Sonntag, 17. Februar 2013

Zombies unter Kannibalen (1980)

Anfang der 80er kassierte die italienische Exploitation-Filmindustrie besonders mit zwei Genres ab: dem Zombie- sowie dem Kannibalen-Film. Da brauchte es kein Genie, um auf die wahnsinnige Idee zu kommen, dass man noch mehr abkassieren könnte, wenn man Zombies UND Kannibalen in einem gemeinsamen Film sowohl aufeinander als auch auf unschuldige Opfer loslässt. So entstand ZOMBIES UNTER KANNIBALEN (Dr. Butcher, M.D./Zombie Holocaust), ein echter Splatter-Klassiker.

Plot? Wen interessiert der Plot?
In New York häufen sich Fälle von Kannibalismus, und aus Krankenhäusern werden Leichenteile gestohlen. Ein Inspektor (Ian McCulloch) und eine sexy Anthropologin (Alexandra Delli Colli) verfolgen die Spur eines Sektensymbols, das jeweils an den Tatorten gefunden wurde, und reisen auf eine exotische Insel, wo sie einen irren Doktor (Peter O'Neal) treffen, der grausame Experimente durchführt. Er transplantiert menschliche Gehirne in tote Körper und erweckt diese so zum Leben. Die Überreste (seiner misslungenen Experimente) werden an die örtlichen Kannibalen verfüttert. Warum er das tut? Müssen Sie ihn selbst fragen. Auf jeden Fall ist es höchste Zeit für unsere Protagonisten, den Urlaub abzubrechen...

Für Hauptdarsteller Ian McCulloch muss es ein permanentes Déja Vu gewesen sein, denn der spielte schon unter Lucio Fulcis Regie im Zombie-Klassiker "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" (1979) mit, und ZOMBIES UNTER KANNIBALEN folgt fast 1:1 dem Plot des Vorgängers. Also findet sich der britische Mime wieder auf einer tropischen Insel wieder, darf erneut Zombies mit Molotow-Cocktails beschmeißen und mit seiner hübschen Partnerin Reißaus durch den Dschungel nehmen. Ach, das italienische Trash-Kino ist einfach zu schön. Was ZOMBIES UNTER KANNIBALEN so herrlich unterhaltsam macht, das sind sowohl die derben Splattereffekte, mit denen man unentwegt bombardiert wird, als auch der völlige Verzicht auf Tiersnuff-Szenen, die das Kannibalen-Genre so unerträglich und abstoßend machen. Offenbar haben die Macher dieses Films zumindest in diesem Punkt eine ethische Grenze entdeckt, die sie nicht überschreiten wollen. Dafür sei ihnen gedankt, und dafür nehmen wir auch ganz schlechtes Schauspiel und fürchterliche Dialoge in Kauf.

Dazu weiden wir unsere Augen an massenhaft ausgeweideten Nebendarstellern, herausgepulten Augäpfeln, abgetrennten Schädeldecken und merkwürdigen Arztpraktiken (Lieblings-Dialog von Doktor zu Patientin, die auf dem OP-Tisch gefesselt ist: "Jetzt stört mich dein Gebrüll nicht mehr bei der Arbeit, ich habe deine Stimmbänder durchtrennt!" - Wann haben Sie zum letzten Mal einen Doktor diese unsterblichen Worte sagen hören?). Den besten Moment bekommt Ian McCulloch, wenn er einen Zombie mit dem Propeller eines Außenbordmotors in Einzelteile zerschreddert. Man kann dem Film vieles vorwerfen, aber nicht, dass er sich zurückhalten würde. Hier ist alles over the top und so richtig schön blöd. Die Prise Sex darf selbstverständlich nicht fehlen, weswegen unsere scharfe Völkerkundlerin mal schwarze, mal weiße Dessous unter ihrem Dschungel- oder Krankenschwestern-Outfit trägt, wenn die Eingeborenen ihr nicht gerade mit Fingerfarben Blümchen auf die nackerte Haut pinseln.
Es erübrigt sich fast zu sagen, dass der Film natürlich hierzulande beschlagnahmt wurde und in den 80ern nur im Flüsterton unter Ladentischen zu haben war. Heute kann ihn so ziemlich jeder auf DVD genießen.

Regisseur Marino Girolami war übrigens bereits ein Veteran des Schund-Kinos, als er ZOMBIES UNTER KANNIBALEN inszenierte. Obwohl sein Name eher unbekannt ist, hat er 77 Filme (in Worten: siebenundsiebzig!) Filme auf seiner Vita, viele verständlicherweise unter Pseudonym, darunter preisverdächtige Titel wie "Flotte Teens - Runter mit den Jeans!" (1980), "Ausgeflippt und affengeil" (1980), "Schüler lieben hübsche Hasen" (1975), "Zwei Trottel gegen Django" (1967) oder "Komm, wir machen Liebe" (1975). Wenn das keine Karriere ist, dann weiß ich es auch nicht. Ohne sämtliche Werke zu kennen, würde ich tippen, dass ZOMBIES UNTER KANNIBALEN vielleicht sein bester Film ist. Was das Splatterkino der 80er angeht, gehört er jedenfalls auf die Spitzenränge.

09/10


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