Montag, 19. November 2012

The Drifter (1988)

Nachdem Glenn Close in "Eine verhängnisvolle Affäre" (1987) Michael Douglas' Kaninchen in den Kochtopf steckte und der Thriller zum Welterfolg und Tagesgespräch wurde, mussten andere Produzenten nachziehen. Alsbald wurde der außereheliche One Night Stand im Kino als Schreckensereignis auserkoren, das stets schicksalhafte Folgen nach sich zog. Die Formel wurde dabei kaum variiert. In THE DRIFTER (The Drifter) wechseln lediglich die Geschlechterrollen. Soll niemand behaupten, dass Hollywood nicht originell sein kann!

Die schöne Kim Delaney hat hier alles, was frau sich wünscht, bzw. sich wünschen soll - einen erfolgreichen Beruf als Modedesignerin, einen attraktiven Freund, eine beste Freundin und ein eigenes Apartment. Dass sie eine Vorliebe für Psychopathen hat, zeigt die Besetzung ihres Freundes mit Timothy Bottoms, dem irren Massenmörder aus "Achterbahn" (1977). Da Delaney keine ganz feste Bindung eingehen und auf eigenen Füßen stehen möchte, muss der Film sie nun umgehend dafür bestrafen. Also nimmt sie einen mysteriösen Anhalter (Miles O'Keefe) mit, verbringt eine heiße Nacht mit ihm in einem Motel und verabschiedet sich auf Nimmerwiedersehen. Der Anhalter gibt aber nicht so schnell auf und stellt ihr nach. Bald schon ist die beste Freundin tot, und Delaney muss sich der Tatsache stellen, dass ihr Aufriss ein Psychopath ist - oder etwa doch nicht?

Man muss es THE DRIFTER lassen, dass er zumindest im letzten Akt durch einige wenige überraschende Wendungen versucht, das bekannte Schema zu verlassen. Das macht die Sache aber nicht viel besser. Dem Vorbild "verhängnisvolle Affäre" wurde gemeinhin Frauenfeindlichkeit unterstellt, weil er die arbeitende Single-Frau als Höllenmonster zeichnete. THE DRIFTER bemüht sich, die arbeitende Singlefrau als Opfer männlicher Kontrollsucht darzustellen, nur geht der Schuss nach hinten los, weil wir dadurch eine passive Heldin haben, die sich nicht nur nie selbst zu helfen weiß und sich ahnungslos in tödliche Gefahren begibt, sondern die sich auch noch am Ende (Vorsicht, Spoiler! - Wenn Sie vorhaben, den Film noch zu sehen - auch wenn ich nicht wüsste, warum - bitte nicht weiterlesen) ausgerechnet dem Kerl an den Hals schmeißt, vor dem sie die ganze Zeit Todesangst hatte, und das nur, weil er sich plötzlich als Beschützter aufspielt. Merke: Frauen können sich ja gerne beruflich verwirklichen und - wenn's sein muss - auch wählen dürfen, aber wenn es ums körperliche Wohl geht, muss ein Mann her, am besten einer mit Muckis und ordentlich was in der Hose.
Die Botschaft an die Männer ist auch nicht besser: Wenn Frauen 'Nein' sagen, meinen sie eigentlich: 'Stell' mir ruhig so lange nach, ruf an und belästige mich, bis ich meine Meinung vielleicht ändere'. Dann mal los.  

Diesen modernen Neandertaler spielt Miles O'Keefe mit der ihm eigenen Ausdruckslosigkeit, die er schon als "Tarzan, Herr des Urwalds" (1981) unter Beweis stellte. Er sieht aus wie das Fleisch gewordene Cover eines Barbara Cartland-Romans, trägt eine Wallemähne, fährt Motorrad und kennt sich beim Sex aus, hat aber Null Persönlichkeit. Ist es das, was Frauen wollen, oder will uns der Film das nur weismachen? Kim Delaney, die nicht zu den schlechtesten Schauspielerinnen gehört, hat sicher etwas Besseres verdient als diesen Macho aus dem Quelle-Katalog. Durch O'Keefe bekommt der Film aber immerhin einen gewissen Trash-Charme, auch wenn er sich dafür nicht viel kaufen kann.

Was den Thriller angeht, der ist nur streckenweise interessant oder spannend, er plätschert die meiste Zeit ganz unterhaltsam vor sich hin. THE DRIFTER ist eine Billig-Produktion, die auf einen erfolgreichen Zug aufspringen möchte, bleibt aber durchweg bieder und mag nicht einmal mit freizügiger Erotik schockieren. Das Mikro hängt gelegentlich im Bild, und die Ausstattung ist so minimal, dass man nicht einmal das Apartment unserer Hauptdarstellerin glaubt, weil es aussieht, als hätte man schnell ein paar Bretter zusammengetackert. THE DRIFTER erschien bei uns nur auf Video und ist bislang nicht als DVD erhältlich. Muss auch nicht sein, solange Meisterwerke wie "Die Wendeltreppe" (1945) noch nicht erhältlich sind.

03/10

Kommentare:

  1. Und Deadly Games, die Kevin-Horror-Variante mit dem bösen Weihnachtsmann, hat es auch noch nicht auf DVD geschafft! Ist schon manchmal ärgerlich!

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