Mittwoch, 16. Januar 2013

Hammer House of Horror (1980)

Ende der 70er war die große Zeit der britischen Hammer Films vorbei. Daher versuchte das Studio, im Fernsehen Fuß zu fassen und kreierte mehrere Horror-TV-Serien, von denen HAMMER HOUSE OF HORROR die beste ist. Im deutschen TV (die Älteren erinnern sich) lief sie unter dem Titel  "Gefrier-Schocker".

HAMMER HOUSE OF HORROR besteht aus 13 (!) abgeschlossenen Episoden. Neben übernatürlichen Themen wie Werwölfen, Geistern und Voodoo tauchen auch Mordpläne, Serienkiller und Kannibalen auf. Einige Folgen sind eher humorvoll angelegt, die meisten aber versuchen sehr ernsthaft, das Fernsehpublikum zu Tode zu erschrecken. Das 50-Minuten-Format führt in einigen Fällen dazu, dass die knackigen Geschichten manchmal sichtlich in die Länge gezogen wirken (die Episoden eines durchschnittlichen Amicus-Spielfilms dauern höchstens halb so lang), aber anders als in vergleichbaren Serien sind hier sogar die schwächeren Episoden sehenswert, Totalausfälle sucht man vergebens. Die Production Values sind - in der Tradition der Hammer Filme - überwiegend niedrig gehalten, dafür gibt es aber ein Wiedersehen mit alten Hammer-Bekannten wie Peter Cushing und Robert Urquhart (beide haben zusammen in "Frankensteins Fluch", 1957 gespielt), sowie prominente Gaststars wie Denholm Elliott, Diana Dors, Jon Finch und Brian Cox. Einen kurzen Auftritt hat der junge Pierce Brosnan. 
Auch die technischen Mitarbeiter gehören zum vertrauten Hammer-Team. Neben Komponist James Bernard, der viele der Hammer-Klassiker vertont hat, zeichnen u.a. Alan Gibson ("Dracula jagt Mini-Mädchen", 1972), Peter Sasdy ("Wie schmeckt das Blut von Dracula", 1970) oder Don Sharp ("Der Kuss des Vampirs", 1962) für die Regie verantwortlich.
Hier sind meine vier Lieblings-Episoden in der Kurzübersicht:

1. DIE EXPERMIENTE DES MR. BLUECK  (The Silent Scream)
Brian Cox kommt gerade aus dem Gefängnis und übernimmt einen Job in der Zoohandlung von Peter Cushing, der geheimnisvolle Experimente mit Raubtieren durchführt. Zu spät merkt der Ex-Knacki, dass sein Chef ein ehemaliger KZ-Arzt ist, der in Cox sein nächstes Versuchskaninchen wittert. Da sitzt der auch schon in der Falle... eine krude, aber packende Story, jede Menge Suspense sowie ein bitter-komisches, extrem düsteres Ende zeichnen diese Episode aus - und natürlich die Mitwirkung Peter Cushings, der gegen Ende seiner Karriere oft den ehemaligen Nazi-Schergen spielen musste (siehe auch "Shock Waves", 1977). 

2. DAS HAUS DES GRAUENS (The House that Bled to Death)
Eine junge Familie zieht in ein heruntergekommenes Haus, in dem vor Jahren ein Ehemann seine Gattin in kleine Stücke gehackt hat. Kaum eingezogen, gehen die mysteriösen Vorgänge auch schon los. Die Hauskatze stirbt grausam, eine abgetrennte Hand liegt im Kühlschrank, und die alte Mordwaffe hängt an der Wand. Spukt es hier, oder will da jemand unsere Familie vertreiben? ... Hier wird die Story von "The Amityville Horror" (1979) sehr schwarzhumorig aufs Korn genommen, inklusive einer überraschenden Pointe, die man nicht kommen sieht. In der besten Szene ergießt sich ein wahrer Blutschwall aus einem kaputten Wasserrohr über einen kreischenden Kindergeburtstag. Das sieht man viel zu selten.

3. DIE ZWEI GESICHTER DES BÖSEN (The Two Faces of Evil)
Nachdem eine Familie auf dem Weg in den Urlaub einen unheimlichen Anhalter mitgenommen hat, endet der Ausflug für sie im Krankenhaus. Der Anhalter ist tot, aber der Familienpapi benimmt sich plötzlich, als wäre er nicht mehr er selbst... Regisseur Alan Gibson inszeniert hier die visuell stärkste Episode voller surrealer Einfälle und Farbspiele, die sich schließlich als Adaption der bekanten "Invasion of the Body Snatchers"-Geschichte herausstellt. Da gefriert einem tatsächlich einige Male das Blut in den Adern.

4. DIE HANDLANGER DES SATANS (The Mark of Satan)
Ein Angestellter im Leichenschauhaus ist nach einem Erlebnis mit einem Toten von der Idee besessen, der Teufel persönlich habe ihn als Beute auserkoren. ... schaurige Psycho-Studie eines unterdrückten Einzelgängers, dessen Wahn nach und nach Besitz von ihm ergreift. Knüpft thematisch an "Rosemary's Baby" (1968) an und ist gerade wegen des realistischen Settings so wirkungsvoll und überzeugend.

Wer seinen Grusel altmodisch mag und Horror-Episodenfilme wie "Totentanz der Vampire" (1964) oder "Asylum" (1972) liebt, der ist bei den Hammer-Geschichten gut aufgehoben. Trotz einiger Schwächen und Längen gehört HAMMER HOUSE OF HORROR zu den besten Vertretern seiner Art. Man wundert sich nur, dass in keiner Episode Vampire vorkommen...
Die Serie ist hierzulande komplett in einer sehr schönen und liebevoll gemachten Box von Koch Media erschienen, bei der sogar schon im Kapitelmenü hübsch gekreischt wird.
Sehr empfohlen.

08/10


Kommentare:

  1. Sorry, passt nicht ganz hier her, aber ich sehe, Du hast es auch nicht aufgegriffen: Carpenter wird HEUTE am 16.01.2013 halbrunde 65 - und ich hab es zu spät gemerkt (nämlich erst heute). *heul*

    Werde mir demnächst unbedingt "DAS UNSICHTBARE AUGE" zu Gemüte führen, den ich hier bei dir entdeckt habe.

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  2. Dann würde ich mal sagen, Happy Birthday nachträglich, John! Bin gespannt, wie Dir das "Auge" gefällt, ich mag ihn sehr und sehe ihn regelmäßig immer wieder gerne.

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