Montag, 28. Januar 2013

Mr. Brooks (2007)

Als Serienmörder hat man es auch nicht leicht. Davon kann Mr. Brooks (Kevin Costner) ein Lied singen. Erst wird er trotz sorgfältiger Planung beim Doppelmord beobachtet, dann steht der Augenzeuge (Dane Cook) auch noch mit Beweisfotos vor der Tür und verlangt, beim nächsten Mord dabei zu sein. Aber nicht nur das - eine clevere Ermittlerin (Demi Moore) ist dem mörderischen Geschäftsmann Brooks bereits auf den Fersen, und die eigene Tochter hat offenbar das Mörder-Gen geerbt...

Bruce A. Evans inszenierte mit MR. BROOKS (Mr. Brooks) einen Serienkiller-Thriller, der tief eintaucht in die Psyche seiner Hauptfigur, und die wird von Kevin Costner überraschend gut und mit viel Zurückhaltung gespielt. Er gehört noch immer nicht zu den begnadetsten Schauspielern aller Zeiten, aber für seine Verhältnisse - und der Tatssache, dass er (fast) nie den Bösen spielt - ist ihm mit MR. BROOKS doch eine außerordentliche Charakterstudie gelungen. Um Brooks' innere Zerrissenheit darzustellen (er will das Töten aufgeben, kann sich aber seiner Sucht nicht entziehen), stellt der Film ihm mit William Hurt ein Alter Ego zur Seite, das nur von Costner gesehen wird und diesen ständig zu weiteren üblen Taten anstachelt. Ob Hurt nun Costners Vater sein soll, das wird zwar nicht ausgesprochen (er hat nur einen Vornamen), aber deutlich suggeriert. Das Zusammenspiel der beiden ist die eigentliche Attraktion des Films - besonders, wenn sie wie Spiegelbilder agieren und die gleichen Bewegungen machen. Das hat man in der Form noch nicht gesehen.

Als Costner vom jungen Dane Cook unter Druck gesetzt und erpresst wird, entsteht mit dem folgenden Katz- und Mausspiel eine hübsche Hitchcock/Highsmith-Situation. Leider erfahren wir zu wenig über die von Cook gespielte Figur, damit diese wirklich interessant wird, er taucht unverhofft auf und ist von Mord und Totschlag fasziniert, was ihn aber antreibt, oder woher seine Faszination kommt, das wird nicht weiter ergründet.
Ebenso schade ist, dass die ausgefeilte Psycho-Studie durch zu viele Subplots immer wieder unterbrochen und in den Hintergrund gedrängt wird. So gibt es neben dem Hauptstrang noch einen entlassenen Gefängnisinsassen, der hinter Cop Demi Moore her ist (und immer dann auftaucht, wenn der Film dringend Action benötigt), dazu erfahren wir noch alles über deren Scheidungsprobleme, und als wäre das nicht genug, stellt sich auch noch das schwangere Töchterlein von Costner als Mörderin heraus, der Vati aus der Patsche helfen muss - natürlich ebenfalls durch Mord. Damit haben wir dann Psychostudie, Serienkiller-Thriller und Familiendrama, alles in einem.

Das alles lässt den Film oft konfus und unfokussiert wirken. Der Umstand, dass Demi Moore eine Multimillionärin spielt, die trotz haufenweise Kohle als Cop arbeitet, um ein Vaterproblem abzuarbeiten, ist eine nette Spiegelung der Costner/Hurt-Beziehung, aber da gleitet MR. BROOKS leider in billige Küchenpsychologie ab. Gegen Demi Moore selbst, die viel Kritik einstecken musste, habe ich hingegen nichts, ich bin ja bekennender 'Nicht-Demi-Moore-Hasser'. Sie sieht spektakulär gut aus (und noch nicht ganz so wächsern wie mittlerweile, obwohl auch hier ihre Stirn schon verdächtig faltenfrei ist) und verleiht ihrer im Grunde uninteressanten Rolle wenigstens ein bisschen Klasse. Sie und Costner haben übrigens nicht eine gemeinsame Szene, und die Art, wie sie in ihrem Fall ermittelt, ist weitgehend hanebüchen (sie hat immer wieder 'Ahnungen', die durch nichts begründet werden, die sie aber schnell ans Ziel bringen). Wenn man genau darüber nachdenkt, könnte man sämtliche Szenen mit Moore aus dem Film entfernen, ohne dass etwas Wesentliches fehlen würde. Schon seltsam.

Dafür gibt es gegen Ende ein paar überraschende Wendungen, die zwar nicht alle Sinn machen (eine davon stellt sich als Alptraum heraus - das hatten wir ja lange nicht!), aber den Film zumindest nicht langweilig werden lassen. MR. BROOKS wirkt so, als habe jemand eine intime Psycho-Studie (à la "One Hour Photo", 2002) machen wollen, die dann aber mit Gewalt zum konventionellen Thriller umgekrempelt wurde. Ach ja, und in einer Nebenrolle wird Marg Helgenberger ("CSI") als Costners Ehefrau komplett verschenkt. Auch schade.

Fazit: MR. BROOKS ist spannende, gelegentlich auch schwarzhumorige Unterhaltung mit guten Darstellern und einem interessanten Blick in die Psyche eines Killers, wird aber zu oft von unnötigen Nebenhandlungen ausgebremst und hinterlässt am Ende einen eher zwiespältigen Eindruck. Schwer zu beurteilen. Einer dieser "Kann man, muss man aber nicht"-Fälle.

7.5/10

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