Sonntag, 16. September 2012

Sundown - Rückzug der Vampire (1989)

In dem kleinen Wüstenkaff Purgatory ist ganz schön was los. Dort leben Vampire, die sich den Rahmenbedingungen des modernen Zeitalters angepasst haben. Um sich vor der Sonne zu schützen, tragen sie Schirme und cremen sich mit Lichtschutzfaktor 100 ein. Statt Menschenblut trinken sie eine milchähnliche Ersatzflüssigkeit. Im Grunde genommen sind sie ganz friedliche Wesen - es sei denn, ein großmäuliger Tourist kommt vorbei und macht sich über die Tankstelleninhaber lustig, die wie Mitglieder von 'ZZ Top' aussehen, dann verlieren sowohl die Blutsauger als auch die Touristen (buchstäblich) schnell mal den Kopf.
Doch es bahnt sich Ärger an in dieser Western-Idylle, denn einige Abtrünnige wollen wieder zu den alten Traditionen zurück und Menschen aussaugen. Da sich auch noch ein Nachfahre des alten Vampirjägers Van Helsing (Bruce Campbell) gerade in der Stadt befindet, um die Vampire und deren Anführer (David Carradine) auszurotten, kommt es bald zum ultimativen Vampir-Showdown...

Regisseur Anthony Hickox inszenierte mit SUNDOWN - RÜCKZUG DER VAMPIRE (Sundown - The Vampire in Retreat) einen parodistischen Genre-Mix, in den er so ziemlich alles hineinwirft, was ihm gerade in den Sinn kommt: Western, Horror, Soap, Satire, Splatter, sprechende Fledermäuse, ein nackter Maxwell Caulfield, verzickte Blutsauger und nervende Gören. Das ergibt einen unterhaltsamen, leichtfüßigen Film, der aber trotzdem (oder deswegen) nie wirklich fesselt, weil die verschiedenen Stilmittel nicht zu einem befriedigenden Ganzen zusammenfinden und mehrere Längen im Anfangsteil den Erzählfluss bremsen.

Zu den Highlights gehört (natürlich) der Horror-erprobte Bruce Campbell als hübsch verklemmte Comic-Variante des großen Vampirjägers Van Helsing, der sich hier auf ganzer Linie geschlagen geben muss, gebissen wird und selbst zum Vampir mutiert. Überhaupt tummeln sich in Haupt- und Nebenrollen lauter bekannte und gern gesehene Gesichter des Genres, allen voran der unnachahmliche David Carradine als Vampirchef Jozek Mardulak (Scrabble-Fans dürfen dreimal raten, welcher Name sich dahinter wohl verbergen mag...), dazu Morgan Brittany (das schöne "Dallas"-Biest, das Bobby Ewing überfahren hat), die reizende Deborah Foreman, die unter Hickox' Regie schon in "Waxwork" (1988) mitwirkte, Maxwell Caulfield ("Waxwork II") als sexy Vampirlover, der nachts durchs Fenster geflogen kommt, Brendan Hughes ("Tödliche Lippen", 1988), sowie Dana Ashbrook, bekannt aus "Twin Peaks". Das gesamte Ensemble aus Jung- und Altstars ist mit Spaß bei der Sache, und das verleiht dem Film eine grundsympathische Ausstrahlung. Hickox' SUNDOWN ist ein Film für Fans von einem Fan, so wie "Waxwork" eine blutige Hommage an die Klassiker aus Hickox' Jugend war.

Dass das Spektakel nicht ganz funktioniert liegt vor allem an der ersten Filmhälfte, in der die vielen Figuren (zu) breit eingeführt werden und nicht klar wird, wessen Geschichte da eigentlich erzählt werden soll - eine Art "Unsere kleine Vampirstadt", wenn man so will. Auch das Tempo ist eher schleppend, von der genialen, oben bereits angesprochenen Kopf-ab-Szene mal abgesehen. In der zweiten Hälfte kommt SUNDOWN dann gottseidank in Fahrt und liefert am Ende einen Showdown, der nicht nur mit einigen hervorragenden Effekten und Masken punkten kann (auch wenn der Film auf Splatterebene insgesamt harmlos bleibt), sondern auch in bester Western-Tradition inszeniert ist.

Hickox' Versuch bleibt lobenswert, dem Genre neue Impulse zu geben, bzw. das angestaubte Bild des Film-Vampirs zu erneuern, selbst wenn der Film damit nicht weit kommt. Neben den parodistischen Zügen gelingt es ihm dazu, einige ernsthaftere Gedanken einzubringen. Der Aufstand der Vampir-Rebellen, die zurück wollen zu Mord und Totschlag, ist ein durchaus stimmiges Porträt der so genannten "Ewiggestrigen", die sich mit dem Wandel von Zeit und Gesellschaftsformen nicht abfinden können, frei nach dem Motto "Früher war alles besser" oder "Früher war mehr Lametta", wie Loriot es ausdrücken würde. Die Sehnsucht nach der 'guten, alten Zeit' ist also nicht nur eine zutiefst menschliche, sondern offensichtlich auch eine vampirische.

07/10

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