Donnerstag, 21. Februar 2013

Frauen bis zum Wahnsinn gequält (1970)

Der deutsche Titel ist hier wie so oft irreführend (ganz zu schweigen von doof) - FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT (The Forbidden Photos of a Lady Above Suspicion) ist kein Folter- und Gefängnisfilm mit Linda Blair in Ketten, sondern ein als Giallo getarnter erotischer Thriller.

Die deutsche Schauspielerin Dagmar Lassander spielt eine gelangweilte Hausfrau, die den Tag mit guten Vorsätzen (weniger trinken, weniger Pillen) beginnt, welche sie aber gleich wieder aufgibt. Dann begegnet sie einem mysteriösen Fremden, der sie überfällt und ihr erklärt, ihr Mann sei ein Mörder. Tatsächlich ist einer seiner Geschäftspartner gerade ums Leben gekommen. Dagmar versucht der Sache auf die Spur zu kommen und beginnt (aus nicht gerade nachvollziehbaren Gründen) eine Affäre mit ihrem unheimlichen Stalker. Damit bringt sie sich in größte Gefahr...

FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT gehört streng genommen zum Gothic-Melodram à la "Das Haus der Lady Alquist" (1944), aber unter der Regie von Luciano Ercoli wirkt der Film rein äußerlich wie ein lupenreiner Giallo, bei dem man irgendwann doch den schwarzbehandschuhten Killer vermisst. Der Hintergrund der Handlung ist ein rein kriminalistischer, und es fehlen die typisch ausgeschmückten Mordsequenzen, die man sonst im Giallo findet, weil sich der Film eher mit den sexuellen Begierden und Abgründen von Frauen beschäftigt. 
Dazu spielt der Thriller mit einigen Hitchcock-Elementen (insbesondere "Verdacht", 1941), kann diese aber nie wirklich überzeugend zu einem Ganzen zusammenfügen - was schade ist, denn eigentlich ist die Geschichte (Frau verliebt sich in einen Erpresser, der sie und ihren Mann bedroht) gar nicht schlecht.

Dagmar Lassander kann mit ihrem guten Aussehen und ihrem leicht übertriebenen Spiel für Interesse sorgen, und Ercoli gelingen ein paar gute Szenen wie jene, in der Lassander nach dem Überfall in einer Kneipe Schutz sucht und sich der Film ganz auf ihre Einsamkeit konzentriert. Die Sex-Szenen sind dagegen eher verschämt als offenherzig, und die Figuren-Motivation knirscht dermaßen, dass es schwer fällt, den Film ernst zu nehmen. Die Auflösung ist ziemlich vorhersehbar und stammt aus der Kategorie 'hanbeüchen'. Das Beste ist noch die Musik von Ennio Morricone, der wieder einmal für die typische Untermalung sorgt.

Hübsch anzuschauen sind viele der originellen Kameraperspektiven und die schrill-poppige Ausstattung. Wem das genügt, und wer Giallo-mäßig gerade auf dem Trockenen sitzt, der ist mit FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT ganz gut bedient. Aber wer Lust auf dieses wunderbare Genre verspürt, der sollte eigentlich lieber gleich zu einem der besseren Vertreter greifen.

06/10


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