbar und gehen bis in Details wie Vorspann-Design, Plakatmotiv (siehe unten) und Musikuntermalung. Der Synthie-Score von NEW YORK 1991 polarisiert die Rezensenten, ich finde ihn außerordentlich gut gelungen. Er ähnelt übrigens sehr dem Klangteppich zu Eckhart Schmidts "Loft" (1985), der ebenfalls von einer Gang erzählt, die friedliche Bürger terrorisiert, während 'draußen' ein Krieg tobt. Da hat sich der deutsche Autorenfilmer doch einiges abgeschaut. In beiden Filmen sorgt der Score für eine beunruhigende und klaustrophobische Atmosphäre.

Sieht man sich die Namen der Beteiligten von NEW YORK 1991 an, entdeckt man so gut wie keine Bekannten. Regisseur Paul Donovan hat den Endzeit-Thriller "Def-Con 4" (1985) produziert und inszeniert, die Schauspieler hat man eventuell mal in diversen Fernsehserien gesehen. Sicher wäre der Stoff unter erfahreneren Händen noch besser ausgefallen, aber auch so macht der mit kleinem Budget realisierte  NEW YORK 1991 keine schlechte Figur. Anders als Carpenters Vorbild braucht er keinen langen Vorlauf, sondern stürzt sich gleich rein in die Handlung und die tiefschwarze Nacht, die bis zum Abspann nicht enden wird.

Zwar kann das Drehbuch dem Zuschauer keine der Figuren so recht nahe bringen (wir erfahren weder Hintergründe über die Charaktere oder die Gang, die aber - anders als bei Carpenter - nicht als allgemeine, sondern individuelle Bedrohung gezeichnet wird, ohne deren Ziele zu erläutern), dafür bietet es aber jede Menge Abwechslung (insbesondere durch den Ideenreichtum der Angegriffenen, die sich mit Fantasie zur Wehr setzen müssen), so dass der Film mit seinen knapp 80 Minuten Laufzeit nie langweilig wird. Anders als "Loft" will er auch nichts über die Gewaltbereitschaft der angeblich zivilisierten Mittelschicht aussagen, er will lediglich spannend unterhalten - was ihm hervorragend gelingt.

NEW YORK 1991 ist nicht übermäßig brutal, allerdings sind die frühen Szenen in der Kneipe mit der eiskalten Hinrichtung der Zeugen so zynisch inszeniert, dass man sie körperlich nachempfinden kann. Ihnen hat der Film vermutlich die FSK 18-Freigabe zu verdanken. Man wünschte sich allerdings eine angemessene Veröffentlichung. Da der Film überwiegend im Dunkeln spielt, sind viele Vorgänge auf der deutschen DVD (Dr. Dressler) kaum erkennbar. Aufgrund seines obskuren Status' scheint eine gute DVD-Version allerdings eher aussichtslos. Für Freunde des düsteren "No Future"-80er-Kinos dürfte NEW YORK 1991 jedenfalls ein Geheimtipp sein. 

7.5/10



Kommentare:

  1. Danke für die vielen raren Filmperlen, die du immer wieder unermüdlich ausgräbst. Der Blog hier ist echt eine wahre Fundgrube für jeden Filminteressierten. Dein Filmfachwissen ist echt enorm. Dafür müsste man dir mal einen Filmprofessorentitel verleihen.

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  2. Dankeschön, das freut mich aber sehr!! Den Tipp zu diesem Film habe ich übrigens auch erst hier im Blog bekommen (von Shan Dark, danke nochmal!!). Liebe Grüße!

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  3. Freu mich sehr, dass Du den Film gesehen und er Dir gefallen hat! "Loft" kenne ich jetzt noch nicht, muss ich ma auf die Liste setzen. Ich finde besonders das Ende sehr gelungen und nachdenkenswert und ja, auch der Score ist prächtig. Typisch 80ies, aber geht zusammen mit der Handlung gut rein.

    Alles in allem hat er einige Anleihen von "Das Ende" und "Die Klapperschlange", ist aber trotzdem eigenständig nägelbeißerisch. Persönlich fand ich ihn etwas klaustrophobischer noch als "Das Ende" und mir haben hier auch die Charaktere besser gefallen. Bis auf die Frau, die hat mich nur genervt in ihrer Art und Handlung. ABer das musste wahrscheinlich so sein.

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  4. Danke nochmal für den Tipp, der hat mir wirklich gefallen, und ich hatte noch nie was von dem Film gehört. Der wird ja auch in anderen Foren ganz gut besprochen, wäre schön, wenn er mal neu aufgelegt und remastered wird. Ja, die Frau ist nervig. :-)

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  5. Gern :)
    Das stimmt, die könnten den wirklich mal in einer ordentlichen oder zumindest besser erkennbaren Version herausbringen. Die Quali ist das Grauen. Vermutlich gibt es dafür aber zu wenig Nachfrage.

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