Donnerstag, 14. Februar 2013

Foltermühle der gefangenen Frauen (1978)

Die Filme des Franzosen Jean Rollin sind nicht jedermanns Sache, und ich gestehe offen, dass sie auch nicht meine sind. Die meisten von ihnen langweilen mich zu Tode, obwohl die Mischung aus nackter Haut und Blut durchaus ihre Reize hat und Rollin sicher kein unbegabter Stümper ist. Der Fairness halber sei dazu gesagt, dass mich Rollins Schaffen vermutlich mehr interessieren würde, wenn mich nackte Frauen antörnen würden, aber so ist es nunmal nicht (und die Kerle in Rollins Filmen sind grundsätzlich Grottenolme).

Mit FOLTERMÜHLE DER GEFANGENEN FRAUEN (Les Raisins de la Mort) verhält es sich etwas anders, da Rollin hier statt nackter Vampire einen lupenreinen Zombiefilm vorlegt, der deutlich leichter zugänglich ist, weil er sich an einschlägigen Vorbildern orientiert und weniger die privaten Obsessionen und Fetische des Regisseurs abfeiert. Ich erinnere mich außerdem mit wohliger Gänsehaut daran, dass der Film im örtlichen Schund-Kino lief (da wo sonst die Softsex-Streifen für ältere Herren mit Hut gezeigt wurden), als ich zarte zehn Jahre alt war und die blutigen Aushangfotos mit dieser erregenden Mischung aus Schaudern, Faszination und Ekel betrachtet habe, die jeder Horror-Fan kennt. Zum Film selbst hatte ich leider keinen Zutritt (verdammter Jugendschutz!).

Der Inhalt der FOLTERMÜHLE ist schnell erzählt: ein junges Mädel reist per Eisenbahn in ein französisches Weinanbaugebiet, um ihren Verlobten zu treffen. In der Ortschaft hat allerdings ein neuartiges Pestizid sämtliche Bewohner in blutrünstige Zombies verwandelt. Schon im Zug wird unsere Protagonistin von einem überfallen und flüchtet entsetzt in die einsame Landschaft. Dort erlebt sie mit jeder weiteren Begegnung ein neuartiges Grauen...

Zunächst einmal wollen wir die deutschen Titelfinder loben, denn FOLTERMÜHLE DER GEFANGENEN FRAUEN ist weißgott ein origineller Titel - besonders, da im gesamten Film weder Folter, Mühlen noch gefangene Frauen vorkommen. Ebenso schön sind die Alternativtitel "Pestizide - Grapes of Death" und "Zombis (sic!) geschändete Frauen". Gut, der Originaltitel "Trauben des Todes" ist auch kein Brüller, aber der hat wenigstens rudimentär mit der Handlung zu tun.
Rollin orientiert sich an Filmen wie Cronenbergs "Rabid" (1974), Romeros "Die Nacht der lebenden Toten" (1968) und Jorge Graus "Das Leichenhaus der lebenden Toten" (1974). Im Thema steckt natürlich auch eine gewisse Ironie, denn dass die Franzosen ausgerechnet durch den eigenen Wein zu blutrünstigen Zombies werden, das hat schon was. Rollin drehte wie immer preisgünstig an Originalschauplätzen, und ihm gelingen - das muss man ihm lassen - einige wundervolle Einstellungen der verlassenen Gegend mit den alten Steinhäusern im Nebel. Die Einstellung, in der unsere Hauptdarstellerin über eine Eisenbahnbrücke torkelt, hat ganz sicher David Lynch in "Twin Peaks" inspiriert. Die surreale Atmosphäre der FOLTERMÜHLE ist nicht zu verachten, gerade wenn man bedenkt, wie billig der Film war.

Leider sieht man ihm das schmale Budget ansonsten an jeder Ecke an. Die Zombie-Masken sehen aus wie künstliches Erbrochenes, das den Darstellern ins Gesicht geklatscht wurde. Die Szene mit der schönen Blinden, die zunächst nackig gemacht und an eine Tür genagelt wird (natürlich nackig, es ist Rollin), bevor sie enthauptet wird, ist nicht nur höchst anstößig (und hat vermutlich dem Film die hierzulande ausgesprochene Beschlagnahmung eingebracht), sondern auch furchtbar albern, weil die Schaufensterpuppe deutlich sichtbar ist, die da den Kopf hinhalten muss. Gemetzelt wird in der FOLTERMÜHLE relativ heftig, was die Splatterfans erfreuen dürfte, doch kein Effekt ist wirklich überzeugend gemacht oder sorgt für echten Schrecken. Zwischen diesen Momenten herrscht dann gähnende Langeweile, wenn unsere Hauptfigur von Tür zu Tür rennt (ohne zu begreifen, dass ihr keiner helfen kann), und Rollin erreicht die Spielfilmlänge überhaupt nur, weil er immer viel zu lange draufhält, auch wenn gar nichts passiert.

Dazu kommen die gewohnten Abstriche, die man bei Dialogen, Charakteren und Schauspielern machen muss. Die Hauptdarstellerin kann zumindest ordentlich kreischen, und in einer Nebenrolle kann die ehemalige Porno-Darstellerin Brigitte Lahaie als mysteriöse Schönheit (komplett im weißen Nachtgewand und mit zwei Riesenhunden an der Kette - da hat wohl jemand Bava gesehen!) für etwas Interesse sorgen, aber der Rest der Besetzung agiert durchweg laienhaft. Nebenbei: ist es ein Zufall, dass Rollin einen ehemaligen Pornostar in einem Film besetzt, der große Ähnlichkeit mit "Rabid" aufweist, in welchem - wir erinnern uns - Ex-Pornostar Marilyn Chambers ihre erste 'seriöse' Rolle spielte? Wie klein doch die Welt ist...
Die deutsche Synchronisation ist übrigens mal wieder von der Sorte 'besonders doof' (mit dauer-kieksenden Frauen, die keinen Satz wie ein normaler Mensch sprechen), glücklicherweise wird aber nicht allzu viel geredet.

Während die italienische Horror-Industrie in den 70ern auf Hochtouren lief und Filme am Fließband produzierte, hat Jean Rollin das französische Exploitation-Kino weitgehend allein bestritten, dafür gebührt ihm Respekt. Dass er künstlerisch einflussreich war, beweisen Filme wie Fulcis "The Beyond" (1981), die sich bei Rollin bedienen (die Begegnung der Heldin mit dem blinden Mädchen in einsamer Gegend ist 1:1 übernommen). FOLTERMÜHLE DER GEFANGENEN FRAUEN ist für Interessierte ein guter Einstieg in Rollins Schaffen. Ob man ein Fan wird, hängt allerdings davon ab, wie man zu seinen persönlicheren Werken wie "Lady Dracula" (1982) steht. Ich habe diesen Sprung nie geschafft, aber ich habe ja noch ein paar Jahre (hoffentlich) vor mir - sofern ich auf französischen Wein verzichte...

6.5/10

Kommentare:

  1. Meine Güte, was Du da für Sachen ausgräbst :) und das bei der aktuellen Sexismus-Debatte >> "Foltermühle der gefangenen Frauen", hossa!

    Es drängt mich ja fast schon, den anzuschauen, auch bin ich wohl etwas dazu verpflichtet, wo ich doch auch in einer Weingegend wohne. Wirklich ein interessanter Dreh, aus Weintrinkern Zombies und Zombinas werden zu lassen. Wobei das hier bei manchen Weinfesten öfters mal zu greifbarer Realität wird.

    Es ist immer so eine Sache mit diesen Filmen, die eigentlich Trash sind: Ich will sie mir manchmal schon gern geben, aber nichts dafür AUSgeben. Mach doch mal einen Online-Trash-Verleih auf! ;)

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  2. Der ist aber wirklich nur für hartgesottene Trash-Fans zu empfehlen. Die Zombies auf Wein- und Volksfesten kenne ich natürlich auch zur Genüge. Die gehen aber (meistens) nicht gleich mit Axt und Heugabel auf einen los... :-)

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