Montag, 21. Januar 2013

Jennifer 8 (1993)

Unsere kleine Reise durch die Serienkiller-Thriller der 90er wird fortgesetzt mit JENNIFER 8 (Jennifer 8), einem atmosphärischen Schauerstück, das so viel besser hätte werden können, wenn der Film sich mehr auf seinen Plot denn auf eine schleppende Liebesgeschichte konzentrieren würde. 

Andy Garcia (seinerzeit noch Top-Star) spielt in JENNIFER 8 einen desillusionierten Großstadt-Cop, der auf dem Lande nach Ruhe und einem besseren Leben sucht. Dort aber geht gerade ein - genau - Serienkiller um, der es auf blinde Mädchen abgesehen hat. Sieben Opfer hat er bereits gefunden, das achte wird - so glaubt Garcia - die blinde Uma Thurman werden, die Zimmergenossin des letzten Opfers. Bevor Garcia sich versieht, hat er sich schon heillos in die Schöne verliebt, doch dann steht er plötzlich selbst unter Verdacht...

Keine Frage, JENNIFER 8 gehört - was Kamera und Atmosphäre betrifft - zu den besten Thrillern, die nach dem "Schweigen der Lämmer" (1991) modelliert wurden. Von der ersten Szene an, in der eine Frauenleiche auf einer verregneten Müllkippe aufgefunden wird (warum regnet es in Serienmörder-Filmen immer? Jüngstes Gericht?), über die wunderbar eingefangene Weihnachtsstimmung der kleinen Gemeinde bis zu apltraumhaften Morden im nächtlichen Schneesturm sieht JENNIFER 8 einfach durchweg fantastisch aus. Die Musik von Christopher Young passt sich der düsteren Inszenierung fabelhaft an und kann noch eigene Akzente setzen. Auch das Ensemble spielt auf hohem Niveau. Neben Garcia und der jungen Uma Thurman sind Lance Henriksen und Kathy Baker in wichtigen Nebenrollen zu sehen, und John Malkovich hat einen entscheidenden, schlichtweg genialen Auftritt, bei dem er Garcia eine schauspielerische Meisterklasse erteilt.

Leider, leider aber kümmert sich Regisseur Bruce Robinson viel zu wenig um den Thriller und rückt dafür die Romanze zwischen Thurman und Garcia in den Mittelpunkt des Films. Angeblich gab es große Probleme hinter den Kulissen, weil Robinson seine Vision des Films nicht gegen den Studiowillen durchsetzen durfte, aber wie auch immer diese ausgesehen hätte, sie wäre hoffentlich nicht so ermüdend geworden wie die offizielle Kinoversion, denn die hängt gewaltig durch. Nicht nur stimmt zwischen Garcia und Thurman die Chemie nicht (obwohl beide gut spielen), was möglicherweise daran liegt, dass Thurman zu kalt und unnahbar wirkt, sondern die Liebesgeschichte ist schlichtweg uninteressant.
Das führt dazu, dass JENNIFER 8, dessen Tempo ohnehin oft gegen Null geht, einfach nicht spannend genug ist, um Thriller-Fans bei Laune zu halten. Mit seinen zwei Stunden Laufzeit ist er definitiv zu lang, gerade wenn man bedenkt, wie wenig eigentlich passiert. Lediglich drei Szenen bleiben überhaupt in Erinnerung - der Malkovich-Auftritt, das kurze Finale und eine im positiven Sinne altmodische, aber sehr nervenzerrende Szene, in der die blinde Thurman von dem unheimlichen Killer in der Badewanne belästigt und fotografiert wird. Nur hier erreicht der Film die Qualität, die man eigentlich erwarten würde und knüpft an Klassiker wie "Die Wendeltreppe" (1945) oder "Warte, bis es dunkel ist" (1967) an, in denen Frauenfiguren mit körperlichen Defiziten zur Zielscheibe psychisch gestörter Mörder werden. Davon hätte es hier deutlich mehr geben müssen.

So bleibt unterm Strich ein wegen seiner atmosphärischen Bilder sehenswerter, letztlich aber enttäuschender Thriller, der aufgrund zu vieler Längen und verschenkter Möglichkeiten nicht den Status besitzt (und auch nicht so erfolgreich war wie erhofft), den er haben könnte. Schade.

6.5/10

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