Montag, 10. Dezember 2012

Breakdown (1997)

Eine Dame verschwindet - schon wieder!

Aber keine Angst, BREAKDOWN (Breakdown) ist nicht einfach nur eine aufgewärmte und wiedergekäute Variante der alten Hitchcock-Idee, sondern einer der besten Thriller der 90er.
Kurt Russell spielt hier einen netten Zeitgenossen, der mit seiner Frau Kathleen Quinlan quer durchs Land reist, um nach Kalifornien umzuziehen. Das Paar steckt in Geldschwierigkeiten und will einen Neustart wagen. Auf einsamer Landstraße schneiden sie einen Truck und haben kurz darauf eine Autopanne in der Einöde. Der freundliche Trucker J.T. Walsh bietet an, Quinlan zum nächsten Telefon zu bringen, während Russell auf den Abschleppdienst wartet. Als Russell aber endlich nachkommt, ist seine Frau verschwunden, und keiner will sie gesehen haben...

Zugegeben, die Idee ist tatsächlich nicht neu. Nach Hitchcocks "Eine Dame verschwindet" (1938), dem übrigens eine wahre Geschichte zugrunde lag, welche der Meister selbst als Episode seiner TV-Serie "Alfred Hitchcock Presents" mit  Tochter Patricia in der Hauptrolle inszenierte, wurde sie u.a. von Otto Preminger für "Bunny Lake ist verschwunden" (1965) oder Polanski in "Frantic" (1988) wieder aufgegriffen. Regisseur Jonathan Mostow benutzt den Einfall für eine Mischung aus (im positiven Sinne) altmodischem Thriller und moderner Action. Der Grund für Quinlans Verschwinden ist in diesem Fall keine Spionagegeschichte oder ein psychologisches Katz- und Mausspiel, sondern eine schnöde Erpressung. Um seine Frau wieder zu bekommen, muss Russell einen Batzen Geld auftreiben, leider aber steckt er selbst finanziell in der Klemme. Wie er versucht, die Entführer hereinzulegen und die Gattin aus deren Fängen zu befreien, das ist schon allerfeinstes Suspense-Kino, selbst wenn es im Finale dann allzu brachial zugeht und der Film das richtige Maß etwas aus dem Auge verliert.

Die Wüstenkaffs und Trucker-Restaurants vor endlosem Horizont sind dabei eine grandiose Kulisse, vor der die Einsamkeit des Helden, der plötzlich ohne jede Bezugsperson in fremder Umgebung dasteht, noch beängstigender wirkt. Die Besetzung mit Kurt Russell ist insofern problematisch, weil das Publikum ihn als zupackenden Kerl kennt, der unter John Carpenter schon schleimige Aliens, Präsidenten-Entführer und magische Monster in Little China zur Strecke gebracht hat. Man vertraut darauf, dass er es schon richten wird. Polanski hatte in "Frantic" ein ähnliches Problem mit Harrison Ford, bzw. dessen Image. Sowohl Ford als auch Russell zeigen jeweils sehr gute Darstellungen (Russell gehört nach meiner Meinung ohnehin zu den Schauspielern, die immer unterschätzt werden), aber die Filme bräuchten eigentlich einen harmlosen Jedermann, der völlig unvorbereitet in eine alptraumhafte Situation gerät. So geht ein Teil der Beklemmung verloren, was dem Film letztendlich aber nicht schadet, denn der will ohnehin intelligentes Popcorn-Kino sein, und das gelingt ihm ausgezeichnet.

Jonathan Mostow befolgt dazu die alte Hitchcock-Regel, dass ein Thriller immer nur so gut ist wie sein Bösewicht, und als solcher ist J.T. Walsh herrlich fies und widerlich. Man wünscht ihm und seinen Handlangern die Pest an den Hals und freut sich über jeden Teilerfolg, den Russell im Kampf gegen die Lotterbande erzielt.
Selbstverständlich darf auch bei keiner Rezension des Films vergessen werden, dass BREAKDOWN neben Hitchcock ganz heftig Spielbergs "Duell" (1971) zitiert und sich ein wenig als moderne Variante versteht. Dem Vorbild kann er zwar nicht das Schmieröl reichen, aber was das wenig originelle oder innovative Kino der 90er angeht, gehört BREAKDOWN dank eines klugen Drehbuchs, guter Darsteller und einfallsreicher Regie, die mehr auf emotionale Spannung als auf Sensationen setzt, zu den Thriller-Highlights. Das Publikum honorierte das und machte den mit eher bescheidenen Mitteln finanzierten Film zum überraschenden Kassenhit.

08/10


Kommentare:

  1. Hey,

    eine Frau verschwindet...nicht zu vergessen, der wunderbare Roman "Das goldene Ei" von Tim Krabbe, verfilmt 1988 unter dem "Spurlos verschwunden" ("Spoorloos")...herrlich!

    Liebste VorWeihnachtsgrüße

    Bilyl Shines

    AntwortenLöschen
  2. Hi Billy, stimmt natürlich, an den hatte ich gar nicht mehr gedacht. Super Film! Aber das Remake vergessen wir doch lieber. :-) LG, Mathias

    AntwortenLöschen
  3. Lieber Mathias,

    wirklich, das Remake ist gräßlich, hatte mich innerlich schon auf einen riesigen Veriss deinerseits gefreut (Stichwort: Hollywood-Ende!) ;-) ...sowas les ich doch auch immer wieder gerne von Dir ;-)

    Grüße
    Billy

    AntwortenLöschen
  4. Schaun wir mal, lieber Billy... :-) Ist eigentlich eine gute Idee, da könnte ich auch noch "Nightwatch" - Original und Remake - in einem Aufguss rezensieren. Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...