Samstag, 22. Dezember 2012

The Happening (2008)

Nein, das ist kein Film über wilde Woodstock-Orgien, sondern ein weiterer Versuch M. Night Shyamalans, die Welt davon zu überzeugen, dass er keine Eintagsfliege ist. Was nicht gelang. Tatsächlich war THE HAPPENING (The Happening) ein weiterer Schritt Shyamalans in die eigene Bedeutungslosigkeit.

In New York fallen die Bauarbeiter plötzlich wie Fliegen vom Gerüst, und auch im Central Park bringen sich die Leute gleich massenweise selbst um die Ecke. Schuld daran ist ein Nervengift, das von Pflanzen freigesetzt wird. Biologielehrer Mark Wahlberg versucht mit seiner Frau Zooey Deschanel und dem Kind eines befreundeten Kollegen, der Seuche zu entkommen. Aber wie läuft man vor Wind und Pflanzen davon?

Regisseur M. Night Shyamalan huldigt seinem großen Vorbild Alfred Hitchcock und konstruiert mit THE HAPPENING seine Version von "Die Vögel" (1962). Hier wie da wehrt sich die Natur gegen die Menschheit und lässt den Terror dort entstehen, wo niemand ihn vermutet hätte. Shyamalan hatte nach dem gewaltigen Flop "Das Mädchen aus dem Wasser" (2006) große Probleme, das Vertrauen der Geldgeber wieder zu gewinnen. Heute ist Shyamalans Ruf nach mehreren Misserfolgen und der künstlerischen Bankrotterklärung "Die Legende von Aang" (2010) fast vollständig ruiniert. Aus dem Fall Shyamalan kann man lernen, dass man einen Neuling nicht mit Etiketten wie "Hitchcock-Nachfolger" zupflastern sollte, bevor dieser nicht bewiesen hat, dass er konstant gute Arbeit abliefert.

THE HAPPENING beginnt ganz kurz sehr vielversprechend, wird aber schnell bemerkenswert albern und uninteressant. Sogar Shymalans schwächere Filme wie "The Village" (2004) oder "Signs" (2002) konnten noch mit starken Suspense-Sequenzen aufwarten, doch THE HAPPENING bleibt banal und oberflächlich. Am meisten erstaunt, dass der Film so schmucklos aussieht, beinahe wie ein TV Movie. Selbst das Kostümbild ist flach - die Darsteller sehen sämtlich aus, als seien sie bei H&M eingekleidet worden. Alles an THE HAPPENING wirkt billig und eilig zusammengekleistert. Eine Stimmung der drohenden Apokalypse, die der Stoff gebraucht hätte, kommt nicht mal im Ansatz auf.

Dazu versucht Shyamalan, die fehlende Spannung durch einige ungewohnt blutige Splattereffekte und Zynismus zu ersetzen. Da bekommt schon mal ein Kinderdarsteller eine Ladung aus der Schrotflinte in den Kopf, und ein armer Tierpfleger wird im Zoo von Raubtieren zerrissen. Die besten Momente in Shyamalans Filmen sind aber gerade die subtilen, stummen Sequenzen, in denen man das Schlimmste erwartet und trotzdem überrascht wird - davon gibt es hier weit und breit keine.
THE HAPPENING wirkt eher so, als hätte der Regisseur selbst kein Vertrauen in seine Geschichte. Da helfen auch keine kitschigen Momente gegen Ende, wenn mal wieder der männliche Hauptdarsteller (wie in allen Shyamalan-Filmen) heulend im Keller sitzt. Das hatten wir schon bei "Signs" und wird auch durch die Wiederholung nicht besser. Sogar James Newton Howards Musik wirkt wie schon mal dagewesen.

Die Schauspieler können auch nichts reißen. Mark Wahlberg, gegen den ich persönlich gar nichts habe (im Gegenteil, ich war ein großer Fan seiner Unterwäsche-Kampagne in den 90ern), übersteht den Film mit zwei Gesichtsausdrücken (staunend oder emotionslos), und den Biologielehrer nehme ich ihm nicht eine Sekunde ab. Sagen wir mal, Wahlberg ist nicht gerade der Typ, dem man ein abgeschlossenes Studium glaubt. Zooey Deschanel spielt seine Gattin so 'skurril' und nervtötend, wie sie alle Rollen spielt (warum ist die eigentlich so populär?), und in einer Wegwerf-Nebenrolle wird der großartige John Leguizamo ('Benny Blanco from the Bronx') völlig verschenkt. Dafür gibt es ein Wiedersehen mit "Carries" Turnlehrerin Betty Buckley.

THE HAPPENING funktioniert - wenn überhaupt - noch am besten als Trash, auch wenn  man bezweifeln darf, dass er als solcher konzipiert wurde. Er ist auf belanglose Art unterhaltsam und hat viele unfreiwillig komische Momente zu bieten, etwa, wenn Wahlberg mit einer Zimmerpflanze spricht oder ganze Gruppen von Menschen versuchen, vor dem sich drehenden Wind davonzulaufen (!). Obwohl deutlich die Spannung fehlt, hat THE HAPPENING zumindest ein ganz anständiges Tempo und keine Überlänge, so dass er sich ganz passabel wegschaut. Das soll aber keine Empfehlung sein. Möglicherweise wäre THE HAPPENING mit größerem Budget besser geworden, aber wer einen solchen Reinfall wie "Das Mädchen aus dem Wasser" inszeniert hat, kriegt das Geld eben nicht mehr nachgeworfen.

04/10

Kommentare:

  1. Das einstige Regisseurwunderkind M. Night Shyamalan hat seine Vorschußlorbeeren, die man ihm bereitwillig zukommen hat lassen, wohl endgültig verspielt. 'The Sixth Sense' (1999) kann man nachträglich wohl nur als Zufallstreffer bezeichnen, der damals genau in die damalige Mystery-Welle gepasst hat. Fünf Filme später fällt mir nur mehr eins ein: 'Flasche leer'.

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  2. Ja, das sehe ich genau so. Gruß von Mathias

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