Dienstag, 4. Dezember 2012

The Roommate (2011)

Kann man einen Film rezensieren, von dem man nur 15 Minuten gesehen hat? Ich denke schon, es verstößt zumindest gegen kein Gesetz, und ich werde dafür nicht bezahlt. Meine Lebenszeit ist mir auch sehr wichtig (oder wie Geena Davis in "Die Fliege" sagt: "Ich werde auch nicht jünger"), und wie oft ist es tatsächlich passiert, dass ein Film, der einen nach zehn Minuten schon ins Wachkoma befördert, plötzlich zum meisterhaften Thriller mutiert? Ich würde mir die restlichen 80 Minuten von THE ROOMMATE (The Roommate) nicht mal ansehen, wenn sich unerwartet herausstellte, dass der verstorbene Stanley Kubrick aus dem Grab auferstanden und den Film unter Pseudonym gedreht hätte (obwohl...dann vielleicht schon). Außerdem konnte ich immerhin trotz des kurzen 'Vergnügens' eine interessante Entdeckung machen, aber dazu später.

Also, bei THE ROOMMATE (The Roommate) wollte ich eigentlich nur wissen, wie wohl ein Remake von "Weiblich, ledig, jung sucht..." (1992) für die heutige, junge Zielgruppe aussieht, denn um genau das handelt es sich hier. Nun hatte auch der seine (kleinen) Schwächen und war von anderen Filmen stark beeinflusst, aber er konnte immerhin einen guten Regisseur, einen Meister hinter der Kamera und mit Bridget Fonda und Jennifer Jason Leigh zwei klasse Schauspielerinnen mit Persönlichkeit und Charisma vorweisen (ganz zu schweigen von Komponist Howard Shore). THE ROOMMATE hat von alledem - nichts.

Mir schwante das schon während des todlangweiligen, hundertmal dagewesenen Beginns. Die Hauptdarstellerin und ihre böse Zimmergenossin konnte ich nicht wirklich voneinander unterscheiden, sie sind vollkommen austauschbare Fernseh-Gesichter, oberflächlich hübsch, wenn man auf diesen Typ Girlie steht, aber ansonsten leer, ausdrucks- und farblos. Den Ausschlag zum Abschalten gab dann aber  das 'Meet Cute' unserer Protagonistin mit ihrem Traummann auf einer 'hippen' College-Party. Sie begegnen sich, indem sie unabsichtlich zusammenstoßen, wobei sie ihren Drink verschüttet. Das ist nun wirklich dermaßen originell, dass ich wusste, den Rest des Films kann ich mir getrost sparen. Man weiß sowieso, was kommt. Ohne es gesehen zu haben, würde ich tippen, die böse Mitbewohnerin erledigt ein paar Typen, die ihrer Beziehung zu der neuen Freundin im Weg stehen, steckt vielleicht auch ein paar Kätzchen in Kochtöpfe, bis am Ende die gebeutelte Studentin um ihr Leben kämpfen muss. Gähn. 

Interessant war allerdings der Blick in die 'Deleted Scenes' der DVD. Da findet sich nämlich eine alternative Vorspann-Sequenz, die mit atmosphärischen Bildern und passender Musik die leere Wohnung der beiden Studentinnen zeigt, in der sich bald das Böse einnisten wird. Keine große Kunst, aber gut gemacht, stimmungsvoll, ruhig (!!) und mit wenigstens einem Einfall. In der offiziellen Version hingegen beginnt der Film mit völlig banalen Bildern vom College-Campus und von unserer fröhlichen Protagonistin zu fetziger Musik.
Wer wissen will, was mit dem aktuellen Hollywood-Kino alles nicht in Ordnung ist, der sollte hier einige Antworten finden. Zumindest, was das Mainstream-Kino angeht, finden künstlerische Einfälle nur noch als Deleted Scenes statt. Ich freue mich schon irre auf "Hangover 4" als Special Edition mit Interviews, Audiokommentaren, Bildergalerie, Making of und "Citizen Kane" (1941) als DVD-Bonus.


01/10 (für die ersten 15 Minuten)

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