Freitag, 12. Oktober 2012

Re-Animator (1985)

Und da sind wir auch schon wieder im schönen Splatterbereich, bei einem der kultigsten und besten Horrorfilme der 80er, Stuart Gordons RE-ANIMATOR (Re-Animator). Der Film basiert auf H.P. Lovecrafts "Herbert West, Re-Animator" und schildert die Erlebnisse des skurrilen Medizinstudenten Herbert West (Jeffrey Combs), der ein leuchtend grünes Serum entwickelt hat, mit dem man kürzlich Verstorbene wieder zum Leben erwecken kann. Das Dumme ist nur, dass die Toten nicht so recht kontrollierbar sind und zu blutrünstigen Zombies mutieren. Und dann ist da auch noch Wests Widersacher Dr. Hill (David Gale), der zu gern das Serum an sich bringen möchte, um den wissenschaftlichen Ruhm abzusahnen...

Herzlich Willkommen zu einer der absurdesten Splatterkomödien der Filmgeschichte! Im Stil von Sam Raimis "Tanz der Teufel" (1981) brennt Stuart Gordon mit seinem Kino-Erstling ein Feuerwerk an schwarzhumorigen Gags, absurden Einfällen und literweise Kunstblut ab, dass es die reine Freude ist. Da werden Augen ausgedrückt, Finger abgebissen, Menschen mit Gedärmen stranguliert, re-animierte Höllenkatzen mit dem Baseballschläger erlegt, und auf dem Höhepunkt wird die nackte Barbara Crampton auf einen Obduktionstisch geschnallt und vom Körper des re-animierten Dr. Hill belästigt, der ihr seinen abgetrennten, aber quicklebendigen und lüsternen Kopf zwischen die Beine drückt - was dem Begriff 'Giving Head' eine ganz neue Bedeutung verleiht!

Man sieht schon, geschmackvoll ist das alles nicht, und das ist auch gut so. Stuart Gordon ist ein junger Wilder, der sich wenig um Befindlichkeiten schert und seinen Weg geht, ebenso wie sein Held Herbert West, der genial von Jeffrey Combs interpretiert wird. West ist ein moderner Frankenstein, der nicht nur ein Monster, sondern gleich Dutzende erschafft und Mühe hat, diese wieder loszuwerden, denn was einmal re-animiert wurde, will so schnell nicht wieder zurück ins Totenreich.
Dass der schräge Mix nicht zur reinen Parodie verkommt, liegt vor allem am Ensemble, das den Stoff trotz ständiger Over the Top-Momente immer ernst nimmt und spielt, als ginge es um Shakespeare. Jeffrey Combs spielt gar so intensiv, dass man seinen Mad Scientist in jeder Minute glaubt, selbst wenn er den abgeschlagenen Kopf von Dr. Hill auf einen Quittungsspieß steckt, damit er nicht ständig umkippt und er sich besser mit ihm unterhalten kann (was medizinisch nicht so ganz akkurat ist). Das Drehbuch liefert dazu jede Menge guter One-Liner ("Seien Sie nicht albern. Wer glaubt schon einem sprechenden Kopf?"), und eine Liebesgeschichte zwischen Wests Studienkollegen (Bruce Abbott) und der reizenden Tochter des Dekans (Barbara Crampton) gibt es obendrein.

RE-ANIMATOR ist eine Low Budget-Produktion, der man den Mangel an Geld kaum anmerkt, weil er durch den puren Ideenreichtum wett gemacht wird. Unklar bleibt lediglich, warum Filmkomponist Richard Band Bernard Herrmanns "Psycho"-Score so dreist kopiert, dass man nicht mehr sagen kann, ob die Musik Hommage, Parodie oder Plagiat sein soll, denn inhaltlich gibt es keinerlei Referenzen zu Hitchcocks Werk. Wie vieles im Film ist aber auch das eine amüsante Irritation, die zum Spaß beiträgt.

Den vielleicht schönsten Einfall gibt es übrigens ganz zum Schluss, wenn Bruce Abbott seine verstorbene Geliebte re-animiert und Stuart Gordon es dabei belässt, das leuchtende Serum zu zeigen, das sich langsam aus der Spritze entleert, während die gesamte Umgebung im Schwarz versinkt. Es folgt nur noch ein markerschütternder Schrei der 'Erweckten'. Da hätte Mary Lambert, Regisseurin von "Friedhof der Kuscheltiere" (1987) mal genau hinschauen sollen, wie man trotz reichlich Gore im Film den größten Schrecken am Ende doch der Fantasie des Zuschauers überlassen kann.

RE-ANIMATOR war ein Überraschungshit, erhielt auch von 'seriösen' Filmjournalisten unerwartet gute Kritiken und entwickelte sich schnell zum Kult für Fans. Die mit Spannung erwartete Fortsetzung "Bride of Re-Animator" (1990), die von Effektespezialist Brian Yuzna inszeniert wurde und das Ende des Originals ignorierte, konnte leider trotz hohem Splatterfaktor und Jeffrey Combs nicht überzeugen, ebenso wenig wie der 2003 entstandene "Beyond Re-Animator". Stuart Gordon nahm sich nach RE-ANIMATOR einer weiteren Lovecraft-Geschichte an ("From Beyond", 1986), konnte danach aber weder inhaltlich noch finanziell je wieder an seinen Erstlingserfolg anknüpfen.

09/10

Kommentare:

  1. Vergiss nicht "Dagon", da hat Stuart Gordon noch einmal mit Produzent Yuzna einen Stoff nach Lovecraft verfilmt und das gar nicht mal schlecht.

    "Re-Animator" war für mich auch immer einen ganz großen Film. Die letzte Sichtung ist nun urig lange her und ich muss den UNBEDINGT noch mal sehen! Leider hoffte ich bei einer zukünftigen Neusichtung im Doppelpack, dass ich mich mit dem von mir nicht so beliebten "Bride Of Re-Animator" noch anfreunden könnte, aber wie man bei Dir liest war der wohl tatsächlich eine Gurke. Vorbei die Hoffnung meine Tagesform habe ihn damals schlechter sehen lassen als er wirklich ist. :/
    Wie würdest Du ihn denn im direkten Vergleich zu "Beyond Re-Animator" bewerten? Den fand ich auf gaaaaanz schlichte Art zumindest recht amüsant.

    AntwortenLöschen
  2. Ich habe den 'Re-Animator' auch ewig nicht gesehen, weil ich ihn mir irgendwann einfach übergesehen hatte. Das lag daran, dass er so oft gekürzt und/oder in miserabler Qualität zu bekommen war, dass ich so ziemlich jede Veröffentlichung mitgenommen habe, um ihn endlich mal vollständig und mit gutem Bild bewundern zu können, was ja heute kein Problem mehr ist. Das waren noch Zeiten...

    "Beyond Re-Animator" mochte ich überhaupt nicht, muss ich gestehen, den habe ich nicht mal bis zum Schluss geschafft. "Bride" fand ich beim ersten Sehen ganz ok wegen der Effekte und den Darstellern, aber im Vergleich stinkt er doch ganz schön ab. Ich mochte Gordons "Dolls" ganz gerne, und auch "Fortress" fand ich als Trash nicht schlecht. "Dagon" habe ich leider nicht gesehen, hole ich aber gerne nach.
    Gruß von Mathias!

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...