Freitag, 7. Dezember 2012

Frankensteins Fluch (1957)

Baron Frankenstein (Peter Cushing) wartet in der Todeszelle auf seine Exekution und erzählt einem Priester, was bis hierhin geschehen ist - von seiner frühen Begeisterung als Halbwüchsiger für die Wissenschaft, von seiner Zusammenarbeit mit dem Mentor Paul Krempe (Robert Urquhart) und den ersten Versuchen, tote Tiere ins Leben zurückzuholen, bis er schließlich den künstlichen Menschen (Christopher Lee) erschafft - mit den bekannt katastrophalen Konsequenzen...


FRANKENSTEINS FLUCH (The Curse of Frankenstein) war der erste Farbfilm der Hammer-Studios und legte den Grundstein für die legendäre Horrorfilmreihe der britischen Produktionsfirma. Der Film war ein Riesenerfolg und konnte mit seiner Mischung aus Horror, Sex, Grausamkeiten, sorgfältiger Ausstattung und exzellenten Darstellern das Publikum begeistern, während die Kritiker sich eher düpiert zeigten angesichts der "Verschundung" der literarischen Vorlage. Drehbuchautor Jimmy Sangster hat hier lediglich ein paar Elemente des Romans zusammengeklaubt und daraus ein eigenes Gebräu hergestellt, das weder den Geist noch den Inhalt von Mary Shelleys Werk wiedergibt. Unter der straffen Regie von Terence Fisher ist ein unterhaltsamer Grusel-Schocker entstanden (mit seinen 75 Minuten Laufzeit dürfte FRANKENSTEINS FLUCH auch die weitaus kürzeste Adaption des epischen Romans sein), der heute sicher mit seinen braven Splatter-Effekten niemanden mehr vom Hocker reißt, der aber seinerzeit durchaus einige Tabus brach. Da darf der Baron schon mal in muffigen Korridoren mit dem Zimmermädchen knutschen, während seine Verlobte Elizabeth (Hazel Court) tadellos frisiert beim Tee nebenan sitzt. Nebenbei darf er sich als Grabräuber betätigen, Gehirne und Augen einwecken und abgetrennte Hände mit nach Hause bringen. Das knallrote Blut fließt reichlich, die Dekolletés bleiben aber noch hochgeschlossen. 

Dargeboten wird diese Hommage ans Grand Guignol von einem hervorragenden Ensemble, allen voran der immer sehenswerte Peter Cushing, der es schafft, mit großer Ernsthaftigkeit und intensiver Leidenschaft durch diesen Groschenroman zu gehen. Was die Monster-Kreation angeht, enttäuscht der Film allerdings. Er verzichtet bewusst auf das berühmte Karloff-Makeup (Fisher wurde von Universal juristisch untersagt, Karloffs Maske auch nur ansatzweise zu kopieren) und lässt stattdessen Christopher Lee als graugesichtigen Zombie mit Glasauge und Bandagen herumstolpern, weswegen er eher an Romeros Untote im Supermarkt erinnert als an die klassischen Filmmonster. Die Szene, in der Baron Frankenstein das Monster wie ein Hündchen an der Kette hält und 'Sitz' machen lässt, wurde dann auch fast 1:1 von Romero in "Zombie 2" (1985) übernommen.
Das ist deshalb so schade, weil die meisten Adaptionen das Monster im Sinne Shelleys als tragische Kreatur begreifen, die unfreiwillig ins Leben geworfen wird und in ihrem Schöpfer Frankenstein - dem wahren Monster - die Vaterfigur sieht, die es vernichten muss. Bei Fisher und Sangster fehlt das alles komplett, und Christopher Lees Herumgestolpere im Wald wirkt dann leider auch stellenweise unfreiwillig komisch. Als Dracula hatte Lee zwar auch nicht mehr Text, konnte aber wenigstens seine unvergleichliche Präsenz einsetzen.

FRANKENSTEINS FLUCH hat seinen festen Platz in der Geschichte des Horrorfilms eingenommen, weil er den Ruhm und Welterfolg der Hammer Studios begründete. Da die Zuschauer offensichtlich bereit waren, die verstaubten  Klassiker in neuen, farbenprächtigen und blutigen Gewändern zu sehen, entstanden kurz darauf mit "Dracula" (1958) und "The Mummy" (Die Rache der Pharaonen, 1962) weitere Neuverfilmungen alter Stoffe, die qualitativ besser waren als dieser Erstling, welcher trotz seiner kleinen Schwächen haushoch über späteren Frankenstein-Adaptionen steht. Wir erinnern uns alle noch mit Schaudern an Kenneth Branaghs operettenhafte Schmonzetten-Variante (und die aufgemalten Bauchmuskeln des eitlen Regisseurs/Hauptdarstellers)... das war Grusel der ganz anderen Art. 

08/10

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