Dienstag, 8. Januar 2013

Angst in der Nacht (1972)

Ein leerer Fußballplatz vor einem Internat, Kindergesänge und eine Leiche, die am Baum baumelt. Dazu der Schriftzug "A Hammer Production". So beginnt der britische Psycho-Thriller ANGST IN DER NACHT (Fear in the Night) von Jimmy Sangster, der für Hammer zahllose Drehbücher geschrieben hat und sich auch einige Male als Regisseur versuchte. Da kann doch eigentlich nichts schief gehen, oder? Doch. Als Autor ist Sangster nämlich klar besser, und auch ANGST IN DER NACHT fällt nach starkem Auftakt schnell ab.

Judy Geeson spielt eine junge Braut, die mit ihrem Ehemann Alan Bates in ein abgelegenes Jungeninternat reist, um dort eine Stellung anzutreten. Zuvor wird sie allerdings brutal von einem Einarmigen mit Prothese überfallen und in psychiatrische Behandlung geschickt. Immer noch von dem Ereignis verfolgt, erlebt sie auf dem Land mysteriöse Vorkommnisse. Der Schuldirektor Peter Cushing hat ebenfalls nur einen Arm, und dessen kaltschnäuzige Ehefrau Joan Collins schmiedet offensichtlich finstere Pläne. Bald schon stapeln sich die Toten. Aber wer spielt hier Katz und Maus mit wem?

Das klingt gut, ist es aber nicht. Jimmy Sangster verfilmte mit ANGST IN DER NACHT sein eigenes Drehbuch, das von Michael Syson überarbeitet wurde (von Syson stammt u.a. der Internats-Schauplatz), und klaute ordentlich bei sich selbst, namentlich bei "Der Satan mit den langen Wimpern" (1964) und "Ein Toter spielt Klavier" (1961), zu denen er ebenfalls die Bücher verfasste. In allen drei Fällen soll eine junge Heldin in den Wahnsinn getrieben werden und Dinge tun, die eigentlich niemand voraussehen kann, die aber dennoch genau so eintreffen, wie die Drahtzieher es geplant haben.
Während die beiden älteren Werke aber Klassiker des Psycho-Thrillers in bester "Die Teuflischen" (1955)-Manier sind, gerät ANGST IN DER NACHT bald zum Langweiler und wirkt mit seinem naiven Plot schrecklich altmodisch. Die "Lass' uns das Weib in den Wahnsinn treiben"-Schiene hatte bereits Anfang der 70er einen furchtbaren Bart, und wenn man auch nur eines der Vorbilder gesehen hat, dann weiß man sofort, wie der Hase läuft. Da der Film aber seine Spannung allein aus den überraschenden Wendungen ziehen will, scheitert dieser Versuch, weil man als Zuschauer den Figuren viel zu weit voraus ist. Vielleicht habe ich auch schon zu viele von diesen raffiniert gestrickten kleinen Hitchcocks gesehen, um nicht mehr darauf hereinzufallen. Mit ANGST IN DR NACHT habe ich nun dreimal versucht, warm zu werden, weil er eigentlich alle Zutaten besitzt, die ich gern sehe, aber ich kann mich einfach nicht mit ihm anfreunden, er schläfert mich jedesmal ein.

An der Besetzung liegt es nicht. Horror-Ikone Peter Cushing spielt wie immer wunderbar, hat aber im Grunde nur eine einzige wichtige Szene. Judy Geeson ist ein überzeugend unschuldiges Mädel (ganz im Gegensatz zum Horror-Trash "Samen des Bösen" von 1981, wo sie von Außerirdischen geschwängert wird und ihre Raumschiff-Crew tötet und verspeist!), und das "Denver"-Biest Joan Collins (ach, die 80er...seufz) ist als fremdgehende Schlampe mit Schrotflinte perfekt besetzt.
Leider aber fehlt dem Film unter Sangsters Regie jede Grusel-Atmosphäre, die notwendig wäre. Er ist zu dialoglastig, und man merkt das schmale Budget an jeder Ecke, da er mit nur einer handvoll Darstellern auskommen muss und diese in den immer gleichen Räumen sitzen und über Dinge grübeln, die das Publikum längst ahnt. Schade.

Der Film ist hierzulande als "The Fear" auf DVD erhältlich. Die 18er Freigabe möge mir aber bitte mal jemand erklären, die ist unbegreiflich. Während ich mir - in der richtigen Stimmung - auch beim x-ten Sehen von "Ein Toter spielt Klavier" noch in die Hosen machen könnte, gibt es hier weit und breit nichts, was Achtjährige erschrecken würde.

04/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...