Samstag, 17. November 2012

Ameisen! (1977)

Ich erinnere mich noch gern zurück an die frühen 80er, als die ARD eine Katastrophenfilm-Reihe zeigte, in der neben bekannten Klassikern wie "Erdbeben" (1975) auch weniger bekannte Titel liefen, so auch der amerikanische TV-Film AMEISEN (Ants! / It Happened at Lakewood Manor), der bei mir heftiges Kribbeln auslöste (er lief übrigens unter dem Titel "Hotel des Todes"). Ich weiß, der Film ist nicht gut, aber als ich ihn jüngst wieder sah, überfiel mich tatsächlich erneut dieses unangenehme Gefühl. Wer mag es schon, wenn tausende Ameisen über die nackte Haut krabbeln - außer ein paar S/M-Anhängern, womöglich.

AMEISEN (der auf Video den schönen Untertitel "Die Rache der schwarzen Königin" trägt, welche aber im Film überhaupt nicht vorkommt) erzählt von einem Hotel am See, das von der im Rollstuhl sitzenden Myrna Loy geführt wird. Die soll das Hotel an einen schmierigen Geschäftsmann verkaufen, dessen schöne Assistentin von Suzanne Somers gespielt wird. Somers dürfte einigen Nostalgikern noch als Chrissy aus der Sitcom  "Herzbube mit zwei Damen" (Three's Company) in Erinnerung sein. Neben dem Hotel wird gerade gebaut, und die Baggerarbeiten setzen Millionen von Ameisen frei, deren Bisse aufgrund chemischer Abfälle tödlich sind. Bald schon wird das Hotel von den Krabblern belagert...

AMEISEN gehört zum damals beliebten Genre des Tierhorrors, hält sich aber vom Ablauf her dicht an das Szenario einschlägiger Katastrophenfilme, insbesondere "Flammendes Inferno" (1974). Hier wie dort bahnt sich das Grauen langsam an, bis dann die letzten Eingeschlossenen, die sich im obersten Stockwerk verschanzt haben, mit waghalsigen Rettungsaktionen daraus befreit werden müssen. Diese Aktionen gehen mal gut, mal schief, sorgen aber für einige Abwechslung. Natürlich kann sich AMEISEN nicht wirklich mit einem Multimillionen-Blockbuster messen, aber für seine Verhältnisse fällt er ziemlich gut aus. Die Handlungsstränge laufen wie üblich auf Seifenopern-Niveau ab, sind aber solide gespielt und erinnern an eine gute Folge aus dem "Denver-Clan".

Neben Hollywood-Altstar Myrna Loy wirken noch Bekannte wie Bernie Casey, Brian Dennehy, Linda Day George und Robert Foxworth als kerniger Held mit. Foxworth ist - das sage ich immer wieder gern - einer meiner Lieblingsdarsteller aus den 70ern. Er hat schon gegen mutierte Kaulquappen in "Die Prophezeiung" (1979) gekämpft und sich in "Damien - Omen II" (1978) mit dem pubertierenden Satan persönlich verbündet. Mit seinen stahlblauen Augen und der tödlichen Intensität ist er genau der zupackende Typ, den man sich wünscht, wenn Ameisenscharen über einen herfallen - mal abgesehen von der Tatsache, dass er überhaupt erst für die Ameisen-Armee verantwortlich ist, weil er wie ein Besessener in der Baggergrube herumschaufelt, nachdem ihm keiner glauben mag, dass die Ameisen für die Todesfälle im Hotel verantwortlich sind.

Da es sich hier um ein TV Movie handelt, ist der Splatterfaktor selbstverständlich nahe Null. Ein kleiner Junge hüpft in den Müllcontainer und kommt - von Ameisen bedeckt - wieder heraus, ein spanischer Koch wird beim Sahneschlagen erwischt, und die arme Suzanne Somers wird von den Ameisen zerbissen, nachdem sie mit ihrem potthässlichen Widerling von Boss in die Laken gehüpft ist und auch noch so tun musste, als würde sie auf das Ekelpaket stehen. Man fragt sich, welches Schicksal schlimmer ist. Der Chef stürzt sich am Ende drei Stockwerke tief in den Swimmingpool, um sich von den Ameisen zu befreien. Der Pool ist aber leider leer. Shit Happens.

Lobenswert ist hier - ähnlich wir im Kultfilm "Mörderspinnen" (1977) - der überzeugende Einsatz echter Ameisen, mit denen es sicherlich kein einfacher Dreh war. Zwar sehen mit zunehmender Anzahl die Viecher verdächtig wie schwarz gefärbte Reiskörner aus, aber das Finale kann einem schon das große Kribbeln bescheren. Da müssen die drei letzten Überlebenden still dasitzen und durch gerollte Tapetenstücke atmen, während die Ameisen in wirklich großen Stückzahlen über sie drüberkrabbeln. Das macht nicht jeder Schauspieler mit. Unfreiwillig komisch wird es dann, wenn die Rettungsmannschaft dazukommt und erst mal das Zimmer und die Protagonisten mit Insektenvertilgungsmittel einnebelt. ich bin kein Wissenschaftler, aber ob das so gesund ist?

Das große Problem des Films ist natürlich - machen wir uns nichts vor - dass Ameisen per se nicht bedrohlich wirken. Und man fragt sich schon, warum die Eingeschlossenen sich nicht einfach hundert Klamotten überwerfen (die in einem Hotel nicht schwer aufzutreiben sind) und mal eben schnell aus dem Haus rennen, um sich draußen von der Feuerwehr abspritzen zu lassen - so wie die es mit den Gaffern macht, die durch den Staub, den ein eintreffender Hubschrauber aufwirbelt, mit Ameisen bombardiert werden. Aber was soll's? Würden sich Filmfiguren immer intelligent verhalten, gäbe es wahrscheinlich nur zwei bis drei Horrorfilme pro Jahr.

Wie gut oder schlecht ein Vertreter des Tierhorrors ist, muss jeder für sich danach entscheiden, wie sehr es ihn persönlich beim Anblick der Biester gruselt. Da ich Krabbeltiere nicht besonders mag (bei Schlangen, Ratten und Fröschen habe ich keine Probleme), geht mir ein Film wie AMEISEN schon unter die Haut. Insofern hat der Film sein Ziel bei mir erreicht. Empfehlen würde ich ihn deswegen nicht.

07/10 (keine objektive Wertung)

Kommentare:

  1. Als ich "Ameisen" als Kind sah, glaubte ich nachts aufgrund des dämlichen Musters lauter Ameisen auf dem Teppich meines Kinderzimmers zu sehen. Das war eine schlaflose Nacht. Als Jugendlicher lieh ich mir den Streifen in der Videothek aus und war zu Tode gelangweilt. Ich habe keine Ahnung wie er mir heutzutage gefallen würde, werde dies aber sicherlich mal testen wenn er mir im Fernsehen oder auf dem Flohmarkt vor die Füße läuft. :)

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  2. Ha, das mit den Teppichmustern kenne ich nur zu gut. :-)) Als ich in der Kindheit "Mörderspinnen" sah, hatte ich gerade ein Puzzle in Arbeit, und auf dem Teppich vor meinem Bett lagen lauter schwarze Teile herum. Kein Witz, ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan. Wahrscheinlich habe ich den Film deshalb in so wohliger Erinnerung. Schön, dass ich kein Einzelfall bin. Bei "Ameisen" war ich überrascht, wie gut er mir wieder gefiel, aber man darf wirklich nichts erwarten.

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