Sonntag, 4. November 2012

Halloween 4 (1988)

Nachdem von Michael Myers in "Halloween 3" (1982) nicht viel bis gar nichts zu sehen war und der Film sich als kompletter Flop erwies, mussten die Fans der "Halloween"-Reihe einige Jahre warten, bis HALLOWEEN 4 (Halloween IV - The Return of Michael Myers) in die Kinos kam. Der Slasher-Boom war zu dieser Zeit schon so gut wie durch, und der Film kommt trotz einiger guter Ansätze nicht übers Mittelmaß hinaus.

Wieder haben wir es mit einer sensationellen Auferstehung zu tun, wie sie im Horrorgenre an der Tagesordnung steht. Michael hat die gigantische Explosion am Ende von "Halloween 2" (1981) also überlebt, und sein Augenlicht hat er auf wundersame Weise auch wieder gefunden. Nun soll er unter strenger Bewachung aus einem Sanatorium verlegt werden. Das geht selbstverständlich schief, und schon ist Michael wieder auf freiem Fuß, mordet sich direkt nach Illinois, wo seine Nichte Jamie (Danielle Harris) in einer Pflegefamilie lebt. Auf seinen Fersen ist der unvermeidliche Dr. Loomis (Donald Pleasence), der das Feuer seinerzeit ebenfalls überlebt hat - ob der auch übermenschliche Fähigkeiten besitzt?

Was Regisseur Dwight H. Little  ("Phantom of the Opera", 1989) und sein Autor absolut richtig machen ist die Entscheidung, den missglückten Teil 3 einfach zu ignorieren und nahtlos an den 2. Teil anzuschließen. HALLOWEEN 4 bemüht sich dabei ernsthaft, die Geschichte fortzusetzen und dabei John Carpenters Original mit einzubeziehen. So werden mehrere von Carpenters Szenen wiederholt, bzw. variiert (Myers' Nichte Jamie wird in der Schule gehänselt, Jamie trägt das gleiche Halloween-Kostüm wie der junge Myers zu Beginn des Originals, etc.), und die ursprünglichen Charaktere werden mehrfach erwähnt. Jamie Lee Curtis wurde für dieses Sequel angefragt, aber ihre Karriere befand sich gerade auf dem Mainstream-Höhepunkt, man kann also die Absage verstehen. Dafür steht Donald Pleasence wieder zur Verfügung, der zur "Halloween"-Reihe dazu gehört wie Michael Myers selbst. Allerdings wirkt es schon unfreiwillig komisch, dass der arme Mann offenbar seit zehn Jahren nichts anderes zu tun hat als alle Welt davon zu überzeugen, Michael sei Mensch, sondern das pure Böse. Seine Rolle hält leider keine Überraschung mehr bereit, und eigentlich könnte man auch auf ihn verzichten (für die Handlung ist er ohnehin nicht wichtig). Trotzdem schön, ihn zu sehen (außer ganz am Ende, wenn er overacted, als gäbe es kein Morgen).

Positiv lässt sich vermerken, dass sich HALLOWEEN 4 um Spannung und Suspense statt Splatter oder albernen Humor bemüht, was ihn - gerade zu seiner Zeit - angenehm altmodisch erscheinen lässt. Die berühmte Carpenter-Musik wird von dessen Partner Alan Howarth sparsam und an den richtigen Stellen eingesetzt, und die letzte halbe Stunde des Films, in der sich die wenigen Überlebenden im Haus verschanzen und Michael Myers die kleine Nichte über Hausdächer und durch leere Schulzimmer jagt, sind angemessen nervenzerrend. Ansonsten aber fehlt Dwight H. Little leider doch das Talent eines John Carpenter. Seltsamerweise verzichtet der Film auf dessen raffinierte Cinemascope-Bildkompositionen und präsentiert dafür eine überwiegend flache Fernseh-Ästhetik. Das geringe Budget kann dafür keine Entschuldigung sein, denn Carpenter stand für das Original viel weniger Geld zur Verfügung. Es ist eher ein Trend der 80er, der sich hier gegen den Film wendet.

Zudem fehlt auch echte Originalität (kein Wunder bei einem Teil 4). Die inhaltlichen Abläufe sind zwar in sich stimmig, hat man aber irgendwie alle schon mal gesehen, sei es die Verbarrikadierung der Überlebenden oder der schlussendliche Austausch des Bösen. Im Grunde könnte man HALLOWEEN 4 auch als Remake von Teil 1 bezeichnen. Er beginnt mit einem fehlgeschlagenen Krankentransport, schildert die Ereignisse der Halloween-Nacht und endet mit einem erschossenen Myers, der nicht richtig tot ist. Alles wie gehabt. Da der Film mehrfach darauf hingewiesen hat, dass Myers nicht sterben kann, ist natürlich ein passendes Ende schwer zu finden, also belässt es Dwight Little einfach dabei, ihn von der Polizei durchsieben zu lassen (was noch nie geklappt hat), es spielt ja doch keine Rolle.

Auf den moralischen Zeigefinger kann HALLOWEEN 4 leider auch nicht verzichten. So endet eine vollbusige Blondine, die unserer Heldin den Lover ausspannen will,  mit einem Gewehrlauf in der Bauchhöhle, und dem fremdgehenen Freund wird das Genick gebrochen. Nur die moralisch Aufrechten, die auch mal ein Date absagen, um der Stiefschwester ein Halloween-Kostüm zu besorgen, dürfen weiterleben. Den unfreiwillig komischsten Moment erlebt Kinderdarstellerin Danielle Harris, die sich ein Foto ihrer Filmmutter Jamie Lee Curtis ansieht und wie aufs Stichwort einen Heulkrampf bekommt. Das kann man doch nachvollziehen. Wo ist Jamie Lee, wenn man sie wirklich braucht?

Trotz seiner Schwächen und Ermüdungserscheinungen ist Teil 4 um Welten besser als die folgenden Teile 5 und 6. Immerhin konnte er das Franchise wieder aufleben lassen, das nach Teil 3 totgeglaubt war (so wie Michael). Erst "Halloween H20" (1998) sollte mit der Rückkehr von Jamie Lee Curtis in der Rolle, die sie zum Star machte, der Reihe zu wenigstens ein bisschen neuem Glanz verhelfen.

6.5/10

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