Mittwoch, 14. November 2012

Todesparty 2 (1989)

Einige der größten Hollywood-Stars haben ihre Karriere mit Horrorfilmen begonnen, die sie heute vermutlich gern von ihrer Filmografie streichen würden. Man denkt da an Tom Hanks ("Panische Angst", 1980), Holly Hunter ("Brennende Rache", 1981) oder Kevin Bacon ("Freitag der 13.", 1980) - wobei ich persönlich mir hundertmal lieber einen Slasherfilm wie "Panische Angst" anschaue als fünf Minuten von "Forrest Gump".
Wie dem auch sei, Superstar und Ex-Sexiest Man Alive (nicht meine Meinung, aber offenbar die der meisten Frauen) Brad Pitt hat auch so einen Film auf der Liste, und das ist TODESPARTY 2 (Cutting Class). Der deutsche Titel suggeriert ein Sequel, aber der Film ist mit "Todesparty" (Slaughter High, 1986) weder verwandt noch verschwägert. 

Gestorben wird allerdings reichlich in diesem Spät-Slasher, der ohne Frage zum Bodensatz des Genres zählt. Ende der 80er war die Zeit der maskierten Killer eigentlich schon vorbei, und so wirkt TODESPARTY II wie ein müder, überflüssiger Aufguss von ohnehin schon nicht sonderlich originellem Material. Da in den 80ern der Horror-Trend eher in Richtung Parodie ging, wird in TODESPARTY 2 so viel (dämlicher) Humor eingebaut, dass er in einigen Filmlexika als Komödie gelistet wird.

Der Inhalt ist schnell erzählt: ein hübscher Teenager (nein, nicht Pitt, sondern Donovan Leitch) wird aus der Psychiatrie entlassen (was der örtlichen Tageszeitung übrigens eine Schlagzeile auf der Titelseite wert ist!) und versucht, sein Leben wieder in den Griff zu kriegen. Die Highschool ist aber nicht der richtige Ort, um irgendwas in den Griff zu kriegen, weshalb dort schon bald Mord und Totschlag auf dem Stundenplan stehen. Steckt unser verwirrter Held hinter den Morden des vermummten Killers?

Brad Pitt spielt hier nicht die erste, sondern die zweite Geige, ist neben Leitch der Hauptverdächtige und streitet sich den gesamten Film mit ihm um die Gunst der reizenden Jill Schoelen, die in vielen Horrorfilmen der 80er ("The Stepfather", 1987) die Heldin spielte und immer eine klasse Sympathieträgerin abgab. Dass sie sich hier zwischen einem Psychopathen (Leitch) und einem jungen Rebell - sprich: Arschloch (Pitt) entscheiden muss, das hat sie wahrlich nicht verdient und lässt berechtigte Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der von ihr gespielten Figur aufkommen. Alle drei Schauspieler sind besser als Drehbuch und Regie es verdient hätten, wobei Pitt hier mehr Aufmerksamkeit auf sein Äußeres als eine darstellerische Leistung legt. Die homoerotische Spannung zwischen Pitt und Leitch (bzw. den Charakteren), die keinen Sportunterricht absolvieren können, ohne sich an die Wäsche zu gehen,  wird vom Film nie auslotet, weil er a) sich ihrer gar nicht bewusst und b) mehr damit beschäftigt ist, dumme Gags und Mordszenen langweilig aneinanderzureihen.

In TODESPARTY 2 gibt es praktisch keinen einzigen Moment, der wirklich spannend wäre. Der Film wirkt billig und schludrig, und die 'Musikuntermalung' vom Synthesizer ist einfach nur grauenvoll. Die Morde sollen originell sein, sind aber überwiegend unglaubwürdig und/oder an den Haaren herbeigezogen. So wird jemand mit dem Gesicht voran auf einen Kopierer gedrückt (und stirbt an... was genau?), andere enden mit einer Axt im Schädel, werden mit Pfeil und Bogen erlegt oder - der 'Höhepunkt' der Kreativität - auf einem Trampolin von einer US-Flagge aufgespießt. Ein politischer Kommentar? Kaum. Dabei ist TODESPARTY 2 nicht mal für Splatterfans interessant, weil die Morde weitgehend unblutig bleiben.
Zusammenhalten soll das alles die Frage, ob nun Leitch oder Pitt hinter den Morden steckt. Am Ende ist man dann schlauer, aber ganz ehrlich, es hätte jeder von beiden sein können, oder auch der Hausmeister, der Butler oder der Gärtner, es spielt überhaupt keine Rolle. Wahrscheinlich ist der Täter am Schreibtisch ausgewürfelt worden.

So werden Talente verschwendet und ein Genre, das ohnehin nicht den besten Ruf genießt, gänzlich in den Dreck gezogen. Mir fällt - außer für Hardcore Pitt-Fans - überhaupt kein Grund ein, sich diesen Murks anzutun, es sei denn, man möchte Roddy McDowall dabei zusehen, wie er als notgeiler Rektor den jungen Schulmädels hinterhergafft und vollkommen am Film vorbeispielt. Den Preis fürs Overacting bekommt er trotz redlicher Bemühungen nicht, der geht nämlich an Martin Mull. Mull spielt Jill Schoelens Vater, der auf einem Jagdausflug schwer verwundet wird und den gesamten Film über (in einer bizarren Parallelhandlung, die mit Sicherheit lustig sein soll) vor sich hinblutet, während er versucht, nach Hause zu kommen. Haha. Wahrscheinlich dachten er und McDowall, dass sowieso niemand TODESPARTY 2 sehen würde. Dass ausgerechnet einer der Hauptdarsteller so ein Mega-Star werden sollte, weshalb TODESPARTY 2 immer noch die Runde macht, das nennt man dann wohl 'dumm gelaufen'. Findet bestimmt auch Brad Pitt.

02/10


Kommentare:

  1. Als unfreiwillig komischen Trash habe ich "Todesparty 2" in all den vielen Jahren schon hin und wieder ausgebuddelt. Eine weitere Art Publikum als die Hardcore-Pitt-Fans gibt es also sehr wohl. Dass er als ernstzunehmender Film scheitert ist jedoch nicht von der Hand zu weisen.

    Warum Stars sich für Filme wie diesen schämen sollten verstehe ich im übrigen nicht, dürften sie doch stolz darauf sein, dass ihnen relativ große Rollen in so frühen Jahren angeboten wurden. George Clooney schämt sich laut eines Interviews zum Glück auch nicht für sein Mitwirken an "Die Rückkehr der Killertomaten". So ein spätes Fremdschämen wäre doch geheuchelter als es ein "Forrest Gump", der übrigens sehr zu empfehlen ist, je sein könnte.

    Klingt jetzt sehr nach schimpfen, aber die Besprechung gefällt mir. :)

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  2. Es gibt wahrscheinlich auch Hardcore-Jill-Schoelen-Fans, immerhin war sie ja schon eine Scream Queen der 80er (und wirklich gut im "Phantom der Oper" und "When a Stranger Calls Back"). Leider hat sie sich aus dem Geschäft zurückgezogen. Filme wie der o.g. haben ihrer Karriere aber auch nicht geholfen. :-(

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