Donnerstag, 7. Februar 2013

Disturbia (2007)

Regisseur D. J. Caruso modernisierte mit DISTURBIA (Disturbia) Alfred Hitchcocks Klassiker "Das Fenster zum Hof" (1954) für ein junges Zielpublikum. Obwohl Hitchcock-Puristen bei dieser Vorstellung eher aufschreien, muss man sagen, dass sich das Ergebnis wirklich sehen lassen kann und um einiges origineller ausfällt als etwa Gus van Sants "Psycho"-Remake (1999).

Shia LaBeouf spielt in DISTURBIA einen schwierigen Teenager, der den Verlust des Vaters verkraften muss und nach einer Prügelei mit seinem Spanischlehrer durch eine elektronische Fußfessel ans Haus gebunden ist. Von dort aus verbringt er seine Freizeit damit, die Nachbarn auszuspionieren. Dabei kommt ihm der Verdacht, dass einer von ihnen (David Morse) ein gesuchter Serienkiller sein könnte. Bald schon muss er um sein eigenes Leben fürchten...

DISTUIRBIA hangelt sich dabei eng an der Vorlage entlang und versucht für alle Elemente ein modernes Pendant zu finden. Die elektronische Fessel entspricht James Stewarts Gipsbein, die schwarzhumorige Krankenschwester Thelma Ritter wird durch den besten Freund ersetzt, und das erwachsene Problem von Hitchcocks Hauptfiguren (Grace Kelly möchte heiraten, James Stewart will lieber als Fotograf durch die Welt ziehen) weicht den typischen Teenager-Ängsten (LaBeouf muss den Tod des Vaters akzeptieren, mit seiner Umwelt zurecht kommen und die erste Liebe entdecken). Für die Etablierung der Charaktere lässt sich Regisseur Caruso angenehm viel Zeit (einige würden sagen, zu viel) und findet viele gute Einfälle für die Langeweile, mit der sich der ans Haus gefesselte LaBeouf herumschlagen muss, bevor er Zeuge eines Mordes wird.Auch die Fußfessel wird dramaturgisch geschickt eingesetzt. 

Tatsächlich beginnt nach einem obligatorisch knalligen Auftakt (der überraschende Unfalltod des Vaters) der Thriller erst ab der Hälfte der Filmzeit, lässt dann aber nicht mehr locker und jagt seinen jungen Helden von einer atemlosen Situation in die nächste. Dass das alles weißgott nicht neu ist (inklusive einer vermeintlichen Leiche, die keine ist, was man als uralten Hut bezeichnen kann), kann DISTURBIA über weite Strecken verschleiern, und er bietet genug Spannung und Humor, damit der Zuschauer das möglichst nicht merkt.

Im Finale übertreibt der Film dann allerdings gewaltig. Da befindet sich plötzlich unter dem Einfamilienhaus des Nachbarn ein ganzes Höhlenlabyrinth, wichtige Charaktere werden entweder im Vorbeigehen ermordet oder einfach vergessen, und den Schlussfight mit dem Killer hat man so und ähnlich schon hundertmal in Slasher-Filmen gesehen.
Bis dahin aber hat man sich gut unterhalten, und die Schauspieler leisten allesamt tadellose Arbeit. LaBeouf ist ein echter Sympathieträger, Carrie-Ann Moss hingegen wird als LaBeoufs Mutter leider verschenkt. Ihre Szenen sind zum großen Teil der Schere zum Opfer gefallen, wie man auf den Deleted Scenes der DVD sehen kann. Das ist im Hinblick auf die Filmstory und das Zielpublikum nachvollziehbar, aber trotzdem schade für die Schauspielerin, die im fertigen Film nur noch in der Küche steht, ihren Filmsohn zum Aufräumen anhält und sich am Ende selbst in Todesgefahr bringt. Das waren noch Zeiten, als sie mit Keanu Reeves die 'Matrix' aufmischte...

Natürlich muss man dazu sagen, dass DISTURBIA nicht ansatzweise die Klasse, Subtilität oder den verschlagenen Witz von Hitchcocks Klassiker besitzt (und auch keine Grace Kelly). Allein wie Hitchcock dort mit der Darstellung der Nachbarschaft einen abgeschlossenen Mikrokosmos erzählt und jede Menge wunderbarer kleiner Geschichten in die große packt, davon kann ein DISTURBIA nur träumen. Am diesem Beispiel sieht man sehr schön, wie das Kino und das Publikum sich verändert haben.

Die Rechnung ging übrigens auf, und DISTURBIA wurde ein Hit beim jungen Publikum, woraufhin sich Regisseur Caruso gleich darauf einen weiteren Hitchcock-Klassiker vornahm, den "unsichtbaren Dritten" (1959), der - wieder mit LaBeouf in der Hauptrolle und deutlich mehr Action - als "Eagle Eye" (2008) in die Kinos kam - wenngleich mit schwächerem Ergebnis.

08/10

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