Montag, 18. März 2013

Denn zum Küssen sind sie da (1997)

DENN ZUM KÜSSEN SIND SIE DA (Kiss the Girls) gehört zur Welle der Serienkiller-Thriller, die nach dem Erfolg von David Finchers "Se7en" (1995) über die Kinoleinwände schwappte. Mit Morgan Freeman konnte man den Hauptdarsteller aus Finchers unerreichtem Vorbild gewinnen und ihm mit Ashley Judd eine starke Partnerin an die Seite stellen. Das Zusamenspiel der beiden macht den Reiz des Thrillers aus, der ansonsten eher zu den schwächeren Beiträgen des Genres gehört.

Der Plot: ein Serientäter entführt junge Frauen, darunter auch die Nichte des Polizeipsychologen Alex Cross (Freeman). Kurz darauf verschwindet auch die junge Ärztin Kate (Judd), der es aber gelingt, aus ihrem unterirdischen Gefängnis zu entkommen. Gemeinsam mit Cross versucht sie, dem Täter auf die Spur zu kommen und begibt sich selbst wieder in Lebensgefahr...

Die Flucht von Judd aus dem Versteck des Killers, in welchem die entführten Opfer in Verschlägen gehalten und zur Unterhaltung des Psychopathen ab und zu hervorgeholt werden, ist dann auch die aufregendste Sequenz im gesamten Film. Den Killer dicht am Fuß muss Judd durch Wälder rennen und schließlich spektakulär einen Wasserfall hinunterhüpfen, um zu entkommen. Das macht ihr so schnell keiner nach. Ashley Judd empfahl sich hier für körperbetonte Action-Rollen, die sie in Filmen wie "Doppelmord" (1999) und "Twisted" (2004) spielen sollte. Sie ist eine zähe und sensible Heldin, mit der man umgehend warm wird, und ihre Figur ist eine willkommene Abkehr von den Opferrollen, mit denen sich Frauen im Genre so oft zufrieden geben müssen (siehe Gwyneth Paltrow in "Se7en", der trotz aller Brillanz mit Frauen so gar nichts am Hut hat).

Morgan Freeman spielt den ermittelnden Psychologen wieder mit der ihm eigenen Ruhe und Präsenz, leider aber wird er vom Drehbuch mit so viel Genialität und altkluger Weisheit ausgestattet, dass seine Figur schnell langweilig wird. Er zieht stets die richtigen Schlüsse, erkennt sofort die Schwächen anderer und ist von vorne bis hinten moralisch unantastbar. Dummerweise versäumt er es, den Killer, der direkt vor seiner Nase auftaucht, einfach mal zu erschießen, wofür der Film dann überhaupt keine Erklärung mehr hat.
(Vorsicht, kleiner Spoiler folgt)
Der überraschende Clou, dass es sich hier um zwei Killer handelt, wird ebenfalls verschenkt und ist für den Handlungsablauf völlig unnötig. Er zieht nur den Film in die Länge und verwirrt den Zuschauer.

Regisseur Gary Fleder, der keinen wirklich guten Film vorweisen kann ("Die Jury" von 2003 ist vielleicht noch der beste), siedelt den Stoff in den Südstaaten an, kann aber nicht genügend Atmosphäre aufbauen. Weder ist DENN ZUM KÜSSEN SIND SIE DA ein stimmungsvoller Gruselstoff noch ein rasanter Kracher, er ist irgendwas dazwischen. Auch die Musik von Mark Isham bleibt belanglos. Sehenswert sind ein paar prominente Auftritte von Nebendarstellern wie Brian Cox, Tony Goldwyn und Jeremy Piven, doch auch die können kein Meisterwerk aus dem durchschnittlichen Stoff machen. Letztendlich fehlt auch der Humor - jedenfalls bis zum absurden Finale, wenn Ashley Judd alleine mit dem Täter (dessen Identität sie noch nicht kennt) in der Küche steht und ihn bittet, ihr das "große Küchenmesser" zu reichen. Das ist dann ein Riesen-Brüller (vielleicht nicht unbedingt gewollt).

Wie der Killer danach zur Strecke gebracht wird, das ist durchaus unterhaltsam, entbehrt aber jeder Logik. Probieren Sie's mal aus, wenn Sie einen Gasherd, eine Pistole, eine Tüte Milch und einen Serienmörder bei sich zu Hause haben.

5.5/10


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