Samstag, 12. Januar 2013

Amok (1976)

Der britische Regisseur Pete Walker begann seine Karriere Ende der 60er Jahre mit Sexploitation und wechselte bald darauf ins Horror/Exploitation-Fach, wo er einige Kultfilme wie "House of Whipcord" (1974) inszenierte. Mit AMOK (Schizo) drehte er einen an Hitchcock angelehnten Psycho-Thriller, der aber auch Elemente des italienischen Giallo-Kinos beinhaltet, den Slasher-Film vorwegnimmt und sich dazu noch - als wäre das nicht genug - beim "Exorzist" (1974) bedient. Das Schöne am Exploitation-Kino ist ja gerade, dass oft sämtliche Trends in einen Topf geworfen werden, um für jeden etwas zu bieten. Das so entstandene Gebräu will hier aber nur bedingt schmecken.

Lynne Frederick (Ex-Frau von Peter Sellers) spielt in AMOK eine bekannte Eiskunstläuferin ("The Ice Queen"), die kurz vor der Hochzeit mit ihrem Verlobten steht, als sie sich unentwegt von einem mysteriösen Mann aus ihrer Vergangenheit verfolgt sieht. Da diesen aber sonst niemand wahrnimmt, steht sie ziemlich allein mit ihrem Problem da. Der Fremde taucht auch in Lynnes Haus auf, wo er ihr unter der Dusche nachstellt, im Supermarkt findet sie ein Hackebeil in ihrem Einkaufswagen, und am Tag der Hochzeit liegt ein blutiges Messer vor der Hochzeitstorte. Dann werden auch noch die Menschen in Lynnes Umgebung brutal ermordet...

Die erwähnte Duschszene ist natürlich die direkteste Anspielung auf Hitchcocks Werk, aber es finden sich auch Hinweise auf "Marnie" (1964) und "Spellbound" (1945) in AMOK. Von den Gialli hat sich Walker die blutigen Morde und die schwarzen Handschuhe des Killers ausgeborgt. Da es sich hier aber um eine britische Low Budget-Produktion handelt, ist der filmische Stil eher schundig als opulent. Ausgefallene Kamerafahrten oder surreale Sequenzen sucht man vergebens, stattdessen bekommt man eine schreiend hässliche 70er-Ausstattung mit grell gemusterten Tapeten und Duschvorhängen, die man gesehen haben muss, um sie zu glauben.
Das Drehbuch baut um den geheimnisvollen Verfolger und dessen Beweggründe ein großes Geheimnis auf, aber Fans des Genres wissen doch sehr schnell, wie die Lösung aussieht, weil bereits der Titel und eine vorab aus dem Off gesprochene Erklärung über Schizophrenie diese mehr als nur suggerieren. Leider gelingt es Walker nicht, das Interesse des Zuschauers trotz der spannenden Ausgangsidee wach zu halten. Einige Szenen (wie eine Séance oder die blutigen Set Pieces, von denen besonders ein Mord mit Hammer im Gedächtnis bleibt) sind herausragend, aber der Rest ist doch zu unbeteiligt weginszeniert, das Tempo deutlich zu langsam.

Die Schauspieler geben sich alle Mühe, und man erkennt neben Hauptdarstellerin Lynne Frederick bekannte Genre-Gesichter wie Stephanie Beacham aus "Samen des Bösen" (1981) oder "Dracula jagt Mini-Mädchen" (1972) als beste Freundin, aber so richtig begeistern kann hier niemand. Die Schluss-Pointe ist nett, doch auch die sieht man lange im Voraus kommen. Für Freunde des britischen Exploitation-Kinos ist AMOK sicher einen Blick wert. Wer sich wirklich spannend unterhalten will, der sollte sich anderweitig umschauen oder zu Walkers besseren Filmen (wie "Frightmare", 1974) greifen.

05/10

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