Sonntag, 14. Oktober 2012

From Beyond (1986)

Mit so ziemlich demselben Team und den Darstellern seines Überraschungshits "Re-Animator" (1985) inszenierte Stuart Gordon gleich im Anschluss FROM BEYOND - ALIENS DES GRAUENS (From Beyond), der erneut auf einer Kurzgeschichte H. P. Lovcecrafts basiert. Zwar konnte der Nachfolger nicht an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen, dennoch ist Gordon ein weiterer eigenwilliger, höchst unterhaltsamer Beitrag zum Thema Body Horror gelungen.

Aliens sind unentwegt unter uns. Das sollte eigentlich niemanden überraschen. Wer wie ich in Berlin lebt, sieht die schon, wenn er das Haus verlässt. In FROM BEYOND aber entwickelt der Wissenschaftler Dr. Pretorius (Ted Sorel) mit seinem Assistenten Tillinghast (Jeffrey Combs) den sogenannten 'Resonator' (nicht zu verwechseln mit dem 'Flux-Kompensator', das war ein anderer Film), der die Zirbeldrüse anregen soll, mit dem er aber in der Lage ist, die fremden Kreaturen wahrzunehmen, die uns täglich umgeben. Leider versuchen diese Geschöpfe, die Wissenschaftler in ihre Welt zu ziehen, was ihnen bei Dr. Pretorius auch gelingt. Er kehrt zurück als scheußlich-schleimiges Monster. Die neugierige Ärztin Dr. Katharine McMichaels (Barbara Crampton), die sich um Tillinghast kümmert, will das teuflische Experiment unterdessen wiederholen...

Weird Science lautet der Titel einer John Hughes-Komödie aus den 80ern, aber der würde auch gut zu FROM BEYOND passen. Stuart Gordon entwickelt sich hier endgültig zum Lovecraft-Spezialisten. Lovecrafts Werke sind schwierig für die Leinwand zu adaptieren, wofür es genügend gescheiterte Beweise gibt, doch Gordon gelingt es zum zweiten Mal nach "Re-Animator", den Geist der Vorlage wiederzugeben, auch wenn er sie lediglich als Absprung für ein alptraumhaftes Monster- und Kreaturen-Spektakel verwendet. Als Filmemacher bleibt er dabei immer eigenständig, trotz einiger Anspielungen auf Klassiker wie "Frankensteins Braut" (1935), von dem er sich den Namen Pretorius für seinen eigenen Mad Scientist borgt. Der Frankenstein-Mythos, den Gordon schon in "Re-Animator" beschwor, lebt auch in FROM BEYOND weiter.

Horror-Fans dürfen sich vor allem an den teils unglaublichen Effekten und an der Besetzung erfreuen. Jeffrey Combs, der ein unvergesslicher Re-Animator war, darf hier das Opfer der bizarren Experimente spielen und macht das auf seine ganz spezielle Art des Overactings. Dazu gibt es ein Wiedersehen mit Ken Foree, den wir alle noch aus "Dawn of the Dead" (1978) in wohliger Erinnerung haben ("When there's no more room in hell...") . Stuart Gordons Ehefrau Carolyn Purdy-Gordon gibt erneut ein Musterexemplar der Gattung 'bösartiges Miststück', das sie in mehreren Filmen des Ehemannes perfektionierte, aber den wohl nachdrücklichsten Auftritt hat Barbara Crampton, die schon zuvor nackt von abgetrennten Köpfen belästigt wurde und hier als zugeknöpfte Ärztin dank des 'Resonators' ganz neue Lustgefühle entdeckt, die spießigen Klamotten ablegt und sich in eine scharfe S/M-Domina in Lack und Leder verwandelt. Dafür erhielt sie prompt eine Nominierung als beste Darstellerin für den Saturn Award, ebenso wie der Film selbst und sein Makeup-Team. Crampton hat ohne Zweifel Starpotential. Man fragt sich, warum sie nie bekannter wurde. Wer eher auf männliche Erotik steht, kriegt Ken Foree in der klatschnassen Unterhose, während ein Alien an ihm herumknabbert. Ist aber kein Vergleich.

Interessant ist ein Vergleich der Filme Gordons mit denen des frühen David Cronenberg. Beide beschäftigen sich mit irregeleiteten Wissenschaftlern und den katastrophalen Folgen ihrer Experimente, die oft zu körperlichen Transformationen führen. Beide schrecken nicht vor Sex, Blut und Ekel zurück. FROM BEYOND ist dem ungefähr zeitgleich entstandenen "Die Fliege" (1986) sogar überraschend ähnlich. Der Ton der Regisseure ist allerdings ein komplett anderer. Wo Cronenbergs Filme unter die Haut gehen und eine philosophische Richtung einschlagen, bleiben Gordons Werke stets knallige Cartoons. Das macht sie sehr unterhaltsam, aber auch kurzlebiger und oberflächlicher.

Was in FROM BEYOND zusätzlich über weite Strecken fehlt, ist erstaunlicherweise der Humor, der "Re-Animator" so vergnüglich machte. FROM BEYOND nimmt sich trotz aller Absurditäten, Verwandlungen und Geisterbahnfahrten durchs Latex-Arsenal überraschend ernst, was es dem Publikum schwerer macht, den Film als Popcorn-Kino zu genießen. Im Vergleich mit dem Vorgänger bietet er auch kaum Identifikationsfiguren oder Sympathieträger mehr an. Aus diesen Gründen war FROM BEYOND vermutlich auch weniger erfolgreich. Unter Fans genießt er zwar einen guten Ruf, ist aber dennoch ein Geheimtipp geblieben. 2007 ist in den USA ein um einige Minuten längerer Director's Cut des Films erschienen.

08/10

Kommentare:

  1. Lebst du noch? Wann gibts endlich neue Reviews??? :-(

    AntwortenLöschen
  2. Ja, ich lebe noch, war durch Umzug und Arbeit vom Bloggen abgehalten. Heute gibt's aber eine neue Rezension. :-)

    AntwortenLöschen
  3. Herrlich! Mein Leben hat wieder einen Sinn! :-D

    AntwortenLöschen
  4. Im Ernst, dein Blog gehört zu meiner Feierabend-Routine, genau wie Musik und Zigarette...komme ich nach Hause, setzte ich mich hin, rauche eine,schalte Musik an und schau als erstes ob´s ne neue Rezension von Dir gibt :-) Bin ein Fan! :-D

    AntwortenLöschen
  5. Das ehrt mich, vielen Dank! Leider kann ich manchmal nicht so viel und regelmäßig posten wie ich möchte, weil ich das nur privat und nebenbei mache. Gruß von Mathias :-D

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...