Freitag, 11. Januar 2013

Faces in the Crowd (2011)

Die Grundschullehrerin Anna (Milla Jovovich) beobachtet nachts auf dem Nachhauseweg einen Serienkiller bei der Arbeit und kann ihm gerade noch entkommen, verliert dabei aber durch einen Sturz von der Brücke die Fähigkeit, Gesichter wahrnehmen zu können. Die Gesichter ihrer Freunde verwandeln sich in fremde, sogar ihr Spiegelbild zeigt das Antlitz einer anderen Frau. Der Killer aber ist schon hinter Anna her. Blöd, dass sie ihn nicht erkennen kann...

FACES IN THE CROWD (Faces in the Crowd) basiert auf einer ebenso simplen wie guten Idee und erinnert in der Gestaltung an den Serienkiller-Thriller "Blink" (1994), in welchem Madeleine Stowe nach einer Augen-OP ebenfalls von einem Serienkiller, den sie nicht identifizieren konnte, heimgesucht wurde. Die Ähnlichkeiten gehen dabei sogar so weit, dass der spannendste Moment in beiden Filmen eine Jagd durch die U-Bahn schildert. Aber auch ohne diese Gemeinsamkeiten macht FACES IN THE CROWD einen merkwürdig altmodischen Eindruck, so als hätte jemand ein älteres Drehbuch aus den 90ern verfilmt, ohne sich der heutigen Realität anzupassen. Da wird der armen Anna bei der Polizei ein dickes Buch mit Verbrecherfotos hingeworfen, anstatt sie vor einen Computer zu setzen, und der ermittelnde Detective (Julian McMahon) erzählt Anna, dass das Labor sogar (!) die Tränenflüssigkeit des Killers auf DNA untersucht habe - als wäre das etwas Außergewöhnliches und nicht heutzutage selbstverständlich. Der Serienmörder ist dazu im Besitz von Annas Handy, aber niemand kommt auf die Idee, dieses orten zu lassen, Anna wird lediglich empfohlen, ihren Vertrag nicht zu kündigen, falls der Killer das Gerät benutzt, um sie anzurufen.

Neben diesen logischen Holperern, die im Genre verzeihlich sind, muss man feststellen, dass die gute Idee der Gesichtsblindheit leider auch die einzige im Film bleibt. Der Clou, den der Film benutzt, sämtliche Nebenrollen von jeweils drei bis sechs verschiedenen Darstellern spielen zu lassen (je nachdem, wen Anna gerade in ihnen sieht), ist ohne Frage originell und führt zu guten Situationen (Anna muss allen Schülern, die sie normalerweise in- und auswendig kennt, plötzlich Namensschilder ankleben, weil alle Kinder für sie gleich aussehen, beim Sex mit ihrem Freund verwandelt sich sein Gesicht so oft, dass sie scheinbar mit mehreren Männern gleichzeitig schläft), eine echte Thriller-Spannung mag aber trotzdem nicht aufkommen, weil der Film zu viel Zeit mit Annas Problemen verplempert und darüber den Krimi vergisst (übrigens auch eine Ähnlichkeit zu "Blink"). Der Täter ist schnell über seine Stimme identifizierbar, und sein "Tick" (er heult wie ein Schlosshund, nachdem er seine Opfer ermordet hat und wird deswegen "Tearjerk Killer" genannt) im höchsten Maße albern.

Was FACES IN THE CROWD vorweisen kann, ist vor allem Milla Jovovich in der Hauptrolle. Sie ist nicht die weltbeste Schauspielerin, aber man sieht sie gern an (ihr Gesicht wird einfach nie langweilig), und sie besitzt genug Persönlichkeit, um auch die ereignislosen Passagen des Films zu überstehen. Julian McMahon ist leider uncharismatisch und hat die besten "Nip/Tuck"-Tage hinter sich, er wirkt müde und schwerfällig, hat aber auch eine undankbare Rolle (als Detective ermittelt er praktisch nichts). Als Therapeutin ist kurz die wundervolle Marianne Faithfull zu sehen, aber dummerweise unterliegt auch sie Annas Gesichtsblindheit und wird in den folgenden Szenen von anderen Darstellerinnen ersetzt - da geht die Idee leider nach hinten los.

FACES IN THE CROWD ist hübsch gefilmt, mit stimmungsvoller Musik untermalt und - was die Hauptfigur angeht - gut gespielt, funktioniert aber als Thriller wie als Drama nur sehr bedingt. Kann man sich ansehen, muss man aber nicht. Wer Filme wie "The Eye" (Original oder Remake) oder "Blink" kennt, wird hier nichts Neues erleben.

6.5/10

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