Mittwoch, 2. Januar 2013

Prometheus (2012)

Auf der Suche nach dem Ursprung menschlichen Lebens - und einem guten Drehbuch. Die Suche bleibt in beiden Fällen erfolglos.

Ich hätte das neue Jahr gern mit einem besseren Film begonnen, aber man kann nicht alles haben. Also schließe ich mich bei der Bewertung von Ridley Scotts über-hyptem und polarisierendem "Alien"-Remake, das irgendwie ein Prequel sein will, den Rezensenten an, die unisono sagen: sieht toll aus, ist aber innen hohl und hat zwischenzeitlich die Wirkung einer Schlaftablette.

PROMETHEUS - DUNKLE ZEICHEN (Prometheus) erzählt von zwei Wissenschaftlern (Noomi Rapace und Logan Marshall-Green), die zusammen mit einer Raumschiff-Crew im Jahr 2091 auf den Mond LV-223 reisen, wo sie die Ursprünge des menschlichen Lebens vermuten. Dort angekommen gerät das Unternehmen jedoch bald außer Kontrolle, als sich die außerirdischen Funde als ziemlich aggressiv herausstellen...

Mehr will ich nicht über den Inhalt verraten, denn dieser ergibt ohnehin nicht viel Sinn. Keine Frage, PROMETHEUS überzeugt in technischer Hinsicht und fährt visuelle Effekte auf, deren Perfektion ihresgleichen sucht. Allein die Bilder der Vorspann-Sequenz sind so atemberaubend geraten, dass man wenigstens einen Kubrick erwartet. Leider bekommt man nur einen Scott, und der ist ohne Drehbuch immer aufgeschmissen, was man nach den ersten Dialogzeilen merkt. Und wenn am Ende der Film bewiesen hat, dass er nicht zu einer einzigen wirklich originellen Idee fähig ist und nach dem gleichen Muster abläuft wie jeder der 175 "Alien"-Abklatsche, dann darf man schon herbe enttäuscht sein. Scott rettet sich wie üblich vor dem totalen Absturz durch grandiose Bilder, die den Film zumindest ansehbar, manchmal sogar sehr ansehbar machen.

Die Charaktere sind - mit Ausnahme des von Michael Fassbender gespielten Androiden - allesamt Abziehbilder, deren Schicksal vollkommen kalt lässt, und ihr Verhalten reicht von kindisch bis idiotisch. Oder soll man Wissenschaftler glauben, die auf einem fremden Planeten mal eben ihren Schutzhelm abnehmen, nur weil die Messgeräte (die übrigens alles anzeigen, außer den wirklich wichtigen Dingen wie etwa drohende Gefahren) einen ausreichenden Sauerstoffgehalt anzeigen (schon mal was von Bakterien oder Viren gehört?)? Die ihre Finger in fremdartige Flüssigkeiten stecken und einen Alien-Kopf neurologisch stimulieren, um "mal zu sehen, was passiert"?? Die sich furchtbar anschreien, wenn sie vor dunklen Höhlen Angst bekommen, die aber außerirdische Schlangen, die plötzlich auftauchen, neugierig anfassen, um dann fachgerecht massakriert zu werden? Das Beste hebt sich PROMETHEUS für den Schluss auf, wenn gleich drei Bordmitglieder ihr Leben opfern, nur weil unsere Hauptdarstellerin ihnen sagt, sie sollen ihr mal bitte vertrauen. Da ist der Alien-Kopf nicht der einzige, der platzt. 

So schön es ist, gute Schauspieler wie Fassbender, Noomi Rapace und Charlize Theron (als kühle und böse Blondine mit natürlich streng zurückgekämmtem Haar) zu sehen, so bemitleidenswert werden sie vergeudet - als würde man Pavarotti einladen, um auf einem Kindergeburtstag "Happy Birthday" zu singen. Für den von Fassbender gespielten Androiden hat der Film die besten Einfälle, aber seine Handlungen bleiben - wie die seiner Mitspieler - stets unmotiviert und zusammenhanglos. Und warum muss Guy Pearce unter albernem Alters-Makeup begraben werden, anstatt einen 80jährigen Schauspieler zu besetzen (Eli Wallach ist doch immer noch zu haben, wie Polanskis "Ghostwriter" zeigt)? Hätte nicht das echte, gelebte Gesicht eines alten Mannes viel besser die Botschaften des Films transportiert als diese Muppet-Show? Aber vermutlich darf man in einem Blockbuster kein Gesicht über 30 zeigen, zumindest keins, das nicht künstlich bearbeitet wurde. Traurig.

Das Drehbuch versucht, Spannung aufzubauen, indem es zu Beginn möglichst viele Fragen aufbaut, um sie dann am Ende alle unbeantwortet zu lassen - und damit keine Missverständnisse aufkommen: es ist völlig in Ordnung, Fragen unbeantwortet zu lassen, damit sich der Zuschauer seine eigenen Gedanken machen kann, es ist aber etwas anderes, wenn der Film dem Zuschauer am Ende eine schallende Ohrfeige verpasst und dabei auch noch dümmlich grinst ("Meine Suche geht weiter" - na dann, auf ein Wiedersehen im Sequel - oder auch nicht). Die "Alien"-Zitate sind mehr oder weniger geschickt eingebaut (inklusive eines kurzen Einspiels von Jerry Goldsmiths Score), erinnern aber leider nur daran, wie innovativ und bahnbrechend der Vorgänger war (ganz zu schweigen von UNKITSCHIG) . Die Tatsache, dass sich PROMETHEUS so furchtbar ernst nimmt, macht die Sache nicht besser, weil unter der schillernden Oberfläche auch nur ein trashiger Monsterfilm steckt, der genau so gut von Roger Corman stammen könnte (dann aber witziger wäre).

Der einzige Moment, der etwas Leben in die Bude bringt, ist die Szene, in der Noomi Rapace eine Selbstoperation vornimmt, bei der ihr der MedPod (eine Operationsmaschinerie) ein Alien aus dem geöffneten Bauch holt und den offenen Bauch (!) in drei Sekunden zutackert, wonach Rapace - als wäre kaum was gewesen - umgehend wieder durchs Schiff stolpern kann. Natürlich ist diese Sequenz völlig absurd und over the top, aber wenigstens erzeugt sie eine Reaktion beim Publikum und vergisst kurz, dass der Film "seriös" sein will. Schade, dass der Rest sich so wichtig nimmt.

Wer so naiv ist, bei PROMETHEUS ein Meisterwerk im Geist von "Alien" zu erwarten, welcher in einer völlig anderen Zeit und Kinolandschaft entstanden ist, der darf sich nicht wundern, wenn er frustriert wird. PROMETHEUS ist ein Fest fürs Auge, aber mehr als drei, vier spannende Momente hat er nicht zu bieten. Die Bewertung fällt da schwer, aber für die Mühe der F/X-Crew und die Tatsache, dass ich Sci-Fi-Horror nie ernsthaft böse sein kann, gebe ich zähneknirschende...

05/10

Kommentare:

  1. Ja, wassn doofer Film! - interessant dein Gedanke mit dem Alten, der nur geschminkt alt sein darf. Wo der Film sein geistiges Zentrum behauptet, da torpediert er sich mit Make-up. Oder können alte Darsteller besser ein Drehbuch lesen und es fand sich deshalb keiner bereit? ;-)

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  2. Guter Gedanke, bin ich gar nicht drauf gekommen... ich muss mal eine Liste machen mit den 10 schlimmsten Alters-Masken, angeführt von Bette Midler in "For the Boys", wo sie wie eine Miss Piggy-Travestie aussieht. LG!

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  3. Das mach mal, am besten mit Bildchen, das wär doch mal lustig...

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  4. Das Blockbusterkino der heutigen Zeit funktioniert nur unter der Voraussetzung, daß man es nicht zu ernst nimmt. Auch für Ridley Scott gilt, dass sich so eine sündhaftteure Produktion natürlich rechnen muß. Und da hat er eben dem Mainstreetpublikum wohl auf Druck der Produktionsstudios kommerzielle Zugeständnisse gemacht. Auf der Strecke bleibt allerdings der Anspruch. Das wirft wohl die Frage auf, wieviel Einfluß selbst Meisterregisseure noch auf ihr Endprodukt haben. Vielleicht gibt's ja bald einen Directorscut...

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  5. Naja, mir wäre es lieber gewesen, der Film hätte sich selbst weniger ernst genommen, ich konnte ihn ohnehin nicht ernst nehmen. Auch ein Ridley Scott kann vermutlich nur bedingt Einfluss ausüben, allerdings halte ich ihn nicht für einen Meisterregisseur. Er hat zwar zwei meiner Lieblingsfilme inszeniert (Alien und Blade Runner), aber auch jede Menge belangloser Werke, insofern darf man ihn nicht überbewerten. LG!

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  6. Also ich halte Ridley Scott schon für einen Meisterregisseur, denn neben den von Dir erwähnten beiden Genialwerken hat er ja auch "1492" gedreht, was ebenfalls ein grandioser Film ist in meinen Augen. Aber wahrscheinlich ist er ohne gutes Drehbuch wirklich aufgeschmissen, wie Du schon schreibst. Den Drehbuchschreiber von Prometheus müsste man wirklich zur Zwangsarbeit verurteilen (für den Rest seines Lebens "Firmenvideos" drehen zu müssen), was für Unsinnig- und Unstimmigkeiten da drin sind. Geballte Hollywood-Grütze z.T.! Aber ich hab mich ja in meiner Rezension auch schon drüber ausgelassen...
    Ich frage mich aber auch, ob Scott die Fehler nicht gesehen hat oder nicht sehen durfte oder wollte? Und die Idee von Karsten hat Charme :) - Deine auch mit den "Best-Of-Unmake-up".

    Freue mich aber, dass Du Dir den Film nun doch mal "angetan" hast und ich hab Deine Rezi wie immer sehr genossen. Stimme Dir in vielen Punkten zu, auch wenn ich ihn insgesamt nicht so schlecht und schon gar nicht langweilig fand.

    "dass er nicht zu einer einzigen wirklich originellen Idee fähig ist" kann ich nicht sagen. Was ist mit der Axt im Weltraum? :) Ok, war ein Scherz, aber was ist mit dem MedPod? Originell war der schon, das musst Du zugeben!? Und vor allem noch mit Sofortheilungskräften^^. OK, das reicht vielleicht nicht und war nur eine kurze, gute Szene. Aber mir hat insgesamt die aufgeworfene Fragestellung zur "Schöpfung" schon gut gefallen, die im Vgl. zu den ganzen Alien-Sequels und zum Original selbst doch neu ist.

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  7. Danke für den ausführlichen Kommentar! Naja, der MedPod ist ja im Grunde auch nur eine Weiterentwicklung der MedScanner aus den vorigen Teilen, insofern finde ich den jetzt nicht wirklich neu, aber Du hast Recht, die Szene war super.
    "1492" ist übrigens nicht mein Fall, den würde ich zu den misslungenen Filmen zählen, wobei ich den immer noch besser fand als "Ein gutes Jahr", "Robin Hood", "G.I. Jane", "Black Rain" oder "White Squall". Das sind schon sehr viele Gurken, weswegen ich Scott eher überbewertet finde. Ist doch aber gut, dass die Geschmäcker verschieden sind, und "Alien" bleibt einer meiner zeitlosen Lieblinge.

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  8. Scott ist halt der Herr der atmosphärischen Bildwelten, wie ich finde. Von den Filmen die Du genannt hast, kenne ich aber nur "Robin Hood", fand ihn so gut wie man einen Robin-Hood-Film eben finden kann. Ich habe mir aber sagen lassen, die anderen sollen wirklich nix sein. ;) Aber "Gladiator" hat mir auch sehr gefallen, ist auch von ihm. Bei so Historienfilmen kann man auch drehbuchtechnisch nicht viel falsch machen, man muss sie nur bilder- und kostümrauschend und mit der richtigen Besetzung verfilmen. Das kann Scott eigentlich zuverlässig immer gut. Nu ja, wie auch immer - in ein paar Tagen schaue ich mir die BluRay von "Prometheus" an, auf der ein dickes fettes "Finde die Antworten!" prangt. Traurig, denn damit können sie auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass man hier einfach keine gute und schlüssige Story serviert hat.

    Wer ist denn Dein Meisterregisseur? Wäre vllt. auch mal einen Beitrag wert, wenn Du nicht schon hast... ;)

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  9. Da sind wir fast einer Meinung, "Gladiator" ist ohne Frage klasse, und Scotts Filme sind zumindest immer visuell herausragend, auch "Prometheus" (sogar ein "White Squall"). Mir sind halt viele seiner Filme zu offensichtlich kommerziell, ohne dass ich erkennen würde, was ihn an der Geschichte - abgesehen von den Bildern - überhaupt gereizt hat.

    Zu meinen Regisseurs-Favoriten zählen Hitchcock (an erster Stelle), Polanski und Kubrick. Auch die haben weißgott nicht nur Meisterwerke gedreht (Polanskis "Piraten" ist sogar ganz furchtbar), aber ihr Gesamtwerk ist so beeindruckend. Leider wären viele ihrer besten Filme heute gar nicht mehr möglich, und - um den Kreis zu schließen - Ridley Scott muss man attestieren, dass er sich in der aktuellen Kinolandschaft immerhin noch sehr gut behauptet, während hochgelobte Eintagsfliegen wie M. Night Shyamalan längst ihr Pulver verschossen haben.

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  10. Hm. "zu offensichtlich kommerziell, ohne dass ich erkennen würde, was ihn an der Geschichte - abgesehen von den Bildern - überhaupt gereizt hat" ist tatsächlich ein Argument, bei dem ich Dir recht geben muss. Tolle Bilder hin, Bilder her.

    Und jaaaa, Hitch ist wirklich nicht zu übertreffen, das seh ich genauso. Kubrick ist auch einer meiner Lieblingsregisseure und eben Cronenberg, Carpenter, Milos Forman, David Lynch. Polanski ist auch sehr gut, aber nicht alles von ihm. Ach, am besten wir machen jeder einen Blogbeitrag daraus. Ich hatte das auch schon mal im Kopf...

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  11. Abgemacht. :-) Ich wünschte, Cronenberg würde wieder mal einen "Videodrome" machen... ansonsten bin ich bei den Genannten ganz Deiner Meinung.

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  12. noch eine tolle Rezension - ich kann dem allen nur zustimmen. Es ist schwer zu glauben, dass der Regisseur von Blade Runner und Alien einen solchen aufgeblasenen, inhaltsleeren Trash fabriziert hat. "Prometheus" ist so mies, er könnte von George Lucas sein!

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  13. Absolut!! Ich habe vor ein paar Tagen versucht, mir PROMETHEUS ein zweites Mal anzusehen und ihn nach zehn Minuten wieder ausgemacht, diesmal fand ich schon den Anfang schrecklich. Also für mich kein Film für die Ewigkeit, eher für die hintere Regalreihe.

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