Freitag, 26. Oktober 2012

Der unheimliche Mönch (1965)

Auf Schloss Blackwood, in dem ein Mädchenpensionat beherbergt wird, geht ein - Sie ahnen es - unheimlicher Mönch um, der sowohl junge Damen als auch Herren mittleren Alters mit der Peitsche ermordet. Gleichzeitig soll die Millionenerbin Gwendolin (Karin Dor) von ihrer feinen Verwandtschaft - darunter Ilse Steppat, Siegfried Lowitz und Dieter Eppler - um ihre Erbschaft gebracht werden, während die jungen Schulinsassinnen der Reihe nach entführt werden, um sie nach Südamerika zu verschiffen. Hängen diese Handlungsstränge etwa zusammen?

Natürlich tun sie das, denn sonst wäre DER UNHEIMLICHE MÖNCH kein 'echter' Wallace. Dieser 24. Film der Reihe stellt in verschiedener Hinsicht einen Wendepunkt dar. Er war der letzte Beitrag, der in Schwarzweiß gedreht wurde (und kann schon mit einem wunderbar knalligen Farb-Vorspann begeistern), und er sollte der letzte Film sein, in dem die bekannten Wallace-Gesichter Lowitz, Eppler und Dor zu sehen sein würden. Karin Dors Ehemann Harald Reinl übernahm hier die Regie, und auch für ihn war es der Abschiedsfilm der Wallace-Reihe. Eddi Arent darf in DER UNHEIMLICHE MÖNCH nur noch sehr zurückhaltend blödeln, weil seine Figur eine unerwartete Wendung erhält, die es so zuvor nicht in der Geschichte der Wallace-Produktionen gab. Seinen Slapstick-Part sollten ab sofort andere Kollegen wie Uwe Friedrichsen oder Stefan Behrens übernehmen, die ihm nicht das Wasser reichen konnten.

So gibt DER UNHEIMLICHE MÖNCH noch einmal alles, was die Schwarzweiß-Phase so unverwechselbar gemacht hat: nebelverhangene Wälder, unheimliche Gemäuer, einen Mörder im Kapuzenkostüm, blutjunge Mädels in Unterwäsche, sowie den coolen Ermittler (heute mal Harald Leipnitz) mit einem Handy der ersten Generation von der Größe eines Kleinwagens und angeschlossenem Trottel-Chef, welcher wie so oft von Siegfried Schürenberg verkörpert wird. Karin Dor gehörte stets zu den schönsten und sanftmütigsten Wallace-Heldinnen, und so schade es auch ist, dass sie sich auch im UNHEIMLICHEN MÖNCH stets von Männern retten lassen muss und nie selbst agieren darf, ist sie doch eine Augenweide und eine tolle Schauspielerin. Ihre böse Seite durfte sie kurz darauf mit rot gefärbten Haaren im James Bond-Spektakel "Man lebt nur zweimal" (1967) rauslassen, wo sie vom Erzschurken Blofeld zu Piranha-Futter verarbeitet wird. Mit Ilse Steppat als Schlossherrin befinden sich hier gleich zwei zukünftige Bond-Girls ('Girls' im weitesten Sinne) im Film. Mit interessanten Frauenrollen hat es die Wallace-Reihe ohnehin nicht so. Die weiblichen Charaktere interessieren sich allesamt nur für Lippenstifte, Kleider und ihren Friseur. Würde der Film heute gemacht, kämen sicher noch Schuhe dazu.

Harald Reinl setzt bei seiner Inszenierung auf Tempo und kann die Spannung über die meiste Zeit halten. Die Auftritte des Mönchs sind ein bisschen zu kurz geraten, um richtige Gruselstimmung aufkommen zu lassen, und man stellt wieder fest, dass es in den Wallace-Filmen nur selten bis gar keine Stille gibt, die für eine solche Schauer-Atrmosphäre nötig wäre. Es wird immer geredet, gekreischt oder geballert. Den Preis fürs heftigste Overacting sackt Hartmut Reck als irrer Sohn von Mylady Steppat ein, der beim Anblick von Karin Dor umgehend Schaum vorm Mund bekommt und sie am liebsten gleich vergewaltigen möchte... "wie damals". Die gestörte Mutter/Sohn-Beziehung von Steppat und Reck stammt aus dem "indischen Tuch" (1963) und natürlich von Hitchcock. Aus dessen Oeuvre wurden auch die Szenen um eine geheimnisvolle Windmühle, in der die Gangster ihr Unwesen treiben, übernommen, und natürlich die (naive) psychologische Schlusserklärung für den Wahnsinn des unheimlichen Kutten-Killers.

Auch die absurden Einfälle dürfen nicht fehlen. Dazu gehören ein Polizeihubschrauber, der eine Brieftaube verfolgt (!) und eine Wasserpistole, die mit Schwefelsäure (!!) geladen ist. Was für ein tolles Weihnachtsgeschenk für Kinder! Warum am Ende Leipnitz und Dor heiraten, die gerade mal drei Sätze im Film miteinander gewechselt haben, das weiß man auch nicht so recht, macht sich aber immer gut. Und ja, unter den Kleindarstellerinnen des Pensionats befinden sich unsere Uschi Glas (mit fremder Stimme), die bald größere Rollen bei Wallace spielen sollte, sowie Dunja Rajter, die Schlagersängerin mit der tiefen Jammerstimme, die Älteren von uns noch in Erinnerung sein dürfte. Beide werden beim Shopping in London entführt, um sie in die weiße Sklaverei zu verscherbeln, was von Inspektor Leipnitz verhindert wird - leider, möchte man fast sagen.

Zu einem 'Best of' der Reihe fehlt eigentlich nur Joachim Fuchsberger, aber auch so gehört DER UNHEIMLICHE MÖNCH zu den unterhaltsamsten und spannendsten Beiträgen der Reihe. Die folgenden Farbfilme orientierten sich übrigens stark an diesem letztem Film der frühen Ära und sollten schamlos sämtliche Plot-Elemente bis zum Erbrechen wiederkäuen.

08/10

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