Freitag, 4. Januar 2013

Die Todeskarten des Dr. Schreck (1965)

Obwohl DIE TODESKARTEN DES DR. SCHRECK (Dr. Terror's House of Horrors) an den britischen Grusel-Klassiker "Dead of Night" (1945) angelehnt ist, legten Regisseur Freddie Francis und Autor Milton Subotsky hier den Grundstein für das heute noch bei Fans populäre Subgenre des Horror-Episodenfilms. Produziert wurde das Werk von Amicus, die sich in den folgenden Jahren auf eben jene Form des Horrors spezialisierten. Sie schufen u.a. Filme wie  "Geschichten aus der Gruft" (1972) oder "Asylum" (1972), deren Einflüsse über die "Creepshow"-Reihe bis in die Gegenwart reichen.

In DIE TODESKARTEN DES DR. SCHRECK besteigen fünf Passagiere (u.a. Christopher Lee, Donald Sutherland und Roy Castle) einen Nachtzug, der sie ins Grauen führt. Mit ihnen im Abteil sitzt der mysteriöse Dr. Schreck (Peter Cushing), der ihnen anhand von Tarotkarten eine schreckliche Zukunft voraussagt. In den folgenden fünf Geschichten geht es um einen blutrünstigen Werwolf, eine tödliche Killerpflanze, einen Voodoo-Fluch, eine Vampirbraut, sowie um die abgetrennte Hand eines Künstlers, die zum Leben erwacht und Rache an einem missgünstigen Kunstkritiker nimmt...

Oft sind die ersten Filme einer Reihe nicht die besten, weil am Konzept noch gefeilt werden muss, doch in DIE TODESKARTEN DES DR. SCHRECK sind bereits alle Elemente an ihrem richtigen Platz. Der Film ist außergewöhnlich gut mit Stars des britischen Horrorkinos besetzt, die Geschichten variieren geschickt zwischen modernem und klassischem Horror, Science Fiction und böser Ironie. Die Schluss-Pointe, die zum Standard des Genres wurde ("Haben Sie nicht erraten, wer ich bin?") ist für die Zeit, in der der Film entstanden ist, ebenso düster wie ungewöhnlich.

Freddie Francis, der selbst ein genialer Kameramann war, inszeniert das makabere Geschehen mit Tempo und Stil, das Drehbuch von Milton Subotsky baut dazu noch einige Bezüge zu aktuellen Themen ein und verleiht dem Film dadurch trotz der surrealen Stimmung einen  realen Anstrich. So erzählt etwa die Voodoo-Episode, die oft fälschlicherweise als rassistisch bezeichnet wird, auf intelligente Art von den Machenschaften der (weißen) Musikindustrie, in der große Kasse mit gestohlenen Ideen (der schwarzen Kultur) gemacht wird, und die Geschichte um den Kunstkritiker greift eine seinerzeit aktuelle Tagesdiskussion um Form und Inhalt in der Kunst auf. 
Natürlich dürfen auch ein paar alberne Einfälle nicht fehlen, die besonders mit der mörderischen Schlingpflanze zu tun haben (es gibt also ein Ministerium, das sich mit solchen Vorkommnissen beschäftigt? Hm...), aber sie erhöhen nur den Spaßfaktor. Es kommt außerdem sehr selten vor, dass sich in einem Episodenfilm sämtliche Geschichten auf einem durchgängigen Niveau befinden, aber genau das ist hier glücklicherweise der Fall.

DIE TODESKARTEN DES DR. SCHRECK ist rundum gelungene, atmosphärische und spannende Gruselunterhaltung, die zu Recht zum Klassiker des britischen Kinos wurde.

09/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...