Donnerstag, 27. Dezember 2012

Crazy, Stupid Love (2011)

Etwas Heiteres zum Jahresabschluss gefällig? Bitteschön!

Es gibt wohl kaum noch jemanden, der ernsthaft bestreiten würde, dass das Genre der Romantic Comedy heute toter als tot ist. Natürlich bestätigen Ausnahmen wie immer die Regel, aber im Grunde hat das Genre scheinbar nichts Neues mehr zu bieten, wie die jämmerliche Parade komplett künstlicher, überraschungsfreier und stets nach demselben Schema ablaufender, witzloser Streifen beweist, die stets auf Stars denn auf Komödianten zugeschnitten sind und Namen wie Aniston, Butler, Bullock, Hudson und Heigl eher bitter aufstoßen denn begeistern.
Umso überraschter war ich, als ich mir CRAZY, STUPID LOVE (Crazy, Stupid Love) ansah. Warum ich das tat? Die Besetzung ließ mich zumindest hoffen. Und tatsächlich fühlte ich mich über zwei Drittel der Laufzeit gut unterhalten. Man sollte allerdings schnell abschalten, bevor die gefühlten 35 Enden losgehen, denn da stürzt der Film schneller ab als ein Kamikazeflieger in Pearl Harbour.

In CRAZY, STUPID LOVE wird Familienvater Steve Carell von seiner Frau Julianne Moore verlassen, weil sie die eheliche Routine nicht mehr erträgt (man staunt, dass Moore im letzten Drittel noch dabei ist, wenn der Film selbst in die totale Hollywood-Routine verfällt). Carell kommt mit dem Single-Dasein nicht zurecht und heuert den Gigolo und Aufreißer Ryan Gosling an, um ihm auf die Sprünge zu helfen, was nach einigen Anlaufschwierigkeiten auch gelingt. Gosling selbst erlebt ebenfalls eine unerwartete Romanze. Und nicht nur das - sogar der minderjährige Sohn von Carrell entdeckt seine Herzensdame, und Julianne Moore findet den Ex plötzlich wieder ganz anziehend...

Doch, da gibt es eine Menge, was man mögen kann an diesem heiteren Liebesreigen. Zuallererst darf man feststellen, wie angenehm es ist, dass sich ein Film dieses Genres überhaupt mit mehreren Generationen beschäftigt und nicht nur auf die unter 20jährigen zugeschnitten ist. Die Probleme von Männern und Frauen um die 40, die plötzlich alleine dastehen und sich in einer vom Jugendwahn beherrschten Gesellschaft nach einem passenden Partner umsehen müssen, sollten viel öfter thematisiert werden.
Danach muss man die Besetzung loben, allen voran Ryan Gosling, der zwar nicht die Hauptrolle spielt, aber so unverschämt gut aussieht (Partnerin Emma Stone kommentiert seinen nackten Oberkörper mit den Worten: "Are you kidding me? You look like you've been photoshopped!") und gar Unmengen an coolem Charme versprüht, dass man aufpassen muss, keine Minderwertigkeitskomplexe zu kriegen. Und das mit einer Rolle, die im Grunde eher schmierig und unsympathisch angelegt ist, was Gosling aber locker überspielt. Gegen Gosling hat kaum jemand eine Chance, Steve Carell aber hält gut dagegen und bekommt ein paar wirklich gelungene Gags (der Moment, in dem eine junge Schönheit im Restaurant lächelnd auf ihn zuschwebt und sich unerwartet als Kellnerin entpuppt, die lediglich die Rechnung bringt, ist ein echtes Highlight). Julianne Moore ist immer fantastisch in Dramen und nicht ganz so gut in Komödien (wer das bezweifelt, sollte sich die 4. Staffel von "30 Rock" ansehen), aber das spielt keine Rolle, weil man ihr einfach gerne zusieht. Neben Kevin Bacon erhält Marisa Tomei die absolute Abräumer-Nebenrolle, in der sie schlicht zum Brüllen komisch ist und das Wort "Asshole" häufiger gebraucht als Al Pacino in "Scarface" (1983) das 'F'-Wort von sich gab.

Das Drehbuch von Don Fogelman wartet mit viel Dialogwitz, skurrilen Situationen und peinlichen Momenten auf, die Regisseure Glenn Ficarra und John Requa legen ein ordentliches Tempo vor, und man sieht dem Ensemble an, dass es Spaß hat. Das überträgt sich durchaus nicht in jedem Film, hier aber schon. Wie gesagt, in den ersten zwei Dritteln kann ich die Komödie nur empfehlen. Danach kommen dann die unvermeidlichen Verwicklungen, es gibt eine 'überraschende Wendung', die überhaupt nicht überraschend ist, wenn einem die ähnliche Haarfarbe zweier Darstellerinnen aufgefallen ist (und es ist unmöglich, das zu übersehen), dann folgen viele Tränen, Versöhnungen, zu viele Schlüsse und die unvermeidliche 'große, öffentliche Liebeserklärung', die man schon so oft gesehen hat, dass allein die Ankündigung Brechreiz hervorruft. Die Konflikte werden auf die simpelste Art gelöst, alles wird verziehen, und alle haben sich furchtbar lieb - also genau die kitschig-zuckrige Soße, die uns Hollywood seit Jahrzehnten immer neu serviert und hofft, dass man sie immer wieder schluckt. Zugegeben, ein großer Erzählstrang bleibt relativ offen, aber das rettet den Film auch nicht mehr vorm Über-Schmalz.

Schade, schade, schade, denn CRAZY, STUPID LOVE hatte bis dahin eine echte Chance, nicht in dieser Ecke zu landen. Möglicherweise ist das auf Einmischungen des Studios zurückzuführen, man weiß es nicht genau. Man fragt sich aber, wann es wieder so weit ist, dass eine romantische Komödie von vorne bis hinten witzig, spritzig, geistreich und frech sein darf, so wie es die Screwball-Klassiker der 30ern oft (nicht immer) waren. Wer aber zum Ende des Jahres noch einmal herzhaft lachen und sich an den Liebsten/die Liebste/das Sofakissen kuscheln möchte, der ist hier ziemlich richtig. 

07/10


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