Mittwoch, 9. Januar 2013

Die Fratze (1972)

Der britische Psycho-Thriller DIE FRATZE (Fright) ist ein Vorbote der nahenden Slasher-Welle und weist viele Ähnlichkeiten zu Fred Waltons "Das Grauen kommt um 10" (1979) auf. In beiden Filmen wird eine junge Babysitterin von einem Psychopathen terrorisiert.

Hier ist es die junge Susan George als Teenager Amanda, die sich auf einen ruhigen Abend freut. Dann aber streitet sie sich mit ihrem Freund (Dennis Waterman), unheimliche Geräusche im Haus machen ihr Angst, und schließlich schleicht der aus der Irrenanstalt entsprungene Vater (Ian Bannen) des Kindes, auf das die Babysitterin aufpasst, ums Haus...

DIE FRATZE ist ein hübscher kleiner Grusler, der im Grunde aus nur einer Situation entspringt, die für viele Zuschauer nachvollziehbar ist - allein zu sein in einem fremden Haus mitten in der Nacht. Da werden schnell Kindheitsängste wach, und Regisseur Peter Collinson schafft es gerade in den Anfangspassagen ausgezeichnet, eine Stimmung von Angst zu erschaffen, in der alltägliche Geräusche und Vorgänge (wie eine klappernde Wäschespinne) zur unheimlichen Bedrohung werden. Anders als "Das Grauen kommt um 10", der diese Ausgangsidee nur als Vorspiel für ein Psychodrama nutzt und in der Handlung um ein paar Jahre springt, spielt DIE FRATZE die Grundsituation bis zum Finale durch. Die Intensität der Übergriffe steigert sich, es kommt zu einer Konfrontation mit dem Psychopathen und schließlich zu einer Geiselnahme, während die Polizei das Haus umstellt.

Das ist zwar konsequent, allerdings merkt man bei dieser Struktur auch deutlich, dass die Idee nicht ganz über 90 Minuten trägt, weswegen es im Mittelteil und beim finalen Psycho-Duell einige Durchhänger gibt. Insgesamt aber ist DIE FRATZE ein sehenswerter und gut gespielter Genrebeitrag, der mehr auf Stimmung und Klaustrophobie setzt als auf physische Gewalt - auch wenn es davon im späteren Verlauf ein wenig gibt. Die Konzentration auf die Qualen der gepeinigten weiblichen Hauptfigur erinnert an Klassiker wie "Warte bis es dunkel ist" (1967) oder "Stiefel, die den Tod bedeuten" (1971). Es ist ein bisschen schade, dass der Film Susan George, die so viel durchmacht, am Ende nicht die Möglichkeit gibt, zurückzuschlagen und sich ihrer Haut zu wehren. Sie muss sich von der Polizei retten lassen, während die Mutter des Kindes (Honor Blackman, kampferprobt als Vorgängerin Emma Peels in "The Avengers" und als Pussy Galore in "Goldfinger", 1964) den Kampf gegen den durchgedrehten Ex-Mann aufnehmen muss.
Nur wenige Jahre später zeigte John Carpenter, dass Babysitterinnnen sich mit Stricknadeln, Drahtbügeln und Fleischermessern zur Wehr setzen können - was durchaus mit dem Erfolg seines Films zu tun hat und der FRATZE ebenfalls gut zu Gesicht gestanden hätte. Manchmal muss man einer guten Idee aber erst den richtigen Schliff verpassen, um einen Welthit zu landen.

7.5/10


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