Samstag, 27. Oktober 2012

Das Geheimnis der weißen Nonne (1966)

Für den 27. Edgar Wallace-Film gründete die Rialto eine Londoner Tochtergesellschaft, weswegen DAS GEHEIMNIS DER WEISSEN NONNE als deutsch-britische Co-Produktion (wie zuvor schon "Das Verrätertor" von 1964) etwas aus der Reihe herausfällt. So muss man auf den gewohnten "Hallo, hier spricht Edgar Wallace"-Vorspann verzichten und bekommt dafür ein höchst lahmes Titeldesign vorgesetzt, was nur durch Peter Thomas' Musik aufgepeppt wird. Dafür gibt es viele Originalschauplätze und international renommierte Darsteller zu bewundern.

Worum geht es? In London findet ein groß angelegter Bankraub statt, bei dem Goldbarren aus einem Panzerschrank erbeutet werden sollen. Die Drahtzieher finden sich in einer hochwohlgeborenen Familie, die ihren Landsitz an einen Nonnenorden vermietet haben. Gleichzeitig ermordet ein maskierter Killer abtrünnige Mitwisser und herumschnüffelnde Scotland Yard-Beamte. Die werden dann in der Badewanne oder im Taufbecken ertränkt. Inspektor Cooper-Smith (Stewart Granger) übernimmt den Fall und kriegt fortan jede Menge Mobiliar über den Schädel...

Das Gute zuerst: DAS GEHEIMNIS DER WEISSEN NONNE ist eine teure Produktion, und das sieht man auch. Regisseur Cyril Frankel inszeniert diesen Krimi in bester "Avengers" ("Mit Schirm, Charme und Melone")-Tradition, was sich sowohl an den ausgefallenen Sets, der schrägen Farbgebung und den ausgefallenen Kameraperspektiven zeigt. Die gab es auch zuvor unter Vohrer und Reinl, aber hier wirken sie eine Klasse besser und weniger aufdringlich. Da der Film komplett in England hergestellt wurde, braucht es diesmal keine getürkten Wohnzimmer mit Wildgeweihen an der Wand oder unheimliche Butler, die aus dem Uhrschrank springen, während Big Ben Mitternacht schlägt, um eine authentische Atmosphäre zu erzeugen. Überhaupt hält sich der Film mit Humor sehr zurück, was einerseits eine hübsche Abwechslung ist, andererseits wünscht man sich gelegentlich schon eine Auflockerung, die über harmloses Geplänkel des Inspektors mit der hübschen Rezeptionistin (Sophie Hardy) hinausgeht.

Dabei steht doch Eddi Arent wie so oft zur Verfügung. Zum letzten Mal übrigens, und nachdem er zuvor schon einen mordenden Mönch und einen Bordellbesitzer spielen durfte, wird er hier als abgebrühter Safeknacker-Spezialist eingeflogen, um den Tresor zu sprengen und dann formvollendet von den fiesen Nonnen abserviert zu werden. Arent spielt seinen Part sehr ernst und überzeugend, aber irgendwie möchte man ihn doch lieber blödeln sehen. Die spezielle Superwaffe, mit der er den Safe beschießt, erinnert eher an die Ausstattung des Raumschiffs Orion, und Arent trägt zum Schutz einen knallgelben Metall-Anzug, in dem er wie Klaatus Roboter Gort aus "Der Tag, an dem die Erde stillstand" (1951) aussieht. Wenn der Humor nicht freiwillig kommt, dann eben unfreiwillig.

Der Bankraub selbst ist aber spannend und intelligent in Szene gesetzt. Er findet weitgehend ohne Dialog statt und bietet ausgedehnten Suspense. Ein weiteres Highlight ist der überraschend brutale Zweikampf, den sich Stewart Granger mit einem vierschrötigen Handlanger gegen Ende liefert, und der mit Handkamera gefilmt ist, was im Rahmen der Reihe absolut ungewöhnlich ist.

Von den Darstellern zeigt Brigitte Horney als böse Obernonne die beste Darstellung. Stewart Granger langweilt sich ein wenig in seiner uninteressanten Ermittler-Rolle, in der er außer besagtem Faustkampf lediglich seinen Hut in der Hand herumdrehen und öde Fragen stellen muss. Schön ist das Wiedersehen mit Cathleen Nesbitt ("Familiengrab", 1976) und Robert Morley, die allerdings beide etwas verschenkt werden. Fürs Overacting ist diesmal Sophie Hardy als notgeile Hotelangestellte zuständig, die ihren Sexappeal stets für den dritten und vierten Rang mitspielt. Sogar, wenn sie sich allein in ihrem Zimmer entkleidet, benimmt sie sich, als würde sie vor einem johlenden Herrenpublikum im Stripclub agieren. Warum sie aber im Schlüpfer in die Badewanne steigt, das bleibt ihr süßes Geheimnis - oder das der Zensoren. Wenn sie später vom Killer verfolgt wird, steckt sie vor Panik die Hand in den Mund - eine sehr kluge Schauspielerentscheidung.
Als Sir John vom Yard ist erneut Siegfried Schürenberg zu sehen, dessen Szenen für die britische Version mit dem populären Schauspieler James Robertson Justice nachgedreht wurden - das ist der herrlich bärbeißige Griesgram, der sich in "16 Uhr 50 ab Paddington" (1961) in Miss Marple verknallt.

DAS GEHEIMNIS DER WEISSEN NONNE ist ein unterhaltsamer, solider Beitrag der Reihe, der mit einigen Glanzpunkten aufwarten kann, aber letztlich zwischen allen Stühlen sitzt. Für ein Caper-Movie konzentriert er sich nicht genug auf den Raub, für einen Psycho-Thriller ist der maskierte Mörder trotz "Psycho"-Auflösung viel zu nebensächlich, und für einen 'echten' Wallace (obwohl er einer ist) fehlen einfach die Trash-Elemente und die gewohnten Gesichter. Dafür gibt es den ersten nackten Busen der Reihe. Naja...

07/10

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