Samstag, 23. Februar 2013

Die Augen der Laura Mars (1978)

Hoppala, warum habe ich den denn bislang nicht besprochen? Das hätte mir auch mal einer sagen können, immerhin gehört dieser wunderbare Schund doch zu meinen meistgesehenen Thrillern der 70er!

Um es gleich vorweg zu nehmen, nein, gut ist der nicht, aber die Idee zum Film stammt immerhin von John Carpenter, und man mag sich gar nicht ausmalen, wie DIE AUGEN DER LAURA MARS (Eyes of Laura Mars) wohl unter seiner Regie ausgesehen hätte, wenn er denn sein ursprüngliches Drehbuch hätte verfilmen dürfen. Das wurde ihm aber unterm Hintern weggezogen, komplett umgeschrieben und dann von Irvin Kershner inszeniert. Dumm gelaufen für ihn und für uns alle.

Faye Dunaway spielt hier die titelgebende Laura Mars, eine angesagte New Yorker Modefotografin, deren Zurschaustellung von Gewalt und Sex gerade für jede Menge Zündstoff sorgt. Als mehrere ihrer Models brutal ermordet und die toten Körper arrangiert werden wie auf Lauras Fotos, gerät die Fotografin zur Zielscheibe eines Serienkillers. Aber nicht nur das - durch eine offenbar telepathische Verbindung kann sie die Morde durch die Augen des Mörders sehen, während sie stattfinden...

Das klingt doch nach einem herzhaften Schocker mit Spannung, Terror, nackter Haut und Gesellschaftskritik. Leider ist der Film nur ein Hochglanz-Modeprodukt seiner Zeit und kann aus seiner genialen Grundidee kaum Kapital schlagen. Jedes Mal, wenn der Killer zuschlägt, bleibt Dunaway stocksteif und mit weit aufgerissenen Augen (gelegentlich auch mitten auf der Straße) stehen und sieht zu, wie der Mörder ihre Models meuchelt. Woher diese merkwürdige Verbindung zwischen ihr und dem Killer stammt, das wird nie erklärt, wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich das eigentlich gut oder schlecht finde. Irgendwie will man schon wissen, woher zum Teufel diese Gabe stammt, andererseits, welche Erklärung wäre denn dafür befriedigend?
Der Film macht es sich an der Stelle nicht nur sehr leicht, sondern ist auch noch unnötig verschwurbelt, weil der Mörder angeblich durch Lauras Fotos zum Töten inspiriert wurde, während sie hingegen ihre Inspiration auf wundersame Weise durch Polizeifotos erhielt, welche sie aber nie zu Gesicht bekam - soll heißen, sie stand schon zuvor mit dem Killer in Kontakt, der aber erst durch sie zum Morden kam? Hä? Macht alles keinen Sinn, wenn man weiter darüber nachdenkt. Ist einer dieser "Huhn oder Ei"-Fälle, bei denen man nicht weiß, was denn nun zuerst da war.

Genug von Logik, wie spannend ist das Ganze denn nun? Der Film beginnt sehr eindrucksvoll mit einem Negativ-Bild von Dunaway und dem Titelsong von Barbra Streisand, die ursprünglich die Hauptrolle spielen sollte, bevor sie es sich anders überlegte (bzw. nachdem sie das neue Drehbuch las) und lediglich den Song beisteuerte, welcher aber extrem hörbar ist (Achtung, Ohrwurmqualität!). Danach sehen wir kurz das nächste potentielle Opfer durch die Augen des Killers (Anklänge an "Halloween", ein bisschen Carpenter steckt eben doch drin), dann erwacht Dunaway in ihrem Designer-Apartment vor einer Spiegelwand einsam in ihrem Bett. Das ist sehr stylisch und macht Lust auf mehr.

Nach dem ersten Drittel aber, wo wir sie bei der Arbeit mit den Models gesehen und kurz die gesellschaftlich relevanten Fragen oberflächlich gestreift und zu den Akten gelegt haben (ist es moralisch vertretbar, Mode mit Sex und Gewalt zu verkaufen?), folgt der Film dem bekannten Whodunit-Schema und spult wie in einer Zeitschleife den immer gleichen Ablauf ab - ein Mord geschieht, Dunaway versucht, jemanden zu überzeugen, dass sie den Mord gesehen hat, aber keiner glaubt ihr, dann kommt der nächste Mord, sie rennt wieder zur Polizei, aber keiner glaubt ihr, etc., etc. Dazwischen scheinen die Morde auch mal keine Rolle zu spielen, wenn etwa mitten im Film eine fröhliche Geburtstagsparty steigt, obwohl gerade 5 bis 6 Freunde der Geburtstagsgesellschaft dran glauben mussten. Hm.

Um die Identität des Killers zu verschleiern (die dem aufmerksamen Zuschauer lange klar sein dürfte), werden so viele falsche und plumpe Spuren gelegt, dass sich die Verdächtigen schnell zu stapeln beginnen. Ist es der irre Brad Dourif, der Dunaway durch die Stadt kutschiert? Oder der finstere Ex-Mann Raul Julia? Oder doch der ermittelnde Cop Tommy Lee Jones (hier noch ohne Knitterface), der sich seltsam abgestoßen von Dunaways Fotos zeigt?
Nun ja, sagen wir mal, die Auflösung ist so vorhersehbar wie unspektakulär. Dunaway kann den Mörder niederballern (der zuvor - sehr symbolisch! - die Spiegel ihres Schlafzimmers zerbricht) und weiter ein Leben als überbezahlte Promi-Knipserin führen. Ein bisschen Suspense stellt sich zwischendurch durchaus mal ein, wird aber nie lange gehalten.Warum durfte Carpenter den Film nicht selbst machen? Angeblich sollte das Ganze bei ihm sehr viel phantastischer und weniger wie ein Slasher-Film ablaufen. Wir werden es nie erfahren, denn DIE AUGEN DER LAURA MARS war nicht so erfolgreich, dass ein Remake in Sicht wäre.

Bleibt noch Faye Dunaway, die der Produktion ein bisschen Klasse verleiht. Zwar sieht sie etwas anämisch aus und trägt schlimme Klamotten (wie den Sherlock-Holmes-Karo-Anzug mit Hut), bei denen man sich ernsthaft fragt, warum eine Frau mit so scheußlichem Geschmack ausgerechnet für Modefotos verantwortlich ist, aber sie spielt wieder mal, was das Zeug hält und läuft sich schon warm für ihren durchgedrehten Overacting-Marathon in "Meine liebe Rabenmutter" (1982). Das ist mal hervorragend, mal unfreiwillig komisch - ich verweise nur auf die ganz miese Liebesszene zwischen ihr und Tommy Lee Jones, in der beide nach einer Beerdigung (!) ohne Vorwarnung plötzlich durch den Herbstwald taumeln und schnulzige Dialoge sprechen müssen, bevor sie sich in die Arme fallen und unmotiviert herumknutschen, während gerade ein Serienkiller hinter ihr her ist. Dunaway bringt es selbst am besten auf den Punkt, wenn sie keuchend sagt: "I'm completely out of control!" - Äh, ja, nicht nur heute, Faye...

Spitze ist übrigens der Soundtrack, auf dem sich neben dem typischen Slasher-Score lauter Disco-Hits der 70er wie "Let's All Chant" und "Shake Your Booty" die Plateau-Schuhe in die Hand geben. Das fetzt!
Und erwähnt werden muss noch meine Lieblingsszene auf dem Polizeirevier, wo die Models sich einfinden, um ihre Aussagen zu machen und eine von ihnen den Stylisten dabei hat, der ihr die Haare macht, während sie wartet! Das kann ich nur empfehlen. Ohne meinen Haarstylisten gehe ich nicht mal mehr zum Briefkasten.
Nebenbei, ich mag den Film - trotz allem. 

07/10 (objektiv fünf, sechs für den Nostalgiefaktor und sieben für den Stylisten)


Sex Sells! 
Faye Dunaway als Laura Mars in "Die Augen der Laura Mars




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