Mittwoch, 12. Dezember 2012

Event Horizon (1997)

Im Jahr 2047 sucht die Besatzung eines Bergungsraumschiffs nach der verschollen geglaubten 'Event Horizon', die nach Durchquerung eines selbst erschaffenen Schwarzen Lochs in den Tiefen des Alls verschwunden war, jetzt aber wieder Signale aussendet. An Bord des Geisterschiffes müssen die Rettungskräfte entsetzt festellen, dass sich die Crew der 'Event Horizon' gegenseitig abgeschlachtet hat. Und nciht nur das - plötzlich werden ihre eigenen Ängste und Horrorvisionen lebendig...

Das haben wir doch schon mal gehört?
Die britisch-amerikanische Co-Produktion EVENT HORIZON (Event Horizon) von Paul W.S. Anderson war ein Überraschungserfolg in den Kinos, der bewies, dass man kein Multimillionen-Budget braucht, um einen effektiven Sci-Fi-Horror mit beeindruckenden Spezialeffekten zu erschaffen. Der Film hat sich einen eigenen Kultstatus erobert und wird gemeinhin besser besprochen als er in Wirklichkeit ist, aber wer damit leben kann, dass hier inhaltlich so ziemlich die gesamte Sci-Fi-Filmgeschichte geplündert wird, der wird mit grandiosen Bildern und einer schön schaurigen Atmosphäre belohnt, ganz zu schweigen von einem klasse Techno-Score.

Das große Vorbild für EVENT HORIZON ist natürlich Tarkowskis "Solaris" (1972), aber man entdeckt auch ausgiebig genutzte Elemente aus "Alien" (1979), "Aliens- Die Rückkehr" (1986), "The Dark Side of the Moon" (1990), "Forbidden Planet" (1956) und weiteren Werken bis hin zu "Hellraiser" (1987). Das Konzept basiert auf dem klassischen Old, Dark House-Prinzip, in dem eine Gruppe Eindringlinge in einem von der Umwelt abgeschlossenen Objekt (Spukschloss, Geisterbahn, Nostromo) von finsteren Mächten terrorisiert wird. So schafft auch EVENT HORIZON den Spagat zwischen altmodischem Gruselkino und modernstem Effekte-Spektakel überraschend gut und wirkt wie der Film eines begeisterten jungen Fans, der die Lieblingsfilme seiner Kindheit noch einmal frisch zusammenbringt.

Die ausgezeichnete Kameraarbeit und das originelle Set-Design sorgen für die Schauwerte, die das Drehbuch leider nicht liefern kann, denn da wird wirklich kein Klischee ausgelassen, sei es die Mannschaft im Hyperschlaf, der gefährliche Weltraum-Spaziergang, die tödliche Sicherheits-Schleuse, das kaputte Raumschiff, das repariert werden muss und so den finalen Timelock liefert, die verschlüsselte Bordaufzeichnung, das angebliche Notsignal, bis hin zur schlussendlichen Mega-Sprengung. Eigentlich fehlt nur noch die Rettung der Bordkatze Jones, aber Tiere gibt es hier weit und breit nicht zu sehen.

Die Besetzung des Films ist solide bis hervorragend, leider sind die Charaktere aber so eindimensional gezeichnet wie in einem gewöhnlichen Slasher-Film, so dass die Darsteller kaum etwas herausreißen können. Der arme Richard T. Jones muss sogar den stereotypen 'lustigen Schwarzen' spielen, der allen Ernstes der knackigen Joely Richardson nach absolviertem Kälteschlaf einen Kaffee hinhält und fragt, ob sie etwas 'heißes, schwarzes in sich" haben möchte. Aua! Laurence Fishburne und Kathleen Quinlan zeigen noch die besten Leistungen und sind die Sympathieträger fürs Publikum, während man Sam Neill als Designer der 'Event Horizon', der im Laufe des Films immer mehr den Verstand verliert, den Bauch einzieht und zum Superbösewicht mutiert, nur als Fehlbesetzung bezeichnen kann. Neill ist ein guter Schauspieler, aber ungefähr so bedrohlich wie ein Weihnachts-Butterkeks. Da kann er sich so viele Augen rausreißen, wie er will.

Nichtsdestotrotz - wer sich kurzweilig und nicht allzu intelligent unterhalten lassen will, der ist hier schon ganz richtig. EVENT HORIZON ist kein Meilenstein des Genres, sondern eher ein poppiges Best-Of, aber als knalliges Popcorn-Kino mit ein paar herzhaften Splattereinlagen (die ruhig noch deftiger hätten ausfallen können) und einer guten Handvoll Schockmomente funktioniert der Film ausgesprochen gut - auch und weil er unter der Hochglanz-Oberfläche reinster Trash ist.

7.5/10


Kommentare:

  1. Mir gefallen sehr Deine Reviews zu vielen Filmen, du scheinst Filme zu verschlingen wie andere Fast Food! Das gefällt mir sehr, hab schon einige Perlen meiner Jugend wiederentdeckt! Ich habe auch einen Blog im Netz, und wir suchen noch Leute! Leider kann ich dich nicht anders anschreiben hier. Wir sind auch bei fb!

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  2. Danke für die Blumen, Fast Food verschlinge ich nebenbei übrigens auch noch (dafür reicht die Zeit gerade noch). :-) Ich schau mich gern mal in Deinem Blog um. LG, Mathias

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