Samstag, 26. Januar 2013

Vom Satan gezeugt (1975)

Ein alter Gynäkologen-Spruch, der schon in "Rosemary's Baby" (1968) ausgesprochen wurde, lautet, keine Schwangerschaft ist wie die andere. Bei manchen Frauen verläuft sie problemlos, bei anderen - wie Juliet Mills in VOM SATAN GEZEUGT (Chi Sei?/ Beyond the Door / The Devil Within Her) - nicht ganz so.
Die spuckt zunächst blutige Innereien, zertrümmert das Aquarium ihres Mannes und stößt derbe Flüche aus. Soweit alles normal. Dann aber erwachen die Spielzeuge ihrer Kinder zum Leben und fliegen durchs Zimmer, der Embryo wächst schneller als die Polizei erlaubt, und ein ehemaliger Lover (Richard Johnson) ist hinter ihr her, um sicherzugehen, dass das Kind auch zur Welt gebracht wird. Der hat nämlich einen Pakt mit dem Teufel geschlossen und lässt sich auch von literweise Rahmspinat nicht abhalten, den Juliet ihm ins Gesicht göbelt. Ist Juliets Kind etwa der Spross des Satans?

William Friedkins "Der Exorzist" (1972) hat uns Freunden der gepflegten Horror-Unterhaltung nicht nur einen der besten Filme aller Zeiten geschenkt, sondern auch jede Menge herrlich blöder Nachahmer. Die meisten kamen aus Italien, wo die Horror-Maschinerie Mitte der 70er auf Hochtouren lief und alles gnadenlos kopiert wurde, was nicht bei drei auf dem Baum war. Alberto de Martino kam mit seinem "L'Antichristo" (1975) um die Ecke, dem armen Mario Bava wurde sein  persönlicher Liebling "Lisa und der Teufel" (1974) vom Produzenten unterm Hintern wegezzogen und zum Exorzismus-Schocker umgeschnitten, und den größten Hit landete Ovidio G. Assonitis mit VOM SATAN GEZEUGT, der "Rosemary's Baby" gleich mitverwurstete und weltweit zum Kassenknüller wurde (in den USA landete er gleich hinter "Jaws"). Aber auch in Deutschland durfte man sich über sexuelle Satans-Auswüchse in "Magdalena - Vom Teufel besessen" (1972) fremdschämen.

Der Witz ist, dass die meisten Exorzisten-Nachahmer nicht verstanden haben, dass das Vorbild mehr ist als ein alberner Film über eine Erbsensuppe kotzende Göre. Der Fairness halber sei gesagt, dass man das auch in den USA nicht begriffen hat, wie die unsinnigen Sequels und Prequels zu Friedkins Film zeigen. Keiner aber ist so großartig bescheuert wie VOM SATAN GEZEUGT. Alle diese Filme übrigens zeigen eine bemerkenwerte, männliche Angst vor dem weiblichen Körper. Alles, was mit Körperflüssigkeiten, Ausscheidungen und dem, was 'unten rum' passiert, zu tun hat, wird in den Exorzisten-Filmen zum Mittelpunkt von Horror und Ekel. Das mag überinterpretiert sein, aber ich habe doch selten bis nie mal einen Kerl vom Satan besessen gesehen, der sich ein Kruzifix in den Allerwertesten steckt, es sind immer Mädchen und Frauen.

In der Hauptrolle spielt hier die respektierte Juliet Mills, als ginge es um einen Oscar. Gerade noch hatte sie für Billy Wilder gearbeitet ("Avanti, Avanti", 1972), schon liegt sie hier im italienischen Exploitation-Kino mit grausig-gräulichem Make-Up im Bett und dreht ihren Kopf um 360 Grad, wenn sie gerade nicht durchs Zimmer schwebt oder an merkwürdige EEG-Elektroden angeschlossen wird ("Die Gehirnaktivität ist gleich Null", sagt der Arzt bei der Untersuchung, aber ob er nur die Patientin oder den Film meint - man weiß es nicht genau).
An ihrer Seite agiert Argento-Stammschauspieler Gabriele Lavia ("Deep Red", 1974) nachvollziehbar verwirrt, und Richard Johnson spielt den unheimlichen Stalker, der hier Max von Sydow ersetzt und das finale Duell mit der vom Gehörnten besessenen Hausfrau bestreitet. Johnson, der immerhin mal in einem der subtilsten Horrorfilme aller Zeiten mitwirkte ("The Haunting", 1964), hatte eine erfolgreiche zweite Karriere im italienischen Trash-Kino und ist unvergessen als Zombie-Wissenschaftler in Lucio Fulcis "Woodoo" (1979), einem meiner absoluten Lieblingsfilme.

Subtil ist in VOM SATAN GEZEUGT hingegen nichts, und das ist auch gut so. Die 'Spezialeffekte' laden eher zum Totlachen ein, die Handlung ist komplett konfus (Regisseur Assonitis weiß oft nicht, welchen Film er zuerst kopieren soll), und keiner der Charaktere benimmt sich annähernd wie ein menschliches Wesen. Eine mögliche Abtreibung etwa wird kurz angesprochen, aber gleich wieder fallen gelassen (ist halt ein italienischer Film), während der Arzt/Hausfreund des Ehepaares sich zwar wundert, dass der Fötus mehrere Schwangerschaftsmonate überspringt, allerdings nicht so sehr, dass er darüber sein Mittagessen vergessen würde ("Das klingt ja alles schrecklich, Robert! Gibst du mir mal das Salz?"). Und weil Mia Farrow als Rosemary gern rohes Fleisch verschlang, muss die arme Juliet Mills eine olle Bananenschale von der Straße aufklauben und herzhaft abschleckern. MMmmmmmm.

Der größte Brüller aber sind die Kinder von Mills und Lavia, die - obwohl erst im Vorschulalter - fortwährend in einem Gossenjargon sprechen, der Al Pacinos Tony Montana stolz machen würde. Die deutsche Synchronfassung übertreibt es dabei wie so oft und lässt sie noch geschmackloseres Zeug daherreden. Als Zuschauer traut man seinen Ohren kaum, wenn das kleine Mädchen zu dem noch kleineren Brüderchen, das nicht einschlafen kann, meint, er solle doch an seinem 'Schwänzchen spielen, das hilft immer' (im Original rät sie ihm lediglich, sich selbst Märchen zu erzählen)! Als der Kleine Fieber bekommt, sagt sie zur Mama, sie solle ihm ein 'Zäpfchen hinten rein schieben', dann ist Ruhe. So ist VOM SATAN GEZEUGT am Ende doch noch gelungene Propaganda für Geburtenkontrolle, denn wenn man diese missratenen Bälger gesehen hat - die übrigens nicht einen Funken Schauspieltalent besitzen - dann benutzt man beim nächsten Beischlaf lieber zwei Kondome.

Erwähnt werden muss noch, dass Regisseur und Produzent Assonitis Selbstironie beweist, wenn er überall im Hintergrund Erbsensuppe in Dosen platziert. Selbst als die Kinder zur besten Freundin geschickt werden, damit sie nicht mitansehen müssen, wie Mutti sich zum Affen macht, packen sie neben Büchern und Windeln die Suppe in den Koffer.

Die Herren von Warner Brothers übrigens fanden die vielen 'geborgten' Ideen inklusive Erbsensuppe so wenig witzig, dass sie eine Plagiatsklage einreichten, damit aber nicht durchkamen. Das erstaunt, weil hier wirklich alles schamlos geklaut ist. Gerade deswegen aber macht VOM SATAN GEZEUGT solchen Spaß, und für Trash-Liebhaber ist dieser Film ein 5-Gänge-Menü vom Sternekoch. Kann man sich heute noch vorstellen, dass Filme wie dieser mal tatsächlich in sämtlichen Kinos liefen? Ach, die gute alte Zeit...

08/10



Ähnlichkeiten sind rein zufällig und ganz bestimmt nicht beabsichtigt
Juliet Mills und Linda Blair, von Teufel und Spinat besessen.



Kommentare:

  1. OH Mann, was hab ich gelacht über Deine Zeilen!! Da läuft ja schon der Film ab ohne dass ich ihn mir ansehen werde (so ein Horror-Trash-Fan bin ich nicht). Obergenialsuperklasse geschrieben - DANKE!!

    Die deutschen Synchronisatoren hatten ja scheinbar auch ihren "Spaß"...schon krass, deren verfehlte Sprachauswüchse.

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  2. Danke für den netten Kommentar, der Film liefert aber auch tolle Vorlagen. Und gesehen haben muss man ihn wirklich nur als hartnäckiger Trash-Fan ohne Schmerzgrenze. Lieben Gruß!

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