Sonntag, 25. November 2012

Ausflug in das Grauen (1981)

Der schlechteste Slasher aller Zeiten?
Auf jeden Fall ist er nah dran. Am besten kann man diesen Beitrag so beschreiben: Hätte Edward Wood jr. in den 80ern noch gelebt und Slasherfilme gedreht, würden sie so aussehen wie AUSFLUG IN DAS GRAUEN (Don't Go in the Woods...Alone!). 
Die Zensurbehörden in Deutschland und Großbritannien haben in den 80ern jedenfalls ganze Arbeit geleistet, als sie den Film auf die schwarze Liste setzten und aus dem Verkehr zogen. Hierzulande ist AUSFLUG IN DAS GRAUEN bis heute wegen Gewaltverherrlichung beschlagnahmt. Das ist der einzige Grund, warum sich ein kleiner Fankreis gefunden hat und wir überhaupt noch ein Wort über ihn verlieren. Andernfalls wäre er in der Versenkung verschwunden, wo er hingehört, und niemand würde sich an diesen amateurhaften Quark erinnern.

AUSFLUG IN DAS GRAUEN entstand auf dem Höhepunkt der Slasher-Welle Anfang der 80er, als es scheinbar reichte, ein paar Laiendarsteller in die Wälder zu schicken und dort von einem Irren abmurksen zu lassen. Irgendwo in den Bergen und Wäldern Utahs geht also ein primitiver Massenmörder im Fellrock um, der Wanderer, Landschaftsmaler, Picknicker und Camper abschlachtet. Und da hat er alle Pranken voll zu tun, denn in dieser Bergregion geht es zu wie auf einem Bahnhof zur Weihnachtszeit (oder für Berliner: wie an jedem beliebigen Wochentag auf dem S-Bahnsteig).

AUSFLUG IN DAS GRAUEN wurde von James Bryan als Independent-Produktion zusammengeschustert und erfüllt gerade einmal die minimalsten Anforderungen an einen Spielfilm - soll heißen, er dauert ca. 90 Minuten. Ansonsten wird man als Zuschauer mit grässlicher Musikuntermalung berieselt, Charaktere werden nicht entwickelt, sondern tauchen unvermittelt auf und werden in regelmäßigen Abständen blutig ermordet, wobei die Spezialeffekte so preiswert sind, dass sie eher lächerlich wirken. Die Montage ist gelegentlich so schlecht, dass ein Bild nicht zum anderen passt, und es wechseln sich Tag und Nacht innerhalb ein- und derselben Szene fröhlich ab.
Dass die Prüfstellen Schaum vorm Mund bekamen, liegt vermutlich nicht an den Splatter-Effekten, die kein Kleinkind um den Schlaf bringen, sondern am vorherrschenden Zynismus, der vielleicht nicht einmal beabsichtigt war, sondern eher der allgemeinen Inkompetenz entsprang. Da wird z.B. ein Rollstuhlfahrer, der sich - warum auch immer - in die Berge verirrt hat und von 'lustiger' Musik begleitet wird (weil Menschen mit Körperbehinderungen immer für einen Lacher gut sind?) im Vorbeirollen enthauptet, und eine junge Mutter segnet blutig das Zeitliche, während ihr Baby zuschaut. Am Ende stürzen sich dann die letzten Überlebenden auf den Killer und hauen und stechen so lange auf ihn ein, bis er selbst nur noch ein Häufchen Matsch ist. Ob damit ein Kommentar abgegeben werden soll über eine Gewaltbereitschaft oder Urinstinkte, die außerhalb der Zivilisation und unter Extrembedingungen ausbrechen, das wage ich zu bezweifeln, aber Selbstjustiz war noch nie gern gesehen bei den Damen und Herren Filmprüfern.

Als eine Wanderin auf der Flucht vor dem Killer ausgerechnet in dessen zusammengezimmerter Behausung im Wald Schutz sucht, wird sie in der Enge eines Raums dahingemetzelt,  während ein sonnendurchflutetes Fenster ein mögliches Entkommen suggeriert. Das ist die einzige Szene des Films, in der so etwas wie künstlerische Inspiration durchschimmert. Sie ist unangenehm anzuschauen - nicht wegen der Gewalt, sondern wegen der Aussichtslosigkeit und des klaustrophobischen Settings.

Stephen Thrower, Autor des Standardwerks über das amerikanische Independent-Kino, "Nightmare USA",  bejubelt AUSFLUG IN DAS GRAUEN, weil der Film radikal auf rudimentärste Plot-Elemente verzichtet und dem Publikum das gibt, was es offenbar verlangt - eine fortwährende Aneinanderreihung blutiger Morde. Diese Argumentation hat etwas für sich, und man kann den Film tatsächlich subversiver und ehrlicher finden als die klapprigen Handlungsgerüste 'seröserer' Slasher, die zwischen den Mordszenen nur so tun, als hätten sie etwas zu erzählen. Man kann AUSFLUG IN DAS GRAUEN aber auch schlicht zu Trash erklären, der leider nicht einmal in die 'so schlecht, dass er schon wieder gut ist'-Schublade passen will. Er gleicht eher einer Jahrmarkts-Freakshow und ist als solche ein Guilty Pleasure. Man sieht ungläubig zu und staunt, mit wie wenig Mitteln und Verstand ein Film entstehen konnte.
Dass heute noch Special Editions von AUSFLUG IN DAS GRAUEN auf den Markt kommen, dafür sind ironischerweise ausgerechnet die verantwortlich, die ihn gern komplett beseitigt hätten. Insofern gebührt James Bryan ein Sonderapplaus. Wer zuletzt lacht, lacht immer am besten.

03/10

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