Sonntag, 3. Februar 2013

Das siebte Zeichen (1988)

Obwohl im Kino der 80er regelmäßig muskulöse Neandertaler wie Stallone oder Schwarzenegger die Welt mit brachialer Gewalt aufräumten, war das Publikum durch die Schrecken der Realität - wie Tschernobyl, Aufrüstung und einen drohenden Nuklearkrieg - so verunsichert über die Selbstzerstörungswut der Menschheit, dass gegen Ende des Jahrzehnts der Okkultismus groß in Mode war. John Carpenter schickte in seinem "Die Fürsten der Dunkelheit" (1987) den Satan persönlich auf die Erde zurück, und in James Camerons "Abyss" (1989) kündigten Aliens das nahende Ende der Welt an.
In DAS SIEBTE ZEICHEN (The Seventh Sign) liegt es an Demi Moore, die Welt vor dem Abgrund zu retten. Und eines ist sicher - wenn das Schicksal der Welt in Demi Moores Händen ruht, dann sollte man sich besser warm anziehen, denn das Ende steht kurz bevor.

Ominöse Zeichen deuten auf die drohende Aopkalypse. Flusswasser verwandelt sich in Blut, Fische sterben, und die Wüste wird zu Eis. Ein Abgesandter des Vatikan (Peter Friedman) ist überzeugt, dass die in der Bibel prophezeite Offenbarung des Johannes Wirklichkeit wird. Gleichzeitig vermieten die schwangere Demi Moore und ihr Ehemann Michael Biehn eine Einliegerwohnung an den mysteriösen Jürgen Prochnow, der ebenfalls in Sachen Weltende unterwegs ist. Er ist nämlich kein geringerer als Jesus persönlich, von Papi auf die Welt gesandt, das nahende Ende aufzuhalten. Und das ist nur möglich, wenn Moores Ungeborenes gesund zur Welt gebracht wird. Da hat der böse Kirchenvertreter aber auch noch ein Wörtchen mitzureden, denn dem wäre nichts lieber als die ewige Finsternis...

Wer jetzt meint, das klingt nach einem ziemlich zusammengewürfelten Haufen Wirrwarr, der liegt schon ganz richtig. Ähnlich wie in "Das Omen" (1976), von dem sich DAS SIEBTE ZEICHEN einiges abschaut, werden Bibelpassagen nicht interpretiert, sondern schlicht wörtlich genommen (bzw. die besten Stellen geplündert), um einen Horror-Plot daraus zu basteln. Dagegen ist ja erst mal nichts einzuwenden, und beim "Omen" funktioniert das ziemlich gut. DAS SIEBTE ZEICHEN aber wirkt stellenweise doch arg naiv, und wenn sich trotz atmosphärischer Bilder und dem guten Spiel der Hauptdarsteller eine Unglaubwürdigkeit an die nächste reiht, dann muss man schon sehr gnädig sein, um das apokalyptische Spektakel genießen zu können.
Gegen Ende wird das Ganze zwar sehr spannend und dramatisch (Moore muss die Hinrichtung eines zum Tode Verurteilten verhindern, um die Zeichenkette zu durchbrechen und so den Untergang aufzuhalten), aber der Film sabotiert sich selbst durch unfreiwillig komische Szenen wie die 'Enttarnung' Jürgen Prochnows als Jesus, samt güldenem Schein selbstverständlich. Was hingegen gut funktioniert ist der emotionale Bogen um Demi Moore, die eine schwache, depressive Frau spielt, die nach einer Fehlgeburt bereits mehrere Suizidversuche hinter sich hat, und der vom Schicksal (bzw. dem Drehbuchautor) nun das Schicksal der gesamten Menschheit auf die schmalen Schultern gelegt wird. Moore ist hier absolut überzeugend und zeigt ihre vielleicht beste Leistung überhaupt, gerade weil der Film überhaupt kein Interesse an ihrem Sex-Appeal hat.

Wie sich herausstellte, sieht allerdings die Welt Demi Moore lieber, wenn sie sich für eine Million die Nacht an Robert Redford vermieten lässt ("Ein unmoralisches Angebot", 1993), Michael Douglas an die Wäsche geht und ihre aufgepumpten Brüste über Treppengeländer hängt ("Enthüllung", 1994), deshalb war dem SIEBTEN ZEICHEN auch nicht der rechte Erfolg beschieden. Wohl auch, weil der Film sich nicht so recht entscheiden mag, ob er nun Horror, Mystery oder Justizdrama sein will, weswegen er alles in einen Topf wirft und hofft, am Ende würde etwas Komplexes dabei herauskommen. Stattdessen wirkt DAS SIEBTE ZEICHEN eher konfus. Immerhin stecken einige gute Ideen drin, so dass man ihn nicht als kompletten Fehlschuss bezeichnen kann.
Den stärksten Effekt erzielt der Film, wenn Demi Moore sich durchs TV-Programm zappt, wo eine Schreckensmeldung auf die nächste folgt und sich Kriege, Hungersnöte und Umweltverpestung die Hand reichen. Die Absicht vom SIEBTEN ZEICHEN, der Welt einen Spiegel vorzuhalten, ist lobenswert, aber die Tatsache, dass er sich durchgängig  zu ernst nimmt und den Zuschauer am Ende mit einer platten Botschaft abspeisen will ("So lange es Menschen gibt, die sich aufopfern, besteht Hoffnung"), hinterlässt einen mehr als zwiespältigen Eindruck. Und Spaß macht er wegen der depressiven Grundstimmung übrigens auch keinen.

6.5/10


1 Kommentar:

  1. Ich geb Dir völlig recht: der Film ist ziemlich konfus und daher habe ich wohl auch nur noch eine diffuse Erinnerung daran. Es waren schon ein paar hübsche Ideen dabei, die drohende Apokalypse wird eindrucksvoll gezeichnet bzw. bricht sich auf allen Kanälen ihre Bahn/Bann, aber letztendlich...verzettelt sich der Film bisschen. Nicht schlecht, aber auch nicht so gut.

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