Samstag, 30. März 2013

Die City-Cobra (1986)

"Du bist die Krankheit. Ich bin die Medizin."

Mütter, sperrt eure Töchter weg, Psychos, verschanzt euch in der Gummizelle, Supermarkt-Räuber, sprecht euer Gebet - der böse Bulle mit den Muckis und der zu engen Jeans ist wieder in der Stadt!
Tach auch, mein Name ist Cobra.
City Cobra.

Wollte man jemandem den typischen Action-Film der 80er erklären, könnte man ihm James Camerons "Terminator" (1984) oder eben George P. Cosmatos' DIE CITY-COBRA (Cobra) ans Herz legen, die so ziemlich beide Enden des Spektrums abdecken. Der eine ist eine intelligente Suspense-Achterbahn mit düsterem Apokalypse-Szenario, der andere ein testosterongeladener Polizeifilm mit haufenweise sinnlosem Geballer, Selbstjustiz-Glorifizierung und einem lächerlichen Macho-Held, der erst schießt und dann Fragen stellt. Serviert wird das Ganze in rotstichiger Hochglanz-Videoclip-Ästhetik, die damals gerade schwer in Mode war. Wegwerf-Popsongs werden an allen passenden und unpassenden Stellen eingedudelt, damit sich auch das Soundtrack-Album gut verkauft, und statt einer Geschichte gibt es einen losen Faden, der die Action-Sequenzen zusammenhält.

Man staunt, dass für den Plot von COBRA überhaupt ein Roman als Vorlage verwendet wurde, denn die Story ist so dünn, dass sie auf einem Kassenbon Platz finden würde. Es geht um ein hübsches Model (Brigitte Nielsen, noch vor ihren Schönheits-OPs und Dschungelcamp-Ausflügen), das zufällig Zeugin eines grausamen Mordes wird, ausgeführt vom so genannten 'Nachtschlitzer' (ein 'Nacktschlitzer' hätte mir besser gefallen). Hinter dem Namen verbirgt sich eine Gang gewalttätiger Psychopathen. Der saucoole Cop Cobretti (Sylvester Stallone, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist) nimmt sich der Zeugin an und versucht, sie zu beschützen, bevor die Gang sie drankriegt. In einem abgelegenen Motel kommt es zum Showdown zwischen dem Polizisten-Proll und den Schizo-Schlitzern...

Ja, da muss man auch nicht für zwei Sekunden sein Gehirn einschalten beim Anschauen, das hat was. Stallones Drehbuch sagt uns weder, was das genau für eine böse Gang ist oder was die überhaupt wollen (außer brutale Morde verüben), noch findet irgendeine Art von Charakterentwicklung statt. Stallone ist am Ende genau derselbe schweigsame, vernunftresistente, selbstverliebte und schießwütige Mucki-Macho mit Dackelblick wie zu Beginn, und die Frage, ob er vielleicht ebenso psychopathisch ist wie seine Gegenspieler, stellt der Film gar nicht. Charaktere, die leise Kritik an Stallones brachialem Vorgehen äußern, werden sofort als spießige Bürohengste abgewertet oder kriegen von Cobra gleich ein paar aufs Maul. Zu so einem Teufelskerl steigt eine heiße Braut wie Nielsen doch gern aufs Motorrad.

Brigitte Nielsen, damals noch Stallones Gattin, sieht (wirklich) hübsch aus und spielt (wobei 'spielen' ein weitläufiger Begriff ist) von vorne bis hinten nur das Opfer, das beschützt werden muss. Sie bekommt nicht einen Moment, in dem sie selbst mal aktiv wird. Als Charakterisierung reicht dem Film, dass sie zu viel Ketchup auf ihre Pommes kippt. Cobras Partner nascht zu viele Süßigkeiten, und der Oberbösewicht zeichnet sich durch ständiges Schwitzen und Augenrollen aus. Muss reichen.
Über Stallones Cobra erfahren wir, dass er mit Vornamen Marion heißt ('Maria' in der deutschen Fassung), worüber er aber schmunzeln kann (das soll ihn sympathisch machen), ansonsten hängt ihm ein Streichholz dauerhaft im Mundwinkel, und Psychopathen mag er gar nicht, weil die den Steuerzahler nur Geld kosten. Was Cobras Materialschlachten den Steuerzahler kosten, wird nicht thematisiert, weil er ja auf der 'richtigen' Seite steht. Seine Anflüge von Selbstjustiz verteidigt er lapidar mit dem Leid der Opfer und deren Angehörigen - selbstverständlich ohne sich kurz zu fragen, ob nicht die Angehörigen der vielen Opfer, die auf seine eigene Kappe gehen, dann auch Grund genug hätten, loszuziehen und ihn kalt zu machen. Das wäre schon zu viel Selbstreflexion.

Das Erstaunliche ist - wenn man bereit ist, über all das hinwegzusehen (und - seien wir ehrlich - wenn man sich einen Stallone aus den 80ern ansieht, ist man dazu bereit), dann kann COBRA auf verbotene Art viel Spaß machen. Regisseur George P. Cosmatos ("Leviathan", 1989) kriegt wie immer keine wirklich spannende Szene hin, aber er sorgt für so viel Tempo und Krachbumm, dass COBRA eigentlich nie langweilig wird - außer vielleicht an den wenigen Stellen, an denen ödes Süßholz zwischen Hauptdarsteller und Hauptdarsteller-Gattin geraspelt wird. Da so etwas wie polizeiliche Ermittlungsarbeit nicht stattfindet, reiht sich eine actionlastige Sequenz an die nächste, keine dauert länger als die Konzentrationsspanne einer Amöbe aushalten würde, und zwischendurch gibt es viele schöne Montagen. Ein paar beabsichtigte Lacher funktionieren gut ("Sie haben ein Problem mit Ihrer Einstellung"), und im Finale sieht man reichlich halsbrecherische Old-School-Stunts (einer der Stuntleute landet direkt vor dem heranrasenden Motorrad eines Kollegen, der gerade noch ausweichen kann). Man kann über Stallone und Schwarzenegger sagen, was man will, man kann sie lieben oder hassen, aber das Kino der 80er wäre ohne sie deutlich langweiliger und zahnloser.

Man sollte COBRA betrachten wie einen One Night Stand. Er ist dumm, aber irgendwie sexy, man kann sich 90 Minuten lang mit ihm vergnügen, man sollte ihn aber nach dem Höhepunkt möglichst schnell wieder nach Hause schicken - und froh sein, dass man ihn nicht seinen Eltern vorstellen muss.

07/10

Kommentare:

  1. Sehr schöner Text, ganz besonders der letzte Absatz gefällt mir sehr gut. Ich habe "Die City Cobra" damals in den 90er Jahren gesehen, ihn viel zu streng geguckt und damals voll doof gefunden. Und heute, wo ich an solche Stoffe viel lockerer rangehe, würde ich ganz gerne noch mal einen Blick auf diesen Stallone-Streifen werfen. Und nach dem lesen hier nun erst recht! :)

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  2. Dankeschön, mir geht es da übrigens ähnlich. Mich hat man in den 80ern in keinen Schwarzenegger oder Stallone gekriegt, weil ich das unter meiner Würde fand. Dabei kann man das auch viel entspannter sehen. Ein Vorteil des Alters. :-)

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