Sonntag, 6. Januar 2013

Freeze - Alptraum Nachtwache (1997)

Wenn europäische Regisseure in Hollywood Remakes ihrer eigenen Filme machen, kommt selten etwas Gutes, sondern meistens etwas Überflüssiges heraus. Da sich Amerikaner aber keine untertitelten Filme ansehen und lieber in heimische Gesichter schauen, ist es müßig darüber zu lamentieren. Das Zurechtbiegen und Wiederkäuen ist gängige Praxis und wird so lange bleiben, wie es Filme geben wird. Man darf sich höchstens wundern, warum sich selbst integre Künstler wie Michael Haneke, die sicherlich nicht nach der Regie des nächsten "Transformers"-Sequels schielen (obwohl, man weiß es nicht), dazu hinreißen lassen.

Der Däne Ole Bornedal inszenierte 1997 mit FREEZE - ALPTRAUM NACHTWACHE das Remake seines Hits "Nightwatch" (1994). Die Handlung ist gleich geblieben, die Bilderfolgen im Grunde auch, verändert haben sich natürlich die Besetzung und ein paar entscheidende Details.

Zu der Besetzung lässt sich sagen, dass Ewan McGregor die richtige Wahl ist, weil er mit seinem jugendlichen Aussehen und Charme (was er beides heute noch besitzt) der ideale Studentendarsteller ist. Er kann den Jungen von nebenan, der unfreiwillig in finstere Machenschaften verstrickt wird, wunderbar verkörpern und ist fürs Publikum immer ein Sympathieträger, der auf Anhieb als solcher funktioniert.
Damit endet aber auch schon das gute Casting. Patricia Arquette ist leider deutlich zu alt für ihre Rolle, die drastisch verkleinert wurde und im Grunde keinerlei Bedeutung mehr für den Film hat - außer wenn sie gegen Ende als "Damsel in Distress" herhalten muss, was einer alten Hollywood-Tradition folgt. Dazu muss sie den Film unter einer unattraktiven Perücke absolvieren. Verantwortlich war wahrscheinlich derselbe Mensch, der Franka Potente den potthässlichen Fiffi in "Anatomie" aufgesetzt hat.
Nick Nolte ist für die Rolle des Inspektors, der im Original so hervorragend von Ulf Pilgaard verkörpert wurde, ein zu großer Star, was die überraschende Wendung, die der Film nach der Hälfte nimmt, deutlich mindert. Möglicherweise dachte Bornedal, das Publikum wisse ohnehin um die wahre Natur der Rolle, so dass es keinen Grund gibt, diese zu verheimlichen, aber Nolte spielt auch schwach. Josh Brolin hingegen macht seine Sache als zwielichtiger Freund McGregors ziemlich gut. Insgesamt führt die Starbesetzung dazu, dass der Film durch sie die Authentizität verliert, die den Vorgänger auszeichnete, und das ist schade.

Schlimmer als die verzeihlichen Fehlgriffe bei der Besetzung ist allerdings die Tatsache, das FREEZE an allen Ecken und Enden glattgebügelt wurde. Wenn man eines nicht im Hollywood-Mainstream tun darf, dann ist das, sein Publikum zu verschrecken oder vor den Kopf zu stoßen. In "Nightwatch" hat Bornedal genau das mit einigen pikanten Tabubrüchen (wie Sex in der Leichenhalle) erreicht und es trotzdem die ganze Zeit auf seiner Seite behalten. In FREEZE sind die Kanten fast sämtlich geglättet, weswegen der Film immer noch ein sehenswerter Thriller ist (eine gute Geschichte bleibt eine gute Geschichte), aber es fehlt der ruppige Charme, das Besondere - das Neue, wenn man so will.
Bezeichnend ist auch der neue Filmbeginn, der den Zuschauer nicht langsam in die Geschichte hineinzieht, sondern es gleich mit einem spektakulären Mord überrumpelt, der zwar gut inszeniert ist, aber in seiner Übertriebenheit und Lautstärke nicht zum Rest passt und keine wirkliche Emotion hervorruft. Immerhin durfte Bornedal sein Filmende behalten. Da kann sein niederländischer Kollege George Sluizer ("Spurlos", 1993) ein ganz anderes Lied singen...

Fazit: FREEZE kann man sich getrost anschauen, aber wenn man die Wahl hat, sollte man auf das dänische Original zurückgreifen, das in so vieler Hinsicht besser ist. 

07/10

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