Montag, 11. März 2013

Eiskalte Leidenschaft (1992)

"Ich möchte gern mal wieder überrascht werden", meint Richard Gere als Psychiater Dr. Barr zu Beginn von EISKALTE LEIDENSCHAFT (Final Analysis), und diesen Wunsch können wir nur zurückgeben, denn Gere spielt den graumeliert-schnöseligen Seelenklempner genau so, wie er alle seine graumeliert-schnöseligen Rollen spielt. Immerhin, meine Mutter - Gott hab' sie selig - stand immer auf ihn, ich selbst konnte mich nie entscheiden, ob er eigentlich ein passabler Schauspieler oder ein ziemlicher Langweiler ist. Egal.

EISKALTE LEIDENSCHAFT ist eine Hitchcock-Hommage von Phil Joanou, das sieht man schon am Plakat, auf dem sich Gere und sein Co-Star Kim Basinger in bester Stewart/Novak-Tradition heftig umarmen, während die Wendeltreppe zum Turm die psychologischen Abgründe andeutet.
Die Ähnlichkeiten zu "Vertigo" (1958) sind dann auch im Film unübersehbar. Hier wie dort gerät unser (un)sympathischer Hauptdarsteller an eine Femme Fatale (Basinger), die mehrere Gesichter hat. Gerade noch verführt sie den ahnungslosen Gere (der kein Problem damit hat, mit der Schwester einer Patientin ins Bett zu steigen, was ein eher sportliches Verhältnis zu seinem Berufsethos zeigt), schon zieht sie ihrem Brutalo-Ehemann Eric Roberts nach erzwungenem Fellatio mit der Hantel ordentlich eins über, woraufhin dieser das Zeitliche segnet. Basinger lässt sich daraufhin von Gere eine merkwürdige Krankheit bescheinigen, aufgrund derer sie nach dem Genuss von Alkohol nicht mehr weiß, was sie tut, doch als der Psychiater dahinterkommt, dass Basinger alles von langer Hand geplant hat und nun ihn reinreißen will, erlebt er nicht nur die Überraschung, auf die er so lange gewartet hat, sondern muss auch alles daran setzen, der eiskalten Lady einen Strich durch die Rechnung zu machen, bevor er selbst als Mörder hinter Gittern landet...

Angekündigt wurde EISKALTE LEIDENSCHAFT als erotischer Thriller, die FSK-Freigabe ab 12 verrät aber schon, dass hier außer verschämtem Sex im Halbdunkel und Geres kurz aufblitzendem nackten Hintern (den es in jedem Gere-Vehikel zu sehen gibt) keine echte Erotik gibt. Und auch sonst ist das alles nicht sonderlich erregend. Das Drehbuch baut zwar so viele Wendungen ein, dass einem schwindlig wird, aber die Figuren sind allesamt ausgedachte Marionetten, die der (Über-)Konstruktion der Geschichte folgen müssen, ohne ein Eigenleben zu entwickeln. Kim Basinger muss sich im letzten Akt so unglaublich vorausblickend intrigant verhalten (sie kennt plötzlich Aufenthaltsorte von Menschen, denen sie zuvor nie begegnet ist und weiß stets, was der nächste Schritt ihrer Widersacher ist), dass auch noch die letzte Glaubwürdigkeit über den Jordan geht. Weniger wäre da mehr gewesen.
Auch die Hitchcock-Zitate werden nicht sonderlich subtil eingeflochten, sondern dem Zuschauer mit dem Holzhammer serviert. Nachdem sich Mel Brooks bereits in seiner Hitchcock-Parodie "Höhenkoller" (1977) über das Turmfinale lustig gemacht hat, fällt es schwer, die gleiche Szenerie 15 Jahre später noch ernst zu nehmen. Da knirscht nicht nur die Mechanik des Turmgeländers, sondern auch die Logik, wenn sich Tag und Nacht plötzlich im Minutentakt abwechseln und eine Frau mal eben aus der geschlossenen Psychatrie entkommt, indem sie sich eine Sonnenbrille aufsetzt...

Unterhaltsam ist EISKALTE LEIDENSCHAFT schon, auch wenn er lange braucht, um überhaupt mal auf den Punkt zu kommen. Bei der Stange gehalten wird man durch eine pompöse Filmmusik, die an Bernard Herrmann erinnern soll, die elegante Kameraführung und die sehenswert besetzten Nebenrollen. Eric Roberts zieht als Basingers fieser Gatte zwar seine übliche Schmieren-Nummer ab (siehe auch "The Specialist", 1994), aber die ist immerhin vergnüglich anzuschauen.
Die beste Leistung zeigt die junge Uma Thurman als Basingers neurotische kleine Schwester, die nicht ganz so unschuldig ist wie sie tut. Kim Basinger selbst wurde für ihre Darstellung mit einer Nominierung für die Goldene Himbeere 'geehrt'. In den frühen Szenen geht sie als sexy Verführerin in Ordnung, aber wenn sie ihre diabolische Seite rausholt, müssen alle Kollegen in Deckung springen. So ist dann ihr großer 'Ausbruch' in einem Restaurant, bei dem sie sich wie eine Furie auf den verdutzten Eric Roberts wirft und ihn mitsamt Essen und Tischdecke zu Boden ringt, eher amüsant als schockierend. Als Zuschauer soll man wohl denken, oh mein Gott, die Frau hat ja ernste Probleme, aber eigentlich denkt man nur, schalte mal ein paar Gänge runter, Kim, einen Oscar gibt's hier nirgendwo abzustauben (den gab's später für eine mittelprächtige Leistung in "L.A. Confidential", 1997). Ansonsten habe ich aber nichts gegen Basinger, ich mag sie, seit sie sich von Mickey Rourke vor dem offenen Kühlschrank mit Honig (und anderen...äh... Flüssigkeiten) bekleckern ließ.

Das Drehbuch zu EISKALTE LEIDENSCHAFT stammt von Wesely Strick, der fast zeitgleich den Scorsese-Hit "Kap der Angst" (1991) verfasste. Welcher von beiden einem besser gefällt, hängt davon ab, ob man lieber Frau Basinger oder Herrn De Niro im kompletten Overacting-Modus sehen will. Da aber Scorsese der talentiertere Regisseur ist und er die echte Bernard Herrmann-Musik statt einer Kopie verwendet, würde ich eher zu seinem Thriller greifen.

6.5/10

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